1,8 Es geschah aber, als er in der Ordnung seiner Abteilung den priesterlichen Dienst vor Gott verrichtete, 1,9 traf ihn, nach der Gewohnheit des Priestertums, das Los, in den Tempel des Herrn zu gehen, um zu räuchern. 1,10 Und die ganze Menge des Volkes stand betend draußen zur Stunde des Räucherns. 1,11 Ihm erschien aber ein Engel des Herrn und stand zur Rechten des Räucheraltars. 1,12 Und als Zacharias [ihn] sah, wurde er bestürzt, und Furcht kam über ihn. 1,13 Der Engel aber sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias! Denn dein Flehen ist erhört: Elisabeth, deine Frau, wird dir einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Johannes nennen. 1,14 Und er wird dir zur Freude und Wonne sein, und viele werden sich über seine Geburt freuen. 1,15 Denn er wird groß sein vor dem Herrn; weder Wein noch starkes Getränk wird er trinken und schon von Mutterleibe an mit Heiligem Geist erfüllt werden. 1,16 Und viele der Söhne Israels wird er zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren. 1,17 Und er wird vor ihm hergehen in dem Geist und der Kraft des Elia, um der Väter Herzen zu bekehren zu den Kindern und Ungehorsame zur Gesinnung von Gerechten, um dem Herrn ein zugerüstetes Volk zu bereiten. 1,18 Und Zacharias sprach zu dem Engel: Woran soll ich dies erkennen? Denn ich bin ein alter Mann, und meine Frau ist weit vorgerückt in ihren Tagen. 1,19 Und der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und ich bin gesandt worden, zu dir zu reden und dir diese gute Botschaft zu verkündigen. 1,20 Und siehe, du wirst stumm sein und nicht sprechen können bis zu dem Tag, da dies geschehen wird, dafür daß du meinen Worten nicht geglaubt hast, die sich zu ihrer Zeit erfüllen werden. 1,21 Und das Volk wartete auf Zacharias, und sie wunderten sich, daß er so lange im Tempel verweilte. 1,22 Als er aber herauskam, konnte er nicht zu ihnen reden, und sie erkannten, daß er im Tempel ein Gesicht gesehen hatte. Und er winkte ihnen zu und blieb stumm. 1,23 Und es geschah, als die Tage seines Dienstes zu Ende waren, ging er weg nach seinem Haus.
1,24 Nach diesen Tagen aber wurde Elisabeth, seine Frau, schwanger
und zog sich fünf Monate zurück und sagte:
1,25 So hat
mir der Herr getan in den Tagen, in denen er [mich] angesehen hat, um meine
Schmach vor den Menschen wegzunehmen.
V. 46-55: vgl. 1Sam 2,1-10.
1,46 Und Maria sprach:
Meine Seele erhebt den Herrn, 1,47 und mein Geist hat frohlockt in Gott, meinem Heiland.
1,48 Denn er hat hingeblickt auf die Niedrigkeit seiner Magd; denn siehe, von nun an werden mich glückselig preisen alle Geschlechter.
1,49 Denn Großes hat der Mächtige an mir getan, und heilig ist sein Name.
1,50 Und seine Barmherzigkeit ist von Geschlecht zu Geschlecht über die, welche ihn fürchten.
1,51 Er hat Macht geübt mit seinem Arm; er hat zerstreut, die in der Gesinnung ihres Herzens hochmütig sind.
1,52 Er hat Mächtige von Thronen hinabgestoßen und Niedrige erhöht.
1,53 Hungrige hat er mit Gütern erfüllt und Reiche leer fortgeschickt.
1,54 Er hat sich Israels, seines Knechtes, angenommen, daß er gedenke der Barmherzigkeit 1,55 - wie er zu unseren Vätern geredet hat - gegenüber Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit. -
1,56 Und Maria blieb ungefähr drei Monate bei ihr; und sie kehrte zu ihrem Haus zurück. Geburt des Johannes - Lobpreis des Zacharias
1,57 Für Elisabeth aber erfüllte sich die Zeit, daß sie gebären sollte, und sie gebar einen Sohn. 1,58 Und ihre Nachbarn und Verwandten hörten, daß der Herr seine Barmherzigkeit an ihr groß gemacht habe, und sie freuten sich mit ihr. 1,59 Und es geschah am achten Tag, da kamen sie, das Kindlein zu beschneiden; und sie nannten es nach dem Namen seines Vaters Zacharias. 1,60 Und seine Mutter antwortete und sprach: Nein, sondern er soll Johannes heißen. 1,61 Und sie sprachen zu ihr: Niemand ist in deiner Verwandtschaft, der diesen Namen trägt. 1,62 Sie winkten aber seinem Vater zu, wie er etwa wolle, daß er heißen sollte. 1,63 Und er forderte ein Täfelchen und schrieb darauf: Johannes ist sein Name. Und sie wunderten sich alle. 1,64 Sogleich aber wurde sein Mund aufgetan und seine Zunge [gelöst], und er redete und lobte Gott. 1,65 Und Furcht kam über alle, die um sie her wohnten; und auf dem ganzen Gebirge von Judäa wurden alle diese Dinge besprochen. 1,66 Und alle, die es hörten, nahmen es zu Herzen und sprachen: Was wird wohl aus diesem Kindlein werden? Denn auch des Herrn Hand war mit ihm.
1,67 Und Zacharias, sein Vater, wurde mit Heiligem Geist erfüllt und weissagte und sprach:
1,68 Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, daß er sein Volk angesehen und [ihm] Erlösung geschafft hat.
1,69 Er hat uns ein Horn des Heils aufgerichtet im Hause Davids, seines Knechtes,
1,70 wie er geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten von Ewigkeit her:
1,71 Rettung von unseren Feinden und von der Hand aller, die uns hassen;
1,72 um Barmherzigkeit zu üben an unseren Vätern und seines heiligen Bundes zu gedenken, 1,73 des Eides, den er Abraham, unserem Vater, geschworen hat, uns zu geben,
1,74 daß wir, gerettet aus der Hand unserer Feinde, ohne Furcht ihm dienen sollen 1,75 in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor ihm alle unsere Tage.
1,76 Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten genannt werden; denn du wirst vor dem Angesicht des Herrn hergehen, seine Wege zu bereiten,
1,77 um seinem Volk Erkenntnis des Heils zu geben in Vergebung ihrer Sünden,
1,78 durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, mit der uns der Aufgang aus der Höhe besucht hat,
1,79 um denen zu leuchten, die in Finsternis und Todesschatten sitzen, und unsere Füße zu richten auf den Weg des Friedens. -
1,80 Das Kindlein aber wuchs und erstarkte im Geist und war in
der Einöde bis zum Tag seines Auftretens vor Israel.
2,15 Und es geschah, als die Engel von ihnen hinweg in den Himmel auffuhren, daß die Hirten zueinander sagten: Laßt uns doch hingehen nach Bethlehem und diese Sache sehen, die geschehen ist und die der Herr uns kundgetan hat. 2,16 Und sie kamen eilends und fanden Maria und Joseph und das Kind in der Krippe liegend.
2,17 Als sie es aber gesehen hatten, machten sie das Wort bekannt,
das über dieses Kindlein zu ihnen geredet worden war. 2,18
Und alle, die es hörten, wunderten sich über das, was ihnen von
den Hirten gesagt wurde. 2,19 Maria aber bewahrte alle diese Worte
und erwog sie in ihrem Herzen.
2,20 Und die Hirten kehrten zurück,
priesen und lobten Gott über alles, was sie gehört und gesehen
hatten, wie es ihnen gesagt worden war.
2,22 Und als die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz Moses vollendet waren, brachten sie ihn nach Jerusalem hinauf, um ihn dem Herrn darzustellen 2,23 - wie im Gesetz des Herrn geschrieben steht: `Alle männliche Erstgeburt soll dem Herrn heilig heißen - 2,24 und ein Schlachtopfer zu geben nach dem, was im Gesetz des Herrn gesagt ist: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.
2,25 Und siehe, es war in Jerusalem ein Mensch, mit Namen Simeon;
und dieser Mensch war gerecht und gottesfürchtig und wartete auf den
Trost Israels; und der Heilige Geist war auf ihm. 2,26 Und ihm war
von dem Heiligen Geist eine göttliche Zusage zuteil geworden, daß
er den Tod nicht sehen solle, ehe er den Christus des Herrn gesehen habe.
2,27
Und er kam durch den Geist in den Tempel. Und als die Eltern das Kindlein
Jesus hereinbrachten, um mit ihm nach der Gewohnheit des Gesetzes zu tun,
2,28 da nahm auch er es auf seine Arme und lobte Gott und sprach:
2,29 Nun, Herr, entläßt du deinen Knecht nach deinem
Wort in Frieden; 2,30 denn meine Augen haben dein Heil gesehen,
2,31
das du bereitet hast im Angesicht aller Nationen: 2,32 ein Licht
zur Erleuchtung der Nationen und zur Herrlichkeit deines Volkes Israel.
2,33 Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das,
was über ihn geredet wurde. 2,34 Und Simeon segnete sie und
sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und
Aufstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird
2,35 - aber auch deine eigene Seele wird ein Schwert durchdringen
-, damit die Überlegungen aus vielen Herzen offenbar werden. 2,36
Und es war eine Prophetin Hanna, eine Tochter Phanuels, aus dem Stamm Asser.
Diese war in ihren Tagen weit vorgerückt; sie hatte sieben Jahre mit
ihrem Mann gelebt von ihrer Jungfrauschaft an; 2,37 und sie war
eine Witwe von vierundachtzig Jahren, die wich nicht vom Tempel und diente
Nacht und Tag mit Fasten und Flehen. 2,38 Und sie trat zur selben
Stunde herbei, lobte Gott und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung
Jerusalems warteten.
2,41 Und seine Eltern gingen alljährlich am Passahfest nach
Jerusalem. 2,42 Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie
hinauf nach der Gewohnheit des Festes; 2,43 und als sie die Tage
vollendet hatten, blieb bei ihrer Rückkehr der Knabe Jesus in Jerusalem
zurück; und seine Eltern wußten es nicht. 2,44 Da sie
aber meinten, er sei unter der Reisegesellschaft, kamen sie eine Tagereise
weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten; 2,45 und
als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten
ihn. 2,46 Und es geschah, daß sie ihn nach drei Tagen im Tempel
fanden, wie er inmitten der Lehrer saß und ihnen zuhörte und
sie befragte. 2,47 Alle aber, die ihn hörten, gerieten außer
sich über sein Verständnis und seine Antworten.
2,48 Und
als sie ihn sahen, wurden sie bestürzt; und seine Mutter sprach zu
ihm: Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben
dich mit Schmerzen gesucht. 2,49 Und er sprach zu ihnen: Was ist
es, daß ihr mich gesucht habt? Wußtet ihr nicht, daß
ich in dem sein muß, was meines Vaters ist? 2,50 Und sie verstanden
das Wort nicht, das er zu ihnen redete. 2,51 Und er ging mit ihnen
hinab und kam nach Nazareth, und er war ihnen untertan. Und seine Mutter
bewahrte alle diese Worte in ihrem Herzen. 2,52 Und Jesus nahm zu
an Weisheit und Alter und Gunst bei Gott und Menschen.
3,7 Er sprach nun zu den Volksmengen, die hinausgingen, um von ihm getauft zu werden: Otternbrut! Wer hat euch gewiesen, dem kommenden Zorn zu entfliehen? 3,8 Bringt nun der Buße würdige Früchte; und beginnt nicht, bei euch selbst zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch, daß Gott dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken vermag. 3,9 Schon ist aber die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt, jeder Baum nun, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. 3,10 Und die Volksmengen fragten ihn und sprachen: Was sollen wir denn tun? 3,11 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Unterkleider hat, teile dem mit, der keines hat; und wer Speise hat, tue ebenso. 3,12 Es kamen aber auch Zöllner, um getauft zu werden; und sie sprachen zu ihm: Lehrer, was sollen wir tun? 3,13 Er aber sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch bestimmt ist. 3,14 Es fragten ihn aber auch Kriegsleute und sprachen: Und wir, was sollen wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemand Gewalt, und erpreßt niemanden, und begnügt euch mit eurem Sold.
3,15 Als aber das Volk in Erwartung war und alle in ihren Herzen wegen Johannes überlegten, ob er nicht etwa der Christus sei, 3,16 antwortete Johannes allen und sprach: Ich zwar taufe euch mit Wasser; es kommt aber ein Stärkerer als ich, und ich bin nicht würdig, [ihm] den Riemen seiner Sandalen zu lösen; er wird euch mit Heiligem Geist und Feuer taufen. 3,17 Seine Worfschaufel ist in seiner Hand, und er wird seine Tenne durch und durch reinigen und den Weizen in seine Scheune sammeln; die Spreu aber wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer. 3,18 Indem er nun auch mit vielem anderen ermahnte, verkündigte er dem Volk gute Botschaft.
Mt 14,3-5; Mk 6,17-20.
3,19 Herodes aber, der Vierfürst, der von ihm zurechtgewiesen
wurde wegen der Herodias, der Frau seines Bruders, und wegen alles Bösen,
das Herodes getan hatte, 3,20 fügte allem auch dies hinzu,
daß er Johannes ins Gefängnis einschloß.
3,21 Es geschah aber, als das ganze Volk getauft wurde und Jesus
getauft war und betete, daß der Himmel aufgetan wurde 3,22
und der Heilige Geist in leiblicher Gestalt, wie eine Taube, auf ihn herabstieg
und eine Stimme aus dem Himmel kam: Du bist mein geliebter Sohn, an dir
habe ich Wohlgefallen gefunden.
3,23 Und er selbst, Jesus, war ungefähr dreißig Jahre
alt, als er auftrat, und war, wie man meinte, ein Sohn des Joseph, des
Eli, 3,24 des Matthat, des Levi, des Melchi, des Jannai, des Joseph,
3,25
des Mattathias, des Amos, des Nahum, des Hesli, des Naggai,
3,26
des Maath, des Mattathias, des Schimi, des Josech, des Joda,
3,27
des Johanan, des Resa, des Serubbabel, des Schealtiel, des Neri, 3,28
des Melchi, des Addi, des Kosam, des Elmadam, des Er,
3,29 des Jesus,
des Elieser, des Jorim, des Matthat, des Levi, 3,30 des Simeon,
des Juda, des Joseph, des Jonam, des Eljakim, 3,31 des Melea, des
Menna, des Mattatha, des Nathan, des David, 3,32 des Jesse, des
Obed, des Boas, des Salma, des Nahesson, 3,33 des Amminadab, des
Admin, des Arni, des Hezron, des Perez, des Juda, 3,34 des Jakob,
des Isaak, des Abraham, des Tharah, des Nahor, 3,35 des Sarug, des
Ragu, des Phalek, des Eber, des Salah, 3,36 des Kainam, des Arphachsad,
des Sem, des Noah, des Lamech, 3,37 des Methusala, des Henoch, des
Jaret, des Malaleel, des Kainam, 3,38 des Enos, des Seth, des Adam,
des Gottes.
4,5 Und er führte ihn auf einen hohen Berg und zeigte ihm in einem Augenblick alle Reiche des Erdkreises. 4,6 Und der Teufel sprach zu ihm: Ich will dir alle diese Macht und ihre Herrlichkeit geben; denn mir ist sie übergeben, und wem immer ich will, gebe ich sie. 4,7 Wenn du nun vor mir anbeten willst, soll das alles dein sein. 4,8 Und Jesus antwortete ihm und sprach: Es steht geschrieben: `Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.
4,9 Und er führte ihn nach Jerusalem und stellte ihn auf
die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so wirf
dich von hier hinab; 4,10 denn es steht geschrieben: `Er wird seinen
Engeln über dir befehlen, daß sie dich bewahren; 4,11
und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du nicht etwa deinen
Fuß an einen Stein stößt.
4,12 Und Jesus antwortete
und sprach zu ihm: Es ist gesagt: `Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht
versuchen. 4,13 Und als der Teufel jede Versuchung vollendet hatte,
wich er für eine Zeit von ihm.
4,14 Und Jesus kehrte in der Kraft des Geistes nach Galiläa
zurück, und die Kunde von ihm ging aus durch die ganze Umgegend.
4,15
Und er lehrte in ihren Synagogen, geehrt von allen.
4,16 Und er
kam nach Nazareth, wo er erzogen worden war; und er ging nach seiner Gewohnheit
am Sabbattag in die Synagoge und stand auf, um vorzulesen. 4,17
Und es wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht; und als er das
Buch aufgerollt hatte, fand er die Stelle, wo geschrieben war: 4,18
`Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, Armen gute
Botschaft zu verkündigen; er hat mich gesandt, Gefangenen Befreiung
auszurufen und Blinden, daß sie wieder sehen, Zerschlagene in Freiheit
hinzusenden, 4,19 auszurufen ein angenehmes Jahr des Herrn. 4,20
Und als er das Buch zugerollt hatte, gab er es dem Diener zurück und
setzte sich; und aller Augen in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. 4,21
Er fing aber an, zu ihnen zu sagen: Heute ist diese Schrift vor euren Ohren
erfüllt. 4,22 Und alle gaben ihm Zeugnis und wunderten sich
über die Worte der Gnade, die aus seinem Mund hervorgingen; und sie
sprachen: Ist dieser nicht der Sohn Josephs?
4,23 Und er sprach
zu ihnen: Ihr werdet jedenfalls dieses Sprichwort zu mir sagen: Arzt, heile
dich selbst! Alles, was wir gehört haben, [daß es] in Kapernaum
geschehen [sei], tu auch hier in deiner Vaterstadt! 4,24 Er sprach
aber: Wahrlich, ich sage euch, daß kein Prophet in seiner Vaterstadt
angenehm ist. 4,25 In Wahrheit aber sage ich euch: Viele Witwen
waren in den Tagen Elias in Israel, als der Himmel drei Jahre und sechs
Monate verschlossen war, so daß eine große Hungersnot über
das ganze Land kam; 4,26 und zu keiner von ihnen wurde Elia gesandt
als nur nach Sarepta in Sidonia zu einer Frau, einer Witwe. 4,27
Und viele Aussätzige waren zur Zeit des Propheten Elisa in Israel,
und keiner von ihnen wurde gereinigt als nur Naaman, der Syrer. 4,28
Und alle in der Synagoge wurden von Wut erfüllt, als sie dies hörten.
4,29
Und sie standen auf und stießen ihn zur Stadt hinaus und führten
ihn bis an den Rand des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, um ihn so
hinabzustürzen. 4,30 Er aber schritt durch ihre Mitte hindurch
und ging weg.
4,31 Und er kam nach Kapernaum hinab, einer Stadt in Galiläa,
und lehrte sie an den Sabbaten. 4,32 Und sie erstaunten sehr über
seine Lehre, denn sein Wort war mit Vollmacht.
4,33 Und es war in
der Synagoge ein Mensch, der einen Geist eines unreinen Dämons hatte,
und er schrie auf mit lauter Stimme 4,34 und sprach: Ach, was haben
wir mit dir zu schaffen, Jesus, Nazarener? Bist du gekommen, uns zu verderben?
Ich kenne dich, wer du bist: der Heilige Gottes. 4,35 Und Jesus
bedrohte ihn und sprach: Verstumme und fahre aus von ihm! Und als der Dämon
ihn mitten unter sie geworfen hatte, fuhr er von ihm aus, ohne ihm Schaden
zu tun. 4,36 Und Entsetzen kam über alle, und sie redeten untereinander
und sprachen: Was ist dies für ein Wort? Denn mit Vollmacht und Kraft
gebietet er den unreinen Geistern, und sie fahren aus. 4,37 Und
die Kunde von ihm ging aus in jeden Ort der Umgegend.
4,38 Er machte sich aber auf von der Synagoge und kam in das
Haus Simons. Die Schwiegermutter des Simon aber war von einem starken Fieber
befallen, und sie baten ihn für sie. 4,39 Und er beugte sich
über sie, bedrohte das Fieber, und es verließ sie; sie aber
stand sogleich auf und diente ihnen.
4,40 Als aber die Sonne unterging, brachten alle, die an mancherlei Krankheiten Leidende hatten, sie zu ihm; er aber legte jedem von ihnen die Hände auf und heilte sie. 4,41 Und auch Dämonen fuhren von vielen aus, indem sie schrien und sprachen: Du bist der Sohn Gottes. Und er bedrohte sie und ließ sie nicht reden, weil sie wußten, daß er der Christus war.
4,42 Als es aber Tag geworden war, ging er aus und begab sich
an einen einsamen Ort; und die Volksmengen suchten ihn auf und kamen bis
zu ihm, und sie hielten ihn auf, daß er nicht von ihnen ginge. 4,43
Er aber sprach zu ihnen: Ich muß auch den anderen Städten das
Evangelium vom Reich Gottes verkündigen, denn dazu bin ich gesandt
worden. Und er predigte in den Synagogen von Galiläa.
5,12 Und es geschah, als er in einer der Städte war, siehe,
da war ein Mann voll Aussatz; und als er Jesus sah, fiel er auf sein Angesicht
und bat ihn und sprach: Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen.
5,13
Und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will.
Sei gereinigt! Und sogleich wich der Aussatz von ihm. 5,14 Und er
gebot ihm, es niemand zu sagen: Sondern geh hin und zeige dich dem Priester
und opfere für deine Reinigung, wie Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis.
5,15 Aber die Rede über ihn verbreitete sich um so mehr; und
große Volksmengen versammelten sich, [ihn] zu hören und von
ihren Krankheiten geheilt zu werden.
5,16 Er aber zog sich zurück
und war in einsamen Gegenden und betete.
5,17 Und es geschah an einem der Tage, daß er lehrte, und
es saßen da Pharisäer und Gesetzeslehrer, die aus jedem Dorf
von Galiläa und Judäa und aus Jerusalem gekommen waren; und des
Herrn Kraft war da, um zu heilen. 5,18 Und siehe, Männer bringen
auf einem Bett einen Menschen, der gelähmt war; und sie suchten ihn
hineinzubringen und vor ihn zu legen. 5,19 Und da sie nicht fanden,
auf welchem Weg sie ihn hineinbringen sollten wegen der Volksmenge, stiegen
sie auf das Dach und ließen ihn durch die Ziegel hinab mit dem Bett
in die Mitte vor Jesus. 5,20 Und als er ihren Glauben sah, sprach
er: Mensch, deine Sünden sind dir vergeben.
5,21 Und die Schriftgelehrten
und die Pharisäer fingen an zu überlegen und sagten: Wer ist
dieser, der [solche] Lästerungen redet? Wer kann Sünden vergeben
außer Gott allein? 5,22 Als aber Jesus ihre Überlegungen
erkannte, antwortete und sprach er zu ihnen: Was überlegt ihr in euren
Herzen? 5,23 Was ist leichter zu sagen: Dir sind deine Sünden
vergeben, oder zu sagen: Steh auf und geh umher? 5,24 Damit ihr
aber wißt, daß der Sohn des Menschen Vollmacht hat, auf der
Erde Sünden zu vergeben - sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage
dir, steh auf und nimm dein Bett auf und geh nach Hause! 5,25 Und
sogleich stand er vor ihnen auf, nahm auf, worauf er gelegen hatte, und
ging hin in sein Haus und verherrlichte Gott. 5,26 Und Staunen ergriff
alle, und sie verherrlichten Gott und wurden mit Furcht erfüllt und
sprachen: Wir haben heute außerordentliche Dinge gesehen.
5,27 Und danach ging er hinaus und sah einen Zöllner, mit
Namen Levi, am Zollhaus sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach! 5,28
Und er verließ alles, stand auf und folgte ihm nach. 5,29
Und Levi machte ihm ein großes Mahl in seinem Haus; und dort war
eine große Menge Zöllner und anderer, die mit ihnen zu Tisch
lagen. 5,30 Und die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten murrten
gegen seine Jünger und sprachen: Warum eßt und trinkt ihr mit
den Zöllnern und Sündern? 5,31 Und Jesus antwortete und
sprach zu ihnen: Nicht die Gesunden brauchen einen Arzt, sondern die Kranken;
5,32
ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße.
5,33 Sie aber sprachen zu ihm: Warum fasten die Jünger des
Johannes oft und verrichten Gebete, ebenso auch die der Pharisäer;
die deinen aber essen und trinken? 5,34 Jesus aber sprach zu ihnen:
Ihr könnt doch nicht die Hochzeitsgäste fasten lassen, während
der Bräutigam bei ihnen ist? 5,35 Es werden aber Tage kommen,
und dann, wenn der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, in jenen
Tagen werden sie fasten.
5,36 Er sagte aber auch ein Gleichnis zu
ihnen: Niemand schneidet einen Flicken von einem neuen Kleid und setzt
ihn auf ein altes Kleid; sonst wird er sowohl das neue zerschneiden, wie
auch der Flicken von dem neuen zum alten nicht passen wird. 5,37
Und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche; sonst wird der
neue Wein die Schläuche zerreißen, und er selbst wird verschüttet
werden, und die Schläuche werden verderben; 5,38 sondern neuen
Wein füllt man in neue Schläuche. 5,39 Und niemand will,
wenn er alten getrunken hat, neuen, denn er spricht: Der alte ist milde.
6,6 Es geschah aber auch an einem anderen Sabbat, daß er
in die Synagoge ging und lehrte; und es war dort ein Mensch, dessen rechte
Hand verdorrt war. 6,7 Die Schriftgelehrten und die Pharisäer
aber lauerten darauf, ob er am Sabbat heilen würde, damit sie eine
Beschuldigung gegen ihn fänden.
6,8 Er aber wußte ihre
Überlegungen und sprach zu dem Menschen, der die verdorrte Hand hatte:
Steh auf und stelle dich in die Mitte! Er aber stand auf und stellte sich
hin. 6,9 Jesus sprach nun zu ihnen: Ich will euch fragen, ob es
erlaubt ist, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses zu tun, Leben zu retten
oder zu verderben. 6,10 Und nachdem er sie alle ringsum angeblickt
hatte, sprach er zu ihm: Strecke deine Hand aus! Und er tat es; und seine
Hand wurde wiederhergestellt. 6,11 Sie aber wurden mit Unverstand
erfüllt und besprachen sich untereinander, was sie Jesus tun sollten.
6,12 Und es geschah in diesen Tagen, daß er auf den Berg
hinausging, um zu beten; und er verbrachte die Nacht im Gebet zu Gott.
6,13
Und als es Tag wurde, rief er seine Jünger herbei und erwählte
aus ihnen zwölf, die er auch Apostel nannte: 6,14 Simon, den
er auch Petrus nannte, und Andreas, seinen Bruder, und Jakobus und Johannes
und Philippus und Bartholomäus
6,15 und Matthäus und Thomas
und Jakobus, des Alphäus [Sohn], und Simon, genannt Eiferer,
6,16
und Judas, des Jakobus [Bruder], und Judas Iskariot, der auch [sein] Verräter
wurde.
6,17 Und als er mit ihnen herabgestiegen war, trat er auf einen
ebenen Platz, und eine Menge seiner Jünger und eine große Menge
des Volkes von ganz Judäa und Jerusalem und von der Seeküste
von Tyrus und Sidon, die kamen, ihn zu hören und von ihren Krankheiten
geheilt zu werden; 6,18 und die von unreinen Geistern Geplagten
wurden geheilt. 6,19 Und die ganze Volksmenge suchte ihn anzurühren,
denn Kraft ging von ihm aus und heilte alle.
6,20 Und er erhob seine Augen zu seinen Jüngern und sprach: Glückselig ihr Armen, denn euer ist das Reich Gottes. 6,21 Glückselig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt werden. Glückselig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen. 6,22 Glückselig seid ihr, wenn die Menschen euch hassen werden und wenn sie euch absondern und schmähen und euren Namen als böse verwerfen werden um des Sohnes des Menschen willen; 6,23 freut euch an jenem Tag und hüpft, denn siehe, euer Lohn ist groß in dem Himmel; denn ebenso taten ihre Väter den Propheten.
6,24 Aber wehe euch Reichen, denn ihr habt euren Trost dahin.
6,25
Wehe euch, die ihr voll seid, denn ihr werdet hungern. Wehe euch, die ihr
jetzt lacht, denn ihr werdet trauern und weinen. 6,26 Wehe, wenn
alle Menschen wohl von euch reden, denn ebenso taten ihre Väter den
falschen Propheten.
6,27 Aber euch, die ihr hört, sage ich: Liebt eure Feinde;
tut wohl denen, die euch hassen; 6,28 segnet, die euch fluchen;
betet für die, welche euch beleidigen. 6,29 Dem, der dich auf
die Backe schlägt, biete auch die andere dar; und dem, der dir den
Mantel nimmt, verweigere auch das Unterkleid nicht. 6,30 Gib jedem,
der dich bittet; und von dem, der dir das Deine nimmt, fordere es nicht
zurück. 6,31 Und wie ihr wollt, daß euch die Menschen
tun sollen, so tut auch ihr ihnen. 6,32 Und wenn ihr liebt, die
euch lieben, was für einen Dank habt ihr? Denn auch die Sünder
lieben, die sie lieben. 6,33 Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch
Gutes tun, was für einen Dank habt ihr? Denn auch die Sünder
tun dasselbe. 6,34 Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr [wieder]
zu empfangen hofft, was für einen Dank habt ihr? Auch die Sünder
leihen Sündern, damit sie das gleiche wieder empfangen. 6,35
Doch liebt eure Feinde, und tut Gutes, und leiht, ohne etwas wieder zu
erhoffen, und euer Lohn wird groß sein, und ihr werdet Söhne
des Höchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und
Bösen.
6,36 Seid nun barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. 6,37 Und richtet nicht, und ihr werdet nicht gerichtet werden; verurteilt nicht, und ihr werdet nicht verurteilt werden. Laßt los, und ihr werdet losgelassen werden. 6,38 Gebt, und es wird euch gegeben werden: ein gutes, gedrücktes und gerütteltes und überlaufendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn mit demselben Maß, mit dem ihr meßt, wird euch wieder gemessen werden.
6,39 Er sagte aber auch ein Gleichnis zu ihnen: Kann etwa ein
Blinder einen Blinden leiten? Werden nicht beide in eine Grube fallen?
6,40
Ein Jünger ist nicht über dem Lehrer; jeder aber, der vollendet
ist, wird sein wie sein Lehrer. 6,41 Was aber siehst du den Splitter,
der in deines Bruders Auge ist, den Balken aber, der in deinem eigenen
Auge ist, nimmst du nicht wahr? 6,42 Oder wie kannst du zu deinem
Bruder sagen: Bruder, erlaube, ich will den Splitter herausziehen, der
in deinem Auge ist, während du selbst den Balken in deinem Auge nicht
siehst? Heuchler, ziehe zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann wirst
du klar sehen, um den Splitter herauszuziehen, der in deines Bruders Auge
ist. 6,43 Denn es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht bringt,
noch einen faulen Baum, der gute Frucht bringt;
6,44 denn jeder
Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt; denn von Dornen sammelt man
nicht Feigen, noch liest man von einem Dornbusch Trauben. 6,45 Der
gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor,
und der böse bringt aus dem bösen das Böse hervor; denn
aus der Fülle des Herzens redet sein Mund.
6,46 Was nennt ihr mich aber: Herr, Herr! und tut nicht, was
ich sage? 6,47 Jeder, der zu mir kommt und meine Worte hört
und sie tut - ich will euch zeigen, wem er gleich ist.
6,48 Er ist
einem Menschen gleich, der ein Haus baute, grub und vertiefte und den Grund
auf den Felsen legte; als aber eine Flut kam, stieß der Strom an
jenes Haus und konnte es nicht erschüttern, denn es war auf den Felsen
gegründet.
6,49 Der aber gehört und nicht getan hat, ist
einem Menschen gleich, der ein Haus auf die Erde baute ohne Grundmauer;
der Strom stieß daran, und sogleich fiel es, und der Sturz jenes
Hauses war groß.
7,18 Und dem Johannes berichteten seine Jünger über dies alles. 7,19 Und Johannes rief zwei seiner Jünger herbei und sandte sie zu Jesus und ließ [ihm] sagen: Bist du der Kommende, oder sollen wir auf einen anderen warten? 7,20 Als aber die Männer zu ihm gekommen waren, sprachen sie: Johannes der Täufer hat uns zu dir gesandt und läßt [dir] sagen: Bist du der Kommende, oder sollen wir auf einen anderen warten? 7,21 In jener Stunde aber heilte er viele von Krankheiten und Plagen und bösen Geistern, und vielen Blinden schenkte er das Augenlicht. 7,22 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und verkündet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: daß Blinde sehend werden, Lahme gehen, Aussätzige gereinigt werden, Taube hören, Tote auferweckt werden, Armen gute Botschaft verkündigt wird; 7,23 und glückselig ist, wer sich nicht an mir ärgern wird.
7,24 Als aber die Boten des Johannes weggegangen waren, fing
er an, zu den Volksmengen über Johannes zu reden: Was seid ihr in
die Wüste hinausgegangen zu sehen? Ein Rohr, vom Wind hin und her
bewegt? 7,25 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Menschen,
mit weichen Kleidern angetan? Siehe, die in herrlicher Kleidung und in
Üppigkeit leben, sind an den königlichen Höfen. 7,26
Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Propheten? Ja, sage ich
euch, und mehr als einen Propheten. 7,27 Dieser ist es, von dem
geschrieben steht: `Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht
her, der deinen Weg vor dir bereiten wird. 7,28 Denn ich sage euch:
Unter den von Frauen Geborenen ist kein größerer Prophet als
Johannes der Täufer; aber der Kleinste in dem Reich Gottes ist größer
als er. 7,29 Und das ganze Volk, das zuhörte, und die Zöllner
gaben Gott recht, indem sie sich mit der Taufe des Johannes taufen ließen;
7,30
die Pharisäer aber und die Gesetzesgelehrten machten den Ratschluß
Gottes für sich selbst wirkungslos, indem sie sich nicht von ihm taufen
ließen. 7,31 Wem soll ich nun die Menschen dieses Geschlechts
vergleichen? Und wem sind sie gleich? 7,32 Sie sind Kindern gleich,
die auf dem Markt sitzen und einander zurufen und sagen: Wir haben euch
gepfiffen, und ihr habt nicht getanzt; wir haben euch Klagelieder gesungen,
und ihr habt nicht geweint. 7,33 Denn Johannes der Täufer ist
gekommen, der weder Brot aß noch Wein trank, und ihr sagt: Er hat
einen Dämon. 7,34 Der Sohn des Menschen ist gekommen, der da
ißt und trinkt, und ihr sagt: Siehe, ein Fresser und Weinsäufer,
ein Freund von Zöllnern und Sündern; 7,35 - und die Weisheit
ist gerechtfertigt worden von allen ihren Kindern.
8,4 Als sich aber eine große Volksmenge versammelte und sie aus jeder Stadt zu ihm hinkamen, sprach er in einem Gleichnis: 8,5 Der Sämann ging aus, seinen Samen zu säen; und indem er säte, fiel einiges an den Weg, und es wurde zertreten, und die Vögel des Himmels fraßen es auf. 8,6 Und anderes fiel auf den Felsen; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. 8,7 Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und indem die Dornen mit aufwuchsen, erstickten sie es. 8,8 Und anderes fiel in die gute Erde und ging auf und brachte hundertfache Frucht. Als er dies sagte, rief er aus: Wer Ohren hat zu hören, der höre!
8,9 Seine Jünger aber fragten ihn, was dieses Gleichnis
bedeute. 8,10 Er aber sprach: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse
des Reiches Gottes zu wissen, den übrigen aber in Gleichnissen, damit
sie sehend nicht sehen und hörend nicht verstehen. 8,11 Dies
aber ist die Bedeutung des Gleichnisses: Der Same ist das Wort Gottes.
8,12
Die aber an dem Weg sind die, welche hören; dann kommt der Teufel
und nimmt das Wort von ihren Herzen weg, daß sie nicht glauben und
errettet werden. 8,13 Die aber auf dem Felsen sind die, welche,
wenn sie hören, das Wort mit Freuden aufnehmen; und diese haben keine
Wurzel; für eine Zeit glauben sie, und in der Zeit der Versuchung
fallen sie ab. 8,14 Das aber unter die Dornen fiel, sind die, welche
gehört haben und hingehen und durch Sorgen und Reichtum und Vergnügungen
des Lebens erstickt werden und nichts zur Reife bringen.
8,15 Das
in der guten Erde aber sind die, welche in einem redlichen und guten Herzen
das Wort, nachdem sie es gehört haben, bewahren und Frucht bringen
mit Ausharren.
8,16 Niemand aber, der eine Lampe angezündet hat, bedeckt
sie mit einem Gefäß oder stellt sie unter ein Bett, sondern
er stellt sie auf ein Lampengestell, damit die Hereinkommenden das Licht
sehen. 8,17 Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden
wird, noch geheim, was nicht kundwerden und ans Licht kommen soll. 8,18
Seht nun zu, wie ihr hört; denn wer hat, dem wird gegeben werden,
und wer nicht hat, von dem wird selbst, was er zu haben meint, genommen
werden.
8,19 Es kamen aber seine Mutter und seine Brüder zu ihm;
und sie konnten wegen der Volksmenge nicht zu ihm gelangen.
8,20
Und es wurde ihm berichtet: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen
und wollen dich sehen. 8,21 Er aber antwortete und sprach zu ihnen:
Meine Mutter und meine Brüder sind die, welche das Wort Gottes hören
und tun.
8,22 Und es geschah an einem der Tage, daß er in ein Schiff
stieg, er und seine Jünger; und er sprach zu ihnen: Laßt uns
übersetzen an das jenseitige Ufer des Sees. Und sie fuhren ab. 8,23
Während sie aber fuhren, schlief er ein. Und es fiel ein Sturmwind
auf den See, und das Schiff füllte sich [mit Wasser], und sie waren
in Gefahr. 8,24 Sie traten aber hinzu und weckten ihn auf und sprachen:
Meister, Meister, wir kommen um! Er aber stand auf, bedrohte den Wind und
das Gewoge des Wassers; und sie legten sich, und es trat Stille ein. 8,25
Er aber sprach zu ihnen: Wo ist euer Glaube? Erschrocken aber erstaunten
sie und sagten zueinander: Wer ist denn dieser, daß er auch den Winden
und dem Wasser gebietet und sie ihm gehorchen?
8,26 Und sie fuhren nach der Landschaft der Gerasener, die Galiläa
gegenüber liegt. 8,27 Als er aber an das Land gestiegen war,
kam ihm ein Mann aus der Stadt entgegen, der seit langer Zeit Dämonen
hatte und keine Kleider anzog und nicht im Haus blieb, sondern in den Grabstätten.
8,28
Als er aber Jesus sah, schrie er auf und fiel vor ihm nieder und sprach
mit lauter Stimme: Was habe ich mit dir zu schaffen, Jesus, Sohn Gottes,
des Höchsten? Ich bitte dich, quäle mich nicht.
8,29 Denn
er hatte dem unreinen Geist geboten, von dem Menschen auszufahren. Denn
öfters hatte er ihn gepackt; und er war gebunden worden, verwahrt
mit Ketten und Fußfesseln, und er zerbrach die Fesseln und wurde
von dem Dämon in die Wüsteneien getrieben. 8,30 Jesus
fragte ihn aber und sprach: Was ist dein Name? Er aber sprach: Legion.
Denn viele Dämonen waren in ihn gefahren. 8,31 Und sie baten
ihn, daß er ihnen nicht gebieten möchte, in den Abgrund zu fahren.
8,32
Es war aber dort eine Herde von vielen Schweinen, die an dem Berg weideten.
Und sie baten ihn, daß er ihnen erlauben möchte, in jene zu
fahren. Und er erlaubte es ihnen. 8,33 Die Dämonen aber fuhren
von dem Menschen aus und fuhren in die Schweine, und die Herde stürzte
sich den Abhang hinab in den See und ertrank. 8,34 Als aber die
Hüter sahen, was geschehen war, flohen sie und verkündeten es
in der Stadt und auf dem Land. 8,35 Die Leute aber gingen hinaus,
um zu sehen, was geschehen war. Und sie kamen zu Jesus und fanden den Menschen,
von dem die Dämonen ausgefahren waren, bekleidet und vernünftig
zu den Füßen Jesu sitzen; und sie fürchteten sich. 8,36
Die es aber gesehen hatten, verkündeten ihnen, wie der Besessene geheilt
worden war. 8,37 Und die ganze Menge aus der Umgegend der Gerasener
bat ihn, von ihnen wegzugehen, denn sie waren von großer Furcht ergriffen.
Er aber stieg in das Schiff und kehrte wieder zurück. 8,38
Der Mann aber, von dem die Dämonen ausgefahren waren, bat ihn, daß
er bei ihm bleiben dürfe. Er aber entließ ihn und sprach: 8,39
Kehre in dein Haus zurück und erzähle, wieviel Gott an dir getan
hat. Und er ging hin und rief aus durch die ganze Stadt, wieviel Jesus
an ihm getan hatte.
8,40 Es geschah aber, als Jesus zurückkehrte, nahm ihn das Volk auf, denn alle erwarteten ihn. 8,41 Und siehe, es kam ein Mann mit Namen Jairus - und er war Vorsteher der Synagoge - und fiel Jesus zu Füßen und bat ihn, in sein Haus zu kommen; 8,42 denn er hatte eine einzige Tochter von etwa zwölf Jahren, und diese lag im Sterben. Während er aber hinging, drängte ihn die Volksmenge.
8,43 Und eine Frau, die seit zwölf Jahren mit einem Blutfluß behaftet war und, obgleich sie ihren ganzen Lebensunterhalt an [die] Ärzte verwandt hatte, von niemand geheilt werden konnte, 8,44 kam von hinten heran und rührte die Quaste seines Kleides an; und sogleich hörte ihr Blutfluß auf. 8,45 Und Jesus sprach: Wer ist es, der mich angerührt hat? Als aber alle es abstritten, sprach Petrus: Meister, die Volksmengen drängen und drücken dich, und du sagst: Wer ist es, der mich angerührt hat? 8,46 Jesus aber sprach: Es hat mich jemand angerührt; denn ich habe gespürt, daß Kraft von mir ausgegangen ist. 8,47 Als die Frau aber sah, daß sie nicht verborgen blieb, kam sie zitternd und fiel vor ihm nieder und berichtete vor dem ganzen Volk, um welcher Ursache willen sie ihn angerührt habe und wie sie sogleich geheilt worden sei. 8,48 Er aber sprach zu ihr: Tochter, dein Glaube hat dich geheilt. Geh hin in Frieden!
8,49 Während er noch redete, kommt einer von dem [Haus des]
Synagogenvorstehers und sagt zu ihm: Deine Tochter ist gestorben, bemühe
den Lehrer nicht. 8,50 Als aber Jesus es hörte, antwortete
er ihm: Fürchte dich nicht, glaube nur! Und sie wird gerettet werden.
8,51
Als er aber in das Haus kam, erlaubte er niemand hineinzugehen, außer
Petrus und Johannes und Jakobus und dem Vater des Kindes und der Mutter.
8,52 Alle aber weinten und beklagten sie. Er aber sprach: Weint
nicht, denn sie ist nicht gestorben, sondern sie schläft. 8,53
Und sie lachten ihn aus, da sie wußten, daß sie gestorben war.
8,54
Als er aber alle hinausgetrieben hatte, ergriff er sie bei der Hand und
rief und sprach: Kind, steh auf! 8,55 Und ihr Geist kehrte zurück,
und sogleich stand sie auf; und er befahl, ihr zu essen zu geben. 8,56
Und ihre Eltern gerieten außer sich; er aber gebot ihnen, niemand
zu sagen, was geschehen war.
9,7 Es hörte aber Herodes, der Vierfürst, alles, was
geschehen war, und er war in Verlegenheit, weil von einigen gesagt wurde,
daß Johannes aus den Toten auferweckt worden sei; 9,8 von
einigen aber, daß Elia erschienen, von anderen aber, daß einer
der alten Propheten auferstanden sei. 9,9 Und Herodes sprach: Johannes
habe ich enthauptet. Wer aber ist dieser, von dem ich solches höre?
Und er suchte ihn zu sehen.
9,10 Und als die Apostel zurückkehrten, erzählten sie
ihm alles, was sie getan hatten; und er nahm sie mit und zog sich abseits
zurück nach einer Stadt mit Namen Bethsaida.
9,11 Als aber
die Volksmengen es erfuhren, folgten sie ihm; und er nahm sie auf und redete
zu ihnen vom Reich Gottes, und die Heilung brauchten, machte er gesund.
9,12
Der Tag aber begann sich zu neigen, und die Zwölf traten herbei und
sprachen zu ihm: Entlaß die Volksmenge, daß sie in die Dörfer
ringsum und auf die Höfe gehen und Herberge und Speise finden; denn
hier sind wir an einem öden Ort.
9,13 Er aber sprach zu ihnen:
Gebt ihr ihnen zu essen. Sie aber sprachen: Wir haben nicht mehr als fünf
Brote und zwei Fische, es sei denn, daß wir hingingen und für
dieses ganze Volk Speise kauften. 9,14 Denn es waren etwa fünftausend
Mann. Er sprach aber zu seinen Jüngern: Laßt sie sich reihenweise
zu je fünfzig lagern. 9,15 Und sie taten so und ließen
alle sich lagern. 9,16 Er nahm aber die fünf Brote und die
zwei Fische, blickte auf zum Himmel und segnete sie; und er brach sie und
gab sie den Jüngern, damit sie der Volksmenge vorlegten. 9,17
Und sie aßen und wurden alle gesättigt; und es wurde aufgehoben,
was ihnen an Brocken übriggeblieben war, zwölf Handkörbe
[voll].
9,18 Und es geschah, als er für sich allein betete, waren die Jünger bei ihm; und er fragte sie und sprach: Was sagen die Volksmengen, wer ich bin? 9,19 Sie aber antworteten und sprachen: Johannes der Täufer; andere aber: Elia; andere aber, daß einer der alten Propheten auferstanden sei. 9,20 Er sprach aber zu ihnen: Ihr aber, was sagt ihr, wer ich bin? Petrus aber antwortete und sprach: Der Christus Gottes. 9,21 Er aber redete ihnen ernstlich zu und gebot ihnen, dies niemand zu sagen, 9,22 und sprach: Der Sohn des Menschen muß vieles leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet und am dritten Tag auferweckt werden.
Mt 16,24-28; Mk 8,34-9,1.
9,23 Er sprach aber zu allen: Wenn jemand mir nachkommen will,
verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf täglich und folge
mir nach. 9,24 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren;
wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es retten. 9,25
Denn was wird es einem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne,
sich selbst aber verlöre oder einbüßte? 9,26 Denn
wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird der Sohn des
Menschen sich schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit
und der des Vaters und der heiligen Engel. 9,27 Ich sage euch aber
in Wahrheit: Es sind einige unter denen, die hier stehen, die den Tod nicht
schmecken werden, bis sie das Reich Gottes gesehen haben.
9,28 Es geschah aber etwa acht Tage nach diesen Worten, daß
er Petrus und Johannes und Jakobus mitnahm und auf den Berg stieg, um zu
beten. 9,29 Und als er betete, veränderte sich das Aussehen
seines Angesichts, und sein Gewand wurde weiß, strahlend. 9,30
Und siehe, zwei Männer redeten mit ihm, es waren Mose und Elia. 9,31
Diese erschienen in Herrlichkeit und besprachen seinen Ausgang, den er
in Jerusalem erfüllen sollte. 9,32 Petrus aber und die mit
ihm waren, waren beschwert vom Schlaf; als sie aber völlig aufgewacht
waren, sahen sie seine Herrlichkeit und die zwei Männer, die bei ihm
standen.
9,33 Und es geschah, als sie von ihm schieden, sprach Petrus
zu Jesus: Meister, es ist gut, daß wir hier sind; und laß uns
drei Hütten machen, dir eine und Mose eine und Elia eine. Und er wußte
nicht, was er sagte. 9,34 Als er aber dies sagte, kam eine Wolke
und überschattete sie. Sie fürchteten sich aber, als sie in die
Wolke hineinkamen; 9,35 und es geschah eine Stimme aus der Wolke,
die sagte: Dieser ist mein geliebter Sohn, ihn hört! 9,36 Und
während die Stimme geschah, war Jesus wieder allein. Und sie schwiegen
und verkündeten in jenen Tagen niemand etwas von dem, was sie gesehen
hatten.
9,37 Es geschah aber am folgenden Tag, als sie von dem Berg herabgestiegen
waren, da kam ihm eine große Volksmenge entgegen. 9,38 Und
siehe, ein Mann aus der Volksmenge rief laut und sprach: Lehrer, ich bitte
dich, blicke hin auf meinen Sohn, denn er ist mein einziger; 9,39
und siehe, ein Geist ergreift ihn, und plötzlich schreit er, und er
zerrt ihn unter Schäumen, und kaum einmal läßt er von ihm
ab, er reibt ihn auf. 9,40 Und ich bat deine Jünger, daß
sie ihn austreiben möchten, und sie konnten es nicht. 9,41
Jesus aber antwortete und sprach: O ungläubiges und verkehrtes Geschlecht,
bis wann soll ich bei euch sein und euch ertragen? Bring deinen Sohn her!
9,42
Aber noch während er herbeikam, warf ihn der Dämon nieder und
zerrte ihn zusammen. Jesus aber bedrohte den unreinen Geist und heilte
den Knaben und gab ihn seinem Vater zurück. 9,43 Sie erstaunten
aber alle sehr über die herrliche Größe Gottes.
Als sich aber alle verwunderten über alles, was er tat, sprach
er zu seinen Jüngern: 9,44 Nehmt ihr diese Worte in eure Ohren,
nämlich daß der Sohn des Menschen überliefert werden wird
in die Hände der Menschen. 9,45 Sie aber verstanden dieses
Wort nicht, und es war vor ihnen verborgen, daß sie es nicht begriffen;
und sie fürchteten sich, ihn über dieses Wort zu fragen.
9,46 Es stieg aber unter ihnen eine Überlegung auf, wer wohl der Größte unter ihnen sei. 9,47 Als Jesus aber die Überlegung ihres Herzens erkannte, nahm er ein Kind und stellte es neben sich 9,48 und sprach zu ihnen: Wer dieses Kind aufnehmen wird in meinem Namen, nimmt mich auf, und wer mich aufnehmen wird, nimmt den auf, der mich gesandt hat; denn wer der Kleinste ist unter euch allen, der ist groß.
9,49 Johannes aber antwortete und sprach: Meister, wir sahen
jemand Dämonen austreiben in deinem Namen und wir wehrten ihm, weil
er [dir] nicht mit uns nachfolgt. 9,50 Und Jesus sprach zu ihm:
Wehrt nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, ist für euch.
9,57 Es geschah aber, als sie auf dem Weg dahinzogen, sprach
einer zu ihm: Ich will dir nachfolgen, wohin du auch gehst, Herr.
9,58
Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel
des Himmels Nester; aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo er sein Haupt
hinlege. 9,59 Er sprach aber zu einem anderen: Folge mir nach! Der
aber sprach: Herr, erlaube mir, zuvor hinzugehen und meinen Vater zu begraben.
9,60
Jesus aber sprach zu ihm: Laß die Toten ihre Toten begraben, du aber
geh hin und verkündige das Reich Gottes. 9,61 Es sprach aber
auch ein anderer: Ich will dir nachfolgen, Herr; zuvor aber erlaube mir,
Abschied zu nehmen von denen, die in meinem Hause sind. 9,62 Jesus
aber sprach zu ihm: Niemand, der seine Hand an den Pflug gelegt hat und
zurückblickt, ist tauglich für das Reich Gottes.
10,13 Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida! Denn wenn in Tyrus
und Sidon die Wunderwerke geschehen wären, die unter euch geschehen
sind, längst hätten sie, in Sack und Asche sitzend, Buße
getan. 10,14 Doch Tyrus und Sidon wird es erträglicher ergehen
im Gericht als euch. 10,15 Und du, Kapernaum, die du bis zum Himmel
erhöht worden bist, bis zum Hades wirst du hinabgestoßen werden.
10,16
Wer euch hört, hört mich; und wer euch verwirft, verwirft mich;
wer aber mich verwirft, verwirft den, der mich gesandt hat.
10,17 Die Siebzig aber kehrten mit Freuden zurück und sprachen:
Herr, auch die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen. 10,18
Er sprach aber zu ihnen: Ich schaute den Satan wie einen Blitz vom Himmel
fallen. 10,19 Siehe, ich gebe euch die Macht, auf Schlangen und
Skorpione zu treten, und über die ganze Kraft des Feindes, und nichts
soll euch irgendwie schaden. 10,20 Doch darüber freut euch
nicht, daß euch die Geister untertan sind; freut euch aber, daß
eure Namen in den Himmeln angeschrieben sind. 10,21 In dieser Stunde
frohlockte Jesus im Geist und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des
Himmels und der Erde, daß du dies vor Weisen und Verständigen
verborgen hast und hast es Unmündigen geoffenbart. Ja, Vater, denn
so war es wohlgefällig vor dir.
10,22 Alles ist mir übergeben
von meinem Vater; und niemand erkennt, wer der Sohn ist, als nur der Vater;
und wer der Vater ist, als nur der Sohn, und wem der Sohn [ihn] offenbaren
will. 10,23 Und er wandte sich zu den Jüngern allein und sprach:
Glückselig die Augen, die sehen, was ihr seht!
10,24 Denn ich
sage euch, daß viele Propheten und Könige begehrt haben, zu
sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was
ihr hört, und haben es nicht gehört.
10,25 Und siehe, ein Gesetzesgelehrter stand auf und versuchte
ihn und sprach: Lehrer, was muß ich getan haben, um ewiges Leben
zu erben? 10,26 Er aber sprach zu ihm: Was steht in dem Gesetz geschrieben?
Wie liest du? 10,27 Er aber antwortete und sprach: `Du sollst den
Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen
Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Verstand und deinen
Nächsten wie dich selbst. 10,28 Er sprach aber zu ihm: Du hast
recht geantwortet; tu dies, und du wirst leben. 10,29 Indem er aber
sich selbst rechtfertigen wollte, sprach er zu Jesus: Und wer ist mein
Nächster? 10,30 Jesus aber erwiderte und sprach: Ein Mensch
ging von Jerusalem nach Jericho hinab und fiel unter Räuber, die ihn
auch auszogen und ihm Schläge versetzten und weggingen und ihn halbtot
liegen ließen.
10,31 Von ungefähr aber ging ein Priester
jenen Weg hinab; und als er ihn sah, ging er an der entgegengesetzten Seite
vorüber. 10,32 Ebenso aber kam auch ein Levit, der an den Ort
gelangte und sah [ihn] und ging an der entgegengesetzten Seite vorüber.
10,33
Aber ein Samariter, der auf der Reise war, kam zu ihm hin; und als er ihn
sah, wurde er innerlich bewegt; 10,34 und er trat hinzu und verband
seine Wunden und goß Öl und Wein darauf; und er setzte ihn auf
sein eigenes Tier und führte ihn in eine Herberge und trug Sorge für
ihn. 10,35 Und am folgenden Morgen zog er zwei Denare heraus und
gab sie dem Wirt und sprach: Trage Sorge für ihn; und was du noch
dazu verwenden wirst, werde ich dir bezahlen, wenn ich zurückkomme.
10,36 Was meinst du, wer von diesen dreien der Nächste dessen
gewesen ist, der unter die Räuber gefallen war? 10,37 Er aber
sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm übte. Jesus aber sprach zu ihm:
Geh hin und handle ebenso!
11,14 Und er trieb einen Dämon aus, der stumm war. Es geschah
aber, als der Dämon ausgefahren war, redete der Stumme; und die Volksmengen
wunderten sich. 11,15 Einige aber von ihnen sagten: Durch Beelzebul,
den Obersten der Dämonen, treibt er die Dämonen aus. 11,16
Andere aber versuchten ihn und forderten von ihm ein Zeichen aus dem Himmel.
11,17
Da er aber ihre Gedanken wußte, sprach er zu ihnen: Jedes Reich,
das mit sich selbst entzweit ist, wird verwüstet, und Haus gegen Haus
[entzweit], stürzt ein. 11,18 Wenn aber auch der Satan mit
sich selbst entzweit ist, wie wird sein Reich bestehen? Denn ihr sagt,
daß ich durch Beelzebul die Dämonen austreibe. 11,19
Wenn aber ich durch Beelzebul die Dämonen austreibe, durch wen treiben
eure Söhne sie aus? Darum werden sie eure Richter sein. 11,20
Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, so ist
also das Reich Gottes zu euch gekommen. 11,21 Wenn der Starke bewaffnet
seinen Hof bewacht, so ist seine Habe in Frieden; 11,22 wenn aber
ein Stärkerer als er über ihn kommt und ihn besiegt, so nimmt
er seine ganze Waffenrüstung weg, auf die er vertraute, und seine
Beute verteilt er. 11,23 Wer nicht mit mir ist, ist gegen mich;
und wer nicht mit mir sammelt, zerstreut.
11,24 Wenn der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist,
so durchwandert er dürre Orte und sucht Ruhe; und da er sie nicht
findet, spricht er: Ich will in mein Haus zurückkehren, von wo ich
ausgegangen bin. 11,25 Und wenn er kommt, findet er es gekehrt und
geschmückt. 11,26 Dann geht er hin und nimmt sieben andere
Geister mit, schlimmer als er selbst, und sie gehen hinein und wohnen dort;
und das Ende jenes Menschen wird ärger als der Anfang.
11,29 Als aber die Volksmengen sich herzudrängten, fing
er an, zu sagen: Dieses Geschlecht ist ein böses Geschlecht; es fordert
ein Zeichen, und kein Zeichen wird ihm gegeben werden als nur das Zeichen
Jonas. 11,30 Denn wie Jona den Niniviten ein Zeichen war, so wird
es auch der Sohn des Menschen diesem Geschlecht sein. 11,31 Eine
Königin des Südens wird auftreten im Gericht mit den Männern
dieses Geschlechts und wird sie verdammen; denn sie kam von den Enden der
Erde, um die Weisheit Salomos zu hören; und siehe, hier ist mehr als
Salomo. 11,32 Männer von Ninive werden aufstehen im Gericht
mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße
auf die Predigt Jonas hin; und siehe, hier ist mehr als Jona.
11,33 Niemand aber, der eine Leuchte angezündet hat, stellt
sie ins Versteck, noch unter den Scheffel, sondern auf das Lampengestell,
damit die Hereinkommenden den Schein sehen.
11,34 Die Leuchte des
Leibes ist dein Auge; wenn dein Auge lauter ist, so ist auch dein ganzer
Leib licht; wenn es aber böse ist, so ist auch dein Leib finster.
11,35
Sieh nun zu, daß das Licht, welches in dir ist, nicht Finsternis
ist.
11,36 Wenn nun dein ganzer Leib licht ist und keinen finsteren
Teil hat, so wird er ganz licht sein, wie wenn die Leuchte mit ihrem Strahl
dich beleuchtete.
11,37 Als er aber redete, bat ihn ein Pharisäer, daß
er bei ihm zu Mittag essen möchte; er ging aber hinein und legte sich
zu Tisch. 11,38 Als aber der Pharisäer es sah, wunderte er
sich, daß er sich nicht erst vor dem Essen gewaschen hatte. 11,39
Der Herr aber sprach zu ihm: Nun, ihr Pharisäer, ihr reinigt das Äußere
des Bechers und der Schüssel, euer Inneres aber ist voller Raub und
Bosheit. 11,40 Toren! Hat nicht der, welcher das Äußere
gemacht hat, auch das Innere gemacht? 11,41 Gebt jedoch als Almosen,
was darin ist, und siehe, alles ist euch rein. 11,42 Aber wehe euch
Pharisäern! Denn ihr verzehntet die Minze und die Raute und alles
Kraut und übergeht das Gericht und die Liebe Gottes; diese Dinge hättet
ihr tun und jene nicht lassen sollen. 11,43 Wehe euch Pharisäern!
Denn ihr liebt den ersten Sitz in den Synagogen und die Begrüßungen
auf den Märkten. 11,44 Wehe euch! Denn ihr seid wie die Grüfte,
die verborgen sind, und die Menschen, die darüber hingehen, wissen
es nicht. 11,45 Aber einer der Gesetzesgelehrten antwortete und
spricht zu ihm: Lehrer, indem du dies sagst, schmähst du auch uns.
11,46
Er aber sprach: Auch euch Gesetzesgelehrten wehe! Denn ihr belastet die
Menschen mit schwer zu tragenden Lasten, und selbst rührt ihr die
Last nicht mit einem eurer Finger an. 11,47 Wehe euch! Denn ihr
baut die Grabmäler der Propheten, eure Väter aber haben sie getötet.
11,48 So gebt ihr Zeugnis und stimmt den Werken eurer Väter
bei; denn sie haben sie getötet, ihr aber baut ihre Grabmäler.
11,49
Darum hat auch die Weisheit Gottes gesagt: Ich werde Propheten und Apostel
zu ihnen senden, und einige von ihnen werden sie töten und vertreiben,
11,50
damit das Blut aller Propheten, das von Grundlegung der Welt an vergossen
worden ist, von diesem Geschlecht gefordert werde: 11,51 von dem
Blut Abels an bis zu dem Blut des Zacharias, der zwischen dem Altar und
dem Haus umkam; ja, sage ich euch, es wird von diesem Geschlecht gefordert
werden. 11,52 Wehe euch Gesetzesgelehrten! Denn ihr habt den Schlüssel
der Erkenntnis weggenommen; ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die
hineingehen wollten, habt ihr gehindert. 11,53 Als er aber dies
zu ihnen sagte, fingen die Schriftgelehrten und die Pharisäer an,
hart auf ihn einzudringen und ihn über vieles auszufragen; 11,54
und sie lauerten auf ihn, etwas aus seinem Mund zu erjagen.
12,4 Ich sage aber euch, meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und nach diesem nichts weiter zu tun vermögen. 12,5 Ich will euch aber zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet den, der nach dem Töten Macht hat, in die Hölle zu werfen; ja, sage ich euch, diesen fürchtet. 12,6 Werden nicht fünf Sperlinge für zwei Pfennig verkauft? Und nicht einer von ihnen ist vor Gott vergessen. 12,7 Aber selbst die Haare eures Hauptes sind alle gezählt. So fürchtet euch nun nicht; ihr seid mehr als viele Sperlinge. 12,8 Ich sage euch aber: Jeder, der mich vor den Menschen bekennen wird, den wird auch der Sohn des Menschen vor den Engeln Gottes bekennen; 12,9 wer mich aber vor den Menschen verleugnet haben wird, der wird vor den Engeln Gottes verleugnet werden.
12,10 Und jeder, der ein Wort sagen wird gegen den Sohn des Menschen,
dem wird vergeben werden; dem aber, der gegen den Heiligen Geist lästert,
wird nicht vergeben werden. 12,11 Wenn sie euch aber vor die Synagogen
und die Obrigkeiten und die Machthaber führen, so sorgt nicht, wie
oder womit ihr euch verantworten oder was ihr sagen sollt; 12,12
denn der Heilige Geist wird euch in jener Stunde lehren, was ihr sagen
sollt.
12,22 Er sprach aber zu seinen Jüngern: Deshalb sage ich
euch: Seid nicht besorgt für das Leben, was ihr essen, noch für
den Leib, was ihr anziehen sollt. 12,23 Das Leben ist mehr als die
Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung.
12,24 Betrachtet die
Raben, die nicht säen noch ernten, die weder Vorratskammer noch Scheune
haben, und Gott ernährt sie. Wieviel seid ihr mehr als die Vögel!
12,25
Wer aber unter euch kann mit Sorgen seiner Lebenslänge eine Elle zusetzen?
12,26 Wenn ihr nun auch das geringste nicht könnt, warum seid
ihr um das übrige besorgt? 12,27 Betrachtet die Lilien, wie
sie wachsen; sie mühen sich nicht und spinnen auch nicht. Ich sage
euch aber, selbst Salomo in all seiner Herrlichkeit war nicht bekleidet
wie eine von ihnen. 12,28 Wenn aber Gott das Gras, das heute auf
dem Feld steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wieviel
mehr euch, Kleingläubige!
12,29 Und ihr, trachtet nicht [danach],
was ihr essen oder was ihr trinken sollt, und seid nicht in Unruhe;
12,30
denn nach diesem allen trachten die Nationen der Welt; euer Vater aber
weiß, daß ihr dies benötigt. 12,31 Trachtet jedoch
nach seinem Reich, und dies wird euch hinzugefügt werden. 12,32
Fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn es hat eurem Vater wohlgefallen,
euch das Reich zu geben.
12,33 Verkauft eure Habe und gebt Almosen;
macht euch Beutel, die nicht veralten, einen unvergänglichen Schatz
in den Himmeln, wo kein Dieb sich naht und keine Motte zerstört. 12,34
Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.
12,35 Es seien eure Lenden umgürtet und die Lampen brennend; 12,36 und ihr, seid Menschen gleich, die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen mag von der Hochzeit, damit, wenn er kommt und anklopft, sie ihm sogleich aufmachen. 12,37 Glückselig jene Knechte, die der Herr, wenn er kommt, wachend finden wird! Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich umgürten und sie sich zu Tisch legen lassen und wird hinzutreten und sie bedienen. 12,38 Und wenn er in der zweiten Wache kommt und in der dritten Wache kommt und findet sie so - glückselig sind jene! 12,39 Dies aber erkennt: Wenn der Hausherr gewußt hätte, zu welcher Stunde der Dieb kommen würde, so hätte er gewacht und nicht erlaubt, daß sein Haus durchgraben würde. 12,40 Auch ihr, seid bereit! Denn der Sohn des Menschen kommt in der Stunde, da ihr es nicht meint.
12,41 Petrus aber sprach zu ihm: Herr, sagst du dieses Gleichnis
zu uns oder auch zu allen? 12,42 Der Herr aber sprach: Wer ist nun
der treue und kluge Verwalter, den der Herr über sein Gesinde setzen
wird, um [ihm] die zugemessene Speise zu geben zur rechten Zeit? 12,43
Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, bei solchem
Tun finden wird!
12,44 In Wahrheit sage ich euch, daß er ihn
über seine ganze Habe setzen wird. 12,45 Wenn aber jener Knecht
in seinem Herzen sagt: Mein Herr läßt sich Zeit mit dem Kommen,
und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen und zu essen und
zu trinken und sich zu berauschen, 12,46 so wird der Herr jenes
Knechtes kommen an einem Tag, an dem er es nicht erwartet, und in einer
Stunde, die er nicht weiß, und wird ihn entzweischneiden und ihm
sein Teil setzen mit den Ungläubigen. 12,47 Jener Knecht aber,
der den Willen seines Herrn wußte und sich nicht bereitet, noch nach
seinem Willen getan hat, wird mit vielen [Schlägen] geschlagen werden;
12,48
wer ihn aber nicht wußte, aber getan hat, was der Schläge wert
ist, wird mit wenigen geschlagen werden. Jedem aber, dem viel gegeben ist
- viel wird von ihm verlangt werden; und wem man viel anvertraut hat, von
dem wird man desto mehr fordern.
12,49 Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen, und wie
wünschte ich, es wäre schon angezündet! 12,50 Ich
habe aber eine Taufe, womit ich getauft werden muß, und wie bin ich
bedrängt, bis sie vollbracht ist! 12,51 Denkt ihr, daß
ich gekommen sei, Frieden auf der Erde zu geben? Nein, sage ich euch, sondern
vielmehr Entzweiung. 12,52 Denn es werden von nun an fünf in
einem Haus entzweit sein; drei werden mit zweien und zwei mit dreien entzweit
sein: 12,53 Vater mit Sohn und Sohn mit Vater, Mutter mit Tochter
und Tochter mit der Mutter, Schwiegermutter mit ihrer Schwiegertochter
und Schwiegertochter mit der Schwiegermutter.
12,54 Er sprach aber auch zu den Volksmengen: Wenn ihr eine Wolke von Westen aufsteigen seht, so sagt ihr sogleich: Ein Regenguß kommt. Und es geschieht so. 12,55 Und wenn [ihr] den Südwind wehen [seht], so sagt ihr: Es wird Hitze geben. Und es geschieht. 12,56 Heuchler! Das Aussehen der Erde und des Himmels wißt ihr zu beurteilen. Wie aber kommt es, daß ihr diese Zeit nicht beurteilt?
V. 57-59: Mt 5,25.26.
12,57 Warum richtet ihr aber auch von euch selbst aus nicht,
was recht ist? 12,58 Denn wenn du mit deinem Gegner vor die Obrigkeit
gehst, so gib dir auf dem Weg Mühe, von ihm loszukommen, damit er
dich nicht etwa zu dem Richter hinschleppe; und der Richter wird dich dem
Gerichtsdiener überliefern und der Gerichtsdiener dich ins Gefängnis
werfen. 12,59 Ich sage dir: Du wirst nicht von dort herauskommen,
bis du auch den letzten Heller bezahlt hast.
13,6 Er sagte aber dieses Gleichnis: Es hatte jemand einen Feigenbaum,
der in seinem Weinberg gepflanzt war; und er kam und suchte Frucht an ihm
und fand keine. 13,7 Er sprach aber zu dem Weingärtner: Siehe,
drei Jahre komme ich und suche Frucht an diesem Feigenbaum und finde keine.
Hau ihn ab! Wozu macht er auch das Land unbrauchbar? 13,8 Er aber
antwortet und sagt zu ihm: Herr, laß ihn noch dieses Jahr, bis ich
um ihn graben und Dünger legen werde; 13,9 und wenn er etwa
Frucht bringen wird, [gut], wenn aber nicht, so magst du ihn künftig
abhauen.
13,18 Er sprach aber: Wem ist das Reich Gottes gleich, und wem soll ich es vergleichen? 13,19 Es gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und in seinen Garten warf; und es wuchs und wurde zu einem großen Baum, und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen.
13,20 Und wieder sprach er: Wem soll ich das Reich Gottes vergleichen?
13,21
Es gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Maß
Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war.
13,31 In derselben Stunde kamen einige Pharisäer herbei
und sagten zu ihm: Geh hinaus und zieh fort, denn Herodes will dich töten.
13,32
Und er sprach zu ihnen: Geht hin und sagt diesem Fuchs: Siehe, ich treibe
Dämonen aus und vollbringe Heilungen heute und morgen, und am dritten
[Tag] werde ich vollendet. 13,33 Doch ich muß heute und morgen
und am folgenden [Tag] wandern; denn es geht nicht an, daß ein Prophet
außerhalb Jerusalems umkomme. 13,34 Jerusalem, Jerusalem,
das da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihm gesandt sind!
Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen wie eine Henne ihre Brut
unter die Flügel, und ihr habt nicht gewollt!
13,35 Siehe,
euer Haus wird euch überlassen. Ich sage euch aber: Ihr werdet mich
nicht sehen, bis es geschieht, daß ihr sprecht: `Gepriesen [sei],
der da kommt im Namen des Herrn!
14,12 Er sprach aber auch zu dem, der ihn geladen hatte: Wenn
du ein Mittags- oder ein Abendmahl machst, so lade nicht deine Freunde,
noch deine Brüder, noch deine Verwandten, noch reiche Nachbarn, damit
nicht etwa auch sie dich wiederladen und dir Vergeltung zuteil werde. 14,13
Sondern wenn du ein Mahl machst, so lade Arme, Krüppel, Lahme, Blinde,
14,14
und glückselig wirst du sein, weil sie nichts haben, um dir zu vergelten;
denn es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.
14,15 Als aber einer von denen, die mit zu Tisch lagen, dies
hörte, sprach er zu ihm: Glückselig, wer essen wird im Reich
Gottes! 14,16 Er aber sprach zu ihm: Ein Mensch machte ein großes
Abendmahl und lud viele. 14,17 Und er sandte seinen Knecht zur Stunde
des Abendmahls, um den Geladenen zu sagen: Kommt, denn schon ist alles
bereit. 14,18 Und sie fingen alle ohne Ausnahme an, sich zu entschuldigen.
Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muß notwendig
ausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, halte mich für entschuldigt.
14,19
Und ein anderer sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft, und ich
gehe hin, sie zu erproben; ich bitte dich, halte mich für entschuldigt.
14,20 Und ein anderer sprach: Ich habe eine Frau geheiratet, und
darum kann ich nicht kommen. 14,21 Und der Knecht kam herbei und
berichtete dies seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu
seinem Knecht: Geh eilends hinaus auf die Straßen und Gassen der
Stadt und bringe die Armen und Krüppel und Lahmen und Blinden hier
herein. 14,22 Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, wie
du befohlen hast, und es ist noch Raum. 14,23 Und der Herr sprach
zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Wege und Zäune und nötige [sie]
hereinzukommen, daß mein Haus voll werde; 14,24 denn ich sage
euch, daß nicht einer jener Männer, die geladen waren, mein
Abendmahl schmecken wird.
15,8 Oder welche Frau, die zehn Drachmen hat, zündet nicht,
wenn sie eine Drachme verliert, eine Lampe an und kehrt das Haus und sucht
sorgfältig, bis sie sie findet? 15,9 Und wenn sie sie gefunden
hat, ruft sie die Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und spricht: Freut
euch mit mir, denn ich habe die Drachme gefunden, die ich verloren hatte.
15,10
So, sage ich euch, ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder,
der Buße tut.
15,25 Sein älterer Sohn aber war auf dem Feld; und als er
kam und sich dem Haus näherte, hörte er Musik und Reigen. 15,26
Und er rief einen der Sklaven herbei und erkundigte sich, was das wäre.
15,27
Der aber sprach zu ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das
gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiedererhalten hat.
15,28 Er aber wurde zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater
aber ging hinaus und redete ihm zu. 15,29 Er aber antwortete und
sprach zu dem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir, und niemals habe
ich ein Gebot von dir übertreten; und mir hast du niemals ein Böckchen
gegeben, daß ich mit meinen Freunden fröhlich wäre; 15,30
da aber dieser dein Sohn gekommen ist, der deine Habe mit Huren durchgebracht
hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet.
15,31 Er
aber sprach zu ihm: Kind, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein
ist, ist dein. 15,32 Es geziemte sich aber, fröhlich zu sein
und sich zu freuen; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig
geworden und verloren und ist gefunden worden.
17,3 Habt acht auf euch selbst: Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht, und wenn er es bereut, so vergib ihm. 17,4 Und wenn er siebenmal am Tag an dir sündigt und siebenmal zu dir umkehrt und spricht: Ich bereue es, so sollst du ihm vergeben.
17,5 Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Mehre uns den Glauben! 17,6 Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so würdet ihr zu diesem Maulbeerfeigenbaum sagen: Entwurzele dich und pflanze dich ins Meer! Und er würde euch gehorchen.
17,7 Wer aber von euch, der einen Sklaven hat, der pflügt
oder hütet, wird zu ihm, wenn er vom Feld hereinkommt, sagen: Komm
und leg dich sogleich zu Tisch? 17,8 Wird er nicht vielmehr zu ihm
sagen: Richte zu, was ich zu Abend essen soll, und gürte dich und
diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe; und danach sollst du essen
und trinken? 17,9 Dankt er etwa dem Sklaven, daß er das Befohlene
getan hat? Ich meine nicht. 17,10 So sprecht auch ihr, wenn ihr
alles getan habt, was euch befohlen ist: Wir sind unnütze Sklaven;
wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.
17,20 Und als er von den Pharisäern gefragt wurde: Wann
kommt das Reich Gottes? antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes
kommt nicht so, daß man es beobachten könnte;
17,21 noch
wird man sagen: Siehe hier! Oder: Siehe dort! Denn siehe, das Reich Gottes
ist mitten unter euch. 17,22 Er sprach aber zu den Jüngern:
Es werden Tage kommen, da ihr begehren werdet, einen der Tage des Sohnes
des Menschen zu sehen, und ihr werdet [ihn] nicht sehen. 17,23 Und
man wird zu euch sagen: Siehe hier! oder: Siehe dort! Geht nicht hin, folgt
auch nicht. 17,24 Denn wie der Blitz blitzend leuchtet von einem
[Ende] unter dem Himmel bis zum anderen [Ende] unter dem Himmel, so wird
der Sohn des Menschen sein an seinem Tag.
17,25 Vorher aber muß
er vieles leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht. 17,26
Und wie es in den Tagen Noahs geschah, so wird es auch sein in den Tagen
des Sohnes des Menschen: 17,27 sie aßen, sie tranken, sie
heirateten, sie wurden verheiratet bis zu dem Tag, da Noah in die Arche
ging und die Flut kam und alle umbrachte. 17,28 Ebenso auch, wie
es geschah in den Tagen Lots: sie aßen, sie tranken, sie kauften,
sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; 17,29 an dem Tag aber,
da Lot von Sodom ausging, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und
brachte alle um. 17,30 Ebenso wird es an dem Tag sein, da der Sohn
des Menschen geoffenbart wird.
17,31 An jenem Tag - wer auf dem
Dach sein wird und sein Gerät im Haus hat, der steige nicht hinab,
um es zu holen; und wer auf dem Feld ist, wende sich ebensowenig zurück.
17,32
Gedenkt an Lots Frau! 17,33 Wer sein Leben zu retten sucht, wird
es verlieren; und wer es verliert, wird es erhalten. 17,34 Ich sage
euch: In jener Nacht werden zwei auf einem Bett sein; einer wird genommen
und der andere gelassen werden. 17,35 Zwei werden zusammen mahlen,
die eine wird genommen, die andere gelassen werden. 17,36 Und sie
antworten und sagen zu ihm: Wo, Herr? Er aber sprach zu ihnen: Wo der Leichnam
ist, da sammeln sich auch die Adler.
18,15 Sie brachten aber auch die [kleinen] Kinder zu ihm, daß
er sie anrühre. Als aber die Jünger es sahen, fuhren sie sie
an. 18,16 Jesus aber rief sie herbei und sprach: Laßt die
Kinder zu mir kommen und wehrt ihnen nicht, denn solchen gehört das
Reich Gottes. 18,17 Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes
nicht aufnehmen wird wie ein Kind, wird nicht hineinkommen.
18,18 Und es fragte ihn ein Oberster und sprach: Guter Lehrer,
was muß ich getan haben, um ewiges Leben zu erben?
18,19 Jesus
aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut, als nur einer,
Gott. 18,20 Die Gebote weißt du: `Du sollst nicht ehebrechen;
du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsches
Zeugnis geben; ehre deinen Vater und deine Mutter. 18,21 Er aber
sprach: Dies alles habe ich befolgt von meiner Jugend an. 18,22
Als aber Jesus dies hörte, sprach er zu ihm: Eins fehlt dir noch:
verkaufe alles, was du hast, und verteile es an die Armen, und du wirst
einen Schatz in den Himmeln haben, und komm, folge mir nach! 18,23
Als er aber dies hörte, wurde er sehr betrübt, denn er war sehr
reich. 18,24 Als aber Jesus sah, daß er sehr betrübt
wurde, sprach er: Wie schwer werden die, welche Güter haben, in das
Reich Gottes kommen!
18,25 Denn es ist leichter, daß ein Kamel
durch ein Nadelöhr eingeht, als daß ein Reicher in das Reich
Gottes kommt. 18,26 Es sprachen aber, die es hörten: Und wer
kann [dann] errettet werden? 18,27 Er aber sprach: Was bei Menschen
unmöglich ist, ist möglich bei Gott.
18,28 Petrus aber
sprach: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. 18,29
Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus
oder Eltern oder Brüder oder Frau oder Kinder verlassen hat um des
Reiches Gottes willen, 18,30 der nicht Vielfältiges empfangen
wird in dieser Zeit und in dem kommenden Zeitalter ewiges Leben.
18,31 Er nahm aber die Zwölf zu sich und sprach zu ihnen:
Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden,
was durch die Propheten auf den Sohn des Menschen hin geschrieben ist;
18,32
denn er wird den Nationen überliefert werden und wird verspottet und
geschmäht und angespien werden;
18,33 und wenn sie ihn gegeißelt
haben, werden sie ihn töten, und am dritten Tag wird er auferstehen.
18,34 Und sie verstanden nichts von diesen Dingen, und dieses Wort
war vor ihnen verborgen, und sie begriffen das Gesagte nicht.
18,35 Es geschah aber, als er Jericho nahte, saß ein Blinder
bettelnd am Weg. 18,36 Und als er eine Volksmenge vorbeiziehen hörte,
erkundigte er sich, was das sei. 18,37 Sie verkündeten ihm
aber, daß Jesus, der Nazoräer, vorübergehe. 18,38
Und er rief und sprach: Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner! 18,39
Und die Vorangehenden bedrohten ihn, daß er schweigen sollte; er
aber schrie um so mehr: Sohn Davids, erbarme dich meiner! 18,40
Jesus aber blieb stehen und befahl, daß man ihn zu ihm führe.
Als er sich aber näherte, fragte er ihn: 18,41 Was willst du,
daß ich dir tun soll? Er aber sprach: Herr, daß ich sehend
werde! 18,42 Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube hat
dich geheilt. 18,43 Und sofort wurde er sehend, folgte ihm nach
und verherrlichte Gott. Und das ganze Volk, das es sah, gab Gott Lob.
19,11 Während sie aber dies hörten, fügte er noch