Die Psalmen.
ERSTES BUCH.
Kapitel 1
1,1 Glücklich der Mann, der nicht folgt dem Rat der Gottlosen,
den Weg der Sünder nicht betritt und nicht im Kreis der Spötter
sitzt, 1,2 sondern seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über
sein Gesetz sinnt Tag und Nacht!
1,3 Er ist wie ein Baum, gepflanzt
an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und dessen
Laub nicht verwelkt; alles was er tut, gelingt ihm. 1,4 Nicht so
die Gottlosen; sondern sie sind wie Spreu, die der Wind verweht. 1,5
Darum bestehen Gottlose nicht im Gericht, noch Sünder in der Gemeinde
der Gerechten. 1,6 Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten; aber
der Gottlosen Weg vergeht.
Kapitel 2
2,1 Warum toben die Nationen und sinnen Eitles die Völkerschaften?
2,2
Es treten auf Könige der Erde, und Fürsten tun sich zusammen
gegen den HERRN und seinen Gesalbten: 2,3 `Laßt uns zerreißen
ihre Bande und von uns werfen ihre Stricke!' 2,4 Der im Himmel thront,
lacht, der Herr spottet über sie. 2,5 Dann spricht er sie an
in seinem Zorn, in seiner Zornglut schreckt er sie: 2,6 `Habe doch
ich meinen König geweiht auf Zion, meinem heiligen Berg!'
2,7
Laßt mich die Anordnung des HERRN bekanntgeben! Er hat zu mir gesprochen:
`Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt. 2,8 Fordere von
mir, und ich will dir die Nationen zum Erbteil geben, zu deinem Besitz
die Enden der Erde. 2,9 Mit eisernem Stab magst du sie zerschmettern,
wie Töpfergeschirr sie zerschmeißen.' 2,10 Und nun, ihr
Könige, handelt verständig; laßt euch zurechtweisen, ihr
Richter der Erde! 2,11 Dienet dem HERRN mit Furcht, und jauchzt
mit Zittern! 2,12 Küßt den Sohn, daß er nicht zürne
und ihr umkommt auf dem Weg; denn leicht entbrennt sein Zorn. Glücklich
alle, die sich bei ihm bergen!
Kapitel 3
3,1 Ein Psalm. Von David. Als er vor seinem Sohn Absalom floh. 3,2
HERR! Wie zahlreich sind meine Bedränger! Viele erheben sich gegen
mich; 3,3 viele sagen von mir: Es gibt keine Rettung für ihn
bei Gott! 3,4 Du aber, HERR, bist ein Schild um mich her, meine
Ehre, und der mein Haupt emporhebt. 3,5 Mit meiner Stimme rufe ich
zum HERRN, und er antwortet mir von seinem heiligen Berg. 3,6 Ich
legte mich nieder und schlief; ich erwachte, denn der HERR stützt
mich. 3,7 Ich fürchte nicht Zehntausende Kriegsvolks, die ringsum
mich belagern. 3,8 Steh auf, HERR! Rette mich, mein Gott! Denn du
hast alle meine Feinde auf die Backe geschlagen; die Zähne der Gottlosen
hast du zerschmettert. 3,9 Bei dem HERRN ist die Rettung. Dein Segen
komme auf dein Volk.
Kapitel 4
4,1 Dem Chorleiter. Mit Saitenspiel. Ein Psalm. Von David.
4,2
Wenn ich rufe, antworte mir, Gott meiner Gerechtigkeit! In Bedrängnis
hast du mir Raum gemacht; sei mir gnädig und höre mein Gebet!
4,3
Ihr Herrensöhne, wie lange [bleibt] meine Ehre zur Schande [verkehrt],
werdet ihr Eitles lieben und Lüge suchen?
4,4 Erkennt doch, daß der HERR einen Frommen für
sich ausgesondert hat! Der HERR hört, wenn ich zu ihm rufe.
4,5
Erbebt, aber sündigt nicht! Denkt nach in eurem Herzen auf eurem Lager,
aber seid still! 4,6 Opfert Gerechtigkeitsopfer und vertraut auf
den HERRN! 4,7 Viele sagen: Wer wird uns Gutes schauen lassen? Erhebe,
HERR, über uns das Licht deines Angesichts! 4,8 Du hast Freude
in mein Herz gegeben, mehr als jenen zu der Zeit, da sie viel Korn und
Most haben. 4,9 In Frieden werde ich, sobald ich liege, schlafen;
denn du, HERR, läßt mich, [obschon] allein, in Sicherheit wohnen.
Kapitel 5
5,1 Dem Chorleiter. Zu Flöten. Ein Psalm. Von David.
5,2
Meine Worte nimm zu Ohren, HERR, merke auf mein Seufzen!
5,3 Horche
auf die Stimme meines Schreiens, mein König und mein Gott; denn zu
dir bete ich. 5,4 HERR, in der Frühe wirst du meine Stimme
hören. In der Frühe rüste ich dir [ein Opfer] zu und spähe
aus. 5,5 Denn du bist nicht ein Gott, der an Gottlosigkeit Gefallen
hat; bei dir darf ein Böser nicht weilen. 5,6 Verblendete dürfen
nicht vor deine Augen hintreten; du hassest alle, die Frevel tun.
5,7
Du läßt die Lügenredner verlorengehen; den Mann des Blutes
und des Truges verabscheut der HERR. 5,8 Ich aber darf dank der
Fülle deiner Gnade eingehen in dein Haus; ich bete an zu deinem heiligen
Tempel hin, in der Furcht vor dir. 5,9 HERR, leite mich in deiner
Gerechtigkeit um meiner Feinde willen; ebne vor mir deinen Weg. 5,10
Denn nichts Gewisses ist in ihrem Mund, ihr Inneres ist Verderben. Ein
offenes Grab ist ihre Kehle, ihre Zunge glätten sie.
5,11 Laß
sie büßen, o Gott; mögen sie fallen um ihrer Pläne
willen! Stoße sie hinweg wegen der Menge ihrer Vergehen, denn sie
sind widerspenstig gegen dich gewesen. 5,12 Doch mögen sich
freuen alle, die sich bei dir bergen, und jubeln allezeit. Du beschirmst
sie, darum frohlocken in dir, die deinen Namen lieben. 5,13 Denn
du segnest den Gerechten, HERR, wie mit einem Schild umringst du ihn mit
Huld.
Kapitel 6
6,1 Dem Chorleiter. Mit Saitenspiel. Auf der Scheminith. Ein Psalm.
Von David. 6,2 HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige
mich nicht in deinem Grimm! 6,3 Sei mir gnädig, HERR, denn
ich bin welk; heile mich, HERR, denn meine Gebeine sind bestürzt.
6,4
Meine Seele ist tief bestürzt. Aber du, HERR, bis wann -? 6,5
Kehre um, HERR, befreie meine Seele; rette mich um deiner Gnade willen!
6,6 Denn im Tode gedenkt man deiner nicht; im Scheol, wer wird dich
preisen? 6,7 Müde bin ich durch mein Seufzen; die ganze Nacht
schwemme ich mein Bett, mache mit meinen Tränen mein Lager zerfließen.
6,8 Geschwächt von Gram ist mein Auge, gealtert wegen all meiner
Dränger.
6,9 Weicht von mir, alle ihr Übeltäter;
denn der HERR hat die Stimme meines Weinens gehört.
6,10 Der
HERR hat mein Flehen gehört; mein Gebet nimmt der HERR an. 6,11
Beschämt und tief bestürzt werden alle meine Feinde; sie müssen
zurückweichen, werden plötzlich beschämt.
Kapitel 7
7,1 Ein Schiggajon von David, das er dem HERRN sang wegen der Worte
des Benjaminiten Kusch. 7,2 HERR, mein Gott, bei dir berge ich mich,
rette mich von allen meinen Verfolgern und befreie mich! 7,3 Daß
er nicht wie ein Löwe mein Leben zerreißt, er reißt, und
da ist kein Befreier.
7,4 HERR, mein Gott! Wenn ich solches getan
habe, wenn Unrecht an meinen Händen ist, 7,5 wenn ich Böses
vergolten dem, der mit mir Frieden hält, und geplündert den,
der mich ohne Ursache bedrängt, 7,6 so verfolge der Feind meine
Seele und erreiche sie, er trete mein Leben zu Boden und strecke meine
Ehre hin in den Staub. 7,7 Steh auf, HERR, in deinem Zorn! Erhebe
dich gegen das Wüten meiner Bedränger, und wache auf zu mir!
Gericht hast du befohlen.
7,8 Die Schar der Völkerschaften
umringe dich, zur Höhe über ihnen kehre zurück! 7,9
Der HERR richtet die Völker. Richte mich, HERR, nach meiner Gerechtigkeit
und nach meiner Lauterkeit, die auf mir ist. 7,10 Ein Ende nehme
die Bosheit der Gottlosen, aber dem Gerechten gib Bestand, der du Herzen
und Nieren prüfst, gerechter Gott! 7,11 Mein Schild über
[mir] ist Gott, der die von Herzen Aufrichtigen rettet. 7,12 Gott
ist ein gerechter Richter und ein strafender Gott an jedem Tag. 7,13
Wahrhaftig, schon wieder wetzt er [der Feind] sein Schwert, spannt seinen
Bogen und rüstet ihn. 7,14 Aber gegen sich selbst hat er die
Mordwerkzeuge bereitet, seine Pfeile brennend gemacht. 7,15 Siehe,
er trägt in sich Böses; er geht schwanger mit Unheil, gebiert
Falschheit. 7,16 Er hat eine Grube gegraben und hat sie ausgehöhlt,
doch ist er in die Falle gefallen, die er gemacht hat. 7,17 Sein
Unheil kehrt auf sein Haupt zurück, und auf seinen Scheitel herab
kommt seine Gewalttat. 7,18 Ich will den HERRN preisen nach seiner
Gerechtigkeit und besingen den Namen des HERRN, des Höchsten.
Kapitel 8
8,1 Dem Chorleiter. Nach der Gittit. Ein Psalm. Von David.
8,2
HERR, unser Herr, wie herrlich ist dein Name auf der ganzen Erde, der du
deine Hoheit gelegt hast auf die Himmel! 8,3 Aus dem Munde der Kinder
und Säuglinge hast du Macht gegründet um deiner Bedränger
willen, um zum Schweigen zu bringen den Feind und den Rachgierigen. 8,4
Wenn ich anschaue deine Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne,
die du bereitet hast: 8,5 Was ist der Mensch, daß du sein
gedenkst, und des Menschen Sohn, daß du dich um ihn kümmerst?
8,6
Denn du hast ihn wenig geringer gemacht als Engel, mit Herrlichkeit und
Pracht krönst du ihn. 8,7 Du machst ihn zum Herrscher über
die Werke deiner Hände; alles hast du unter seine Füße
gestellt: 8,8 Schafe und Rinder allesamt und auch die Tiere des
Feldes, 8,9 Vögel des Himmels und Fische des Meeres, was die
Pfade der Meere durchzieht. 8,10 HERR, unser Herr, wie herrlich
ist dein Name auf der ganzen Erde!
Kapitel 9
9,1 Dem Chorleiter. Almuth Labben. Ein Psalm. Von David.
9,2
Ich will [dich] preisen, HERR, mit meinem ganzen Herzen, will erzählen
alle deine Wundertaten. 9,3 In dir will ich mich freuen und frohlocken,
will deinen Namen besingen, [du] Höchster, 9,4 während
meine Feinde zurückweichen, stürzen und umkommen vor deinem Angesicht.
9,5
Denn du hast ausgeführt mein Recht und meine Rechtssache; du hast
dich auf den Thron gesetzt, ein gerechter Richter. 9,6 Du hast Nationen
gescholten, den Gottlosen verloren gegeben, ihren Namen ausgelöscht
für immer und ewig; 9,7 der Feind ist erledigt, zertrümmert
für immer; du hast Städte zerstört, ihr Andenken ist getilgt.
9,8
Der HERR läßt sich nieder auf immer, er hat seinen Thron aufgestellt
zum Gericht.
9,9 Und er, er wird richten die Welt in Gerechtigkeit,
wird über die Völkerschaften Gericht halten in Geradheit.
9,10
Doch dem Unterdrückten ist der HERR eine hohe Feste, eine hohe Feste
in Zeiten der Drangsal. 9,11 Auf dich vertrauen, die deinen Namen
kennen; denn du hast nicht verlassen, die dich suchen, HERR. 9,12
Singet dem HERRN, der Zion bewohnt, verkündet unter den Völkern
seine Taten! 9,13 Denn der dem vergossenen Blut nachforscht, hat
ihrer gedacht; er hat das Schreien der Elenden nicht vergessen. 9,14
Sei mir gnädig, HERR! Sieh an mein Elend von seiten meiner Hasser,
indem du mich emporhebst aus den Toren des Todes:
9,15 Damit ich
all dein Lob erzähle in den Toren der Tochter Zion, daß ich
frohlocke über deine Rettung. 9,16 Versunken sind die Nationen
in die Grube, die sie gemacht; in dem Netz, das sie versteckt haben, hat
sich ihr eigener Fuß gefangen.
9,17 Der HERR hat sich zu erkennen
gegeben, er hat Gericht ausgeübt: der Gottlose hat sich verstrickt
im Werk seiner Hände. Higgajon. 9,18 Mögen zum Scheol
sich wenden die Gottlosen, alle Nationen, die Gott vergessen.
9,19
Denn nicht für immer wird der Arme vergessen, [noch] geht der Elenden
Hoffnung für ewig verloren. 9,20 Steh auf, HERR, daß
nicht der Mensch Gewalt habe! Mögen gerichtet werden die Nationen
vor deinem Angesicht! 9,21 Lege Furcht auf sie, HERR! Mögen
die Nationen erkennen, daß sie Menschen sind!
Kapitel 10
10,1 Warum, HERR, stehst du fern, verbirgst dich in Zeiten der Drangsal?
10,2
In Hochmut verfolgt der Gottlose den Elenden. Sie werden erfaßt von
den Anschlägen, die jene ersonnen haben. 10,3 Denn der Gottlose
rühmt [sich] wegen des Begehrens seiner Seele; und der Habsüchtige
lästert, er verachtet den HERRN. 10,4 Der Gottlose [denkt]
hochnäsig: `Er wird nicht nachforschen.' `Es ist kein Gott!' sind
alle seine Gedanken. 10,5 Erfolgreich sind seine Wege allezeit.
Hoch oben sind deine Gerichte, weit von ihm entfernt; alle seine Widersacher
- er bläst sie an.
10,6 Er spricht in seinem Herzen: Ich werde
nicht wanken, von Geschlecht zu Geschlecht in keinem Unglück sein.
10,7
Voll Fluch ist sein Mund, voll Hinterlist und Bedrückung; unter seiner
Zunge ist Mühsal und Unheil. 10,8 Er sitzt im Hinterhalt der
Höfe, in Verstecken bringt er den Unschuldigen um; seine Augen spähen
dem Armen nach. 10,9 Er lauert im Versteck wie ein Löwe in
seinem Dickicht; er lauert, um den Elenden zu fangen; er fängt den
Elenden, indem er ihn in sein Netz zieht. 10,10 Er zerschlägt,
duckt sich [nieder]; und die Armen fallen durch seine gewaltigen [Kräfte].
10,11
Er spricht in seinem Herzen: Gott hat vergessen, hat verborgen sein Angesicht,
ewig sieht er nicht! 10,12 Steh auf, HERR! Gott, erhebe deine Hand!
Vergiß nicht die Elenden!
10,13 Warum darf der Gottlose Gott
verachten, sprechen in seinem Herzen: `Du wirst nicht nachforschen'? 10,14
Du hast es gesehen, denn du, du schaust auf Mühsal und Gram, um es
in deine Hand zu nehmen. Dir überläßt es der Arme, der
Vaterlose; du bist ja Helfer.
10,15 Zerbrich den Arm des Gottlosen
und des Bösen! Ahnde seine Gottlosigkeit, daß du [sie] nicht
[mehr] findest! 10,16 Der HERR ist König immer und ewig; verschwunden
sind die Nationen aus seinem Land. 10,17 Den Wunsch der Sanftmütigen
hast du gehört, HERR; du festigst ihr Herz, läßt aufmerken
dein Ohr, 10,18 um Recht zu schaffen der Waise und dem Unterdrückten,
daß künftig kein Mensch von der Erde mehr zusammenschrecke.
Kapitel 11
11,1 Dem Chorleiter. Von David. Bei dem HERRN habe ich mich geborgen.
Wie sagt ihr zu meiner Seele: `Flieh in die Berge wie ein Vogel'? 11,2
Denn siehe, die Gottlosen spannen den Bogen, haben ihren Pfeil auf der
Sehne gerichtet, im Finstern zu schießen auf die von Herzen Aufrichtigen.
11,3
Wenn die Grundpfeiler umgerissen werden, was richtet da der Gerechte aus?
11,4 Der HERR ist in seinem heiligen Palast, der HERR - in den Himmeln
ist sein Thron. Seine Augen schauen, seine Augenblitze prüfen die
Menschenkinder. 11,5 Der HERR prüft den Gerechten; aber den
Gottlosen und den, der Gewalttat liebt, haßt seine Seele.
11,6
Er läßt Schlingen, Feuer und Schwefel regnen auf die Gottlosen.
Glutwind ist ihres Bechers Anteil. 11,7 Denn gerecht ist der HERR.
Gerechte Taten liebt er. Aufrichtige schauen sein Angesicht.
Kapitel 12
12,1 Dem Chorleiter. Auf der Scheminith. Ein Psalm. Von David. 12,2
Rette, HERR! - denn der Fromme ist dahin, denn die Treuen sind verschwunden
unter den Menschenkindern. 12,3 Sie reden Lüge, ein jeder mit
seinem Nächsten; mit glatter Lippe, mit doppeltem Herzen reden sie.
12,4
Der HERR möge ausrotten alle glatten Lippen, die Zunge, die große
Dinge redet, 12,5 die da sagen: `Dank unserer Zunge sind wir überlegen,
unsere Lippen sind mit uns; wer ist unser Herr?'
12,6 Wegen der
gewalttätigen Behandlung der Elenden, wegen des Seufzens der Armen
will ich nun aufstehen, spricht der HERR; ich will in Sicherheit stellen
den, gegen den man schnaubt.
12,7 Die Worte des HERRN sind reine
Worte - Silber, am Eingang zur Erde geläutert, siebenmal gereinigt.
12,8
Du, HERR, wirst sie einhalten, wirst ihn behüten vor diesem Geschlecht
ewig. 12,9 Ringsum wandeln Gottlose, während Gemeinheit emporkommt
bei den Menschenkindern.
Kapitel 13
13,1 Dem Chorleiter. Ein Psalm. Von David. 13,2 Bis wann,
HERR? Willst du mich vergessen immerdar? Bis wann willst du dein Angesicht
vor mir verbergen? 13,3 Bis wann soll ich Sorgen hegen in meiner
Seele, Kummer in meinem Herzen bei Tage? Bis wann soll sich mein Feind
über mich erheben? 13,4 Schau her, antworte mir, HERR, mein
Gott! Mach hell meine Augen, daß ich nicht zum Tod entschlafe! 13,5
Daß mein Feind nicht sage: `Ich habe ihn überwältigt!'
meine Bedränger nicht frohlocken, wenn ich wanke. 13,6 Ich
aber, ich habe auf deine Gnade vertraut; mein Herz soll frohlocken über
deine Rettung. Ich will dem HERRN singen, denn er hat wohlgetan an mir.
V. 1-7: Ps 53.
Kapitel 14
14,1 Dem Chorleiter. Von David. Der Tor spricht in seinem Herzen:
`Es ist kein Gott!' Sie haben Verderben angerichtet, sie tun abscheuliche
Taten; da ist keiner, der Gutes tut. 14,2 Der HERR hat vom Himmel
herniedergeschaut auf die Menschenkinder, um zu sehen, ob ein Verständiger
da ist, einer, der Gott sucht! 14,3 Alle sind abgewichen, sie sind
alle verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer. 14,4
Haben denn keine Erkenntnis alle, die Böses tun, die mein Volk fressen,
als äßen sie Brot? Den HERRN rufen sie nicht an. 14,5
Da überfiel sie Schrecken, denn Gott ist beim Geschlecht des Gerechten.
14,6
Die Pläne des Elenden wollt ihr zuschanden machen, aber seine Zuflucht
ist der HERR. 14,7 O käme doch aus Zion die Rettung für
Israel! Wenn der HERR die Gefangenschaft seines Volkes wendet, wird Jakob
jubeln, Israel sich freuen.
Kapitel 15
15,1 Ein Psalm. Von David. HERR, wer darf in deinem Zelt weilen?
Wer darf wohnen auf deinem heiligen Berg? 15,2 Der rechtschaffen
wandelt und Gerechtigkeit übt und Wahrheit redet in seinem Herzen,
15,3
nicht verleumdet mit seiner Zunge, kein Übel tut seinem Gefährten
und keine Schmähung bringt auf seinen Nächsten,
15,4 in
dessen Augen der Verworfene verachtet ist, der aber die ehrt, die den HERRN
fürchten; der, hat er zum Schaden geschworen, es nicht ändert;
15,5 der sein Geld nicht auf Zins gibt, und kein [Bestechungs-]Geschenk
nimmt gegen den Unschuldigen. Wer solches tut, wird nicht wanken in Ewigkeit.
Kapitel 16
16,1 Ein Miktam. Von David. Bewahre mich, Gott, denn ich berge mich
bei dir! 16,2 Ich habe zum HERRN gesagt: `Du bist mein Herr; es
gibt kein Glück für mich außer dir'. 16,3 An den
Heiligen, die auf Erden sind, an den Herrlichen ist all mein Wohlgefallen.
16,4
Zahlreich sind die Schmerzen derer, die einem anderen [Gott] nachlaufen;
ich werde ihre Trankopfer von Blut nicht spenden und ihre Namen nicht auf
meine Lippen nehmen. 16,5 Der HERR ist das Teil meines Erbes und
mein Becher; du bist es, der mein Los festlegt. 16,6 Die Meßschnüre
sind mir gefallen auf liebliches Land; ja, mein Erbteil gefällt mir.
16,7 Ich preise den HERRN, der mich beraten hat, selbst des Nachts
unterweisen mich meine Nieren. 16,8 Ich habe den HERRN stets vor
Augen; weil er zu meiner Rechten ist, werde ich nicht wanken.
16,9
Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele. Auch mein Fleisch
wird in Sicherheit ruhen. 16,10 Denn meine Seele wirst du dem Scheol
nicht lassen, wirst nicht zugeben, daß dein Frommer die Grube sehe.
16,11 Du wirst mir kundtun den Weg des Lebens; Fülle von Freuden
ist vor deinem Angesicht, Lieblichkeiten in deiner Rechten immerdar.
Kapitel 17
17,1 Ein Gebet. Von David. Höre, HERR, die gerechte Sache,
horche auf mein Schreien, nimm zu Ohren mein Gebet von Lippen ohne Trug!
17,2
Von deinem Angesicht gehe mein Recht aus! Deine Augen mögen Aufrichtigkeit
sehen. 17,3 Du hast mein Herz geprüft, hast mich des Nachts
durchforscht; du hast mich geläutert - nichts findest du. Ich habe
überlegt: nichts wird meinem Mund entschlüpfen.
17,4 Beim
Treiben der Menschen habe ich mich nach dem Wort deiner Lippen gehütet
vor den Wegen des Gewalttätigen. 17,5 Meine Schritte hielten
sich in deinen Spuren, meine Tritte haben nicht gewankt.
17,6 Ich
rufe dich an, denn du erhörst mich, o Gott. Neige dein Ohr zu mir,
höre meine Rede! 17,7 Erweise wunderbar deine Gnade, du Retter
derer, die sich bergen vor den Empörern bei deiner Rechten.
17,8
Bewahre mich wie den Augapfel, birg mich im Schatten deiner Flügel
17,9 vor den Gottlosen, die mich zerstören, meinen Todfeinden,
die mich umzingeln. 17,10 Mit ihrem Fett verschließen sie
[sich], mit ihrem Mund reden sie aus Anmaßung. 17,11 Unsere
Schritte - jetzt haben sie uns umringt; sie richten ihre Augen darauf,
[uns] zu Boden zu strecken. 17,12 Er ist gleich einem Löwen,
gierig nach Raub, und wie ein Junglöwe, der im Versteck sitzt. 17,13
Steh auf, HERR, tritt ihm entgegen, wirf ihn nieder! Rette meine Seele
vor dem Gottlosen durch dein Schwert, 17,14 vor den Leuten durch
deine Hand, HERR, vor den Leuten, deren Teil im Leben von dieser Welt ist!
Was du zugedacht hast - damit füllst du ihren Bauch, daß [noch
ihre] Söhne davon satt werden und ihren Kindern den Rest hinterlassen.
17,15
Ich aber, ich werde dein Angesicht schauen in Gerechtigkeit, werde gesättigt
werden, wenn ich erwache, mit deinem Bild.
Kapitel 18
18,1 Dem Chorleiter. Von dem Knecht des HERRN, von David, der die
Worte dieses Liedes zum HERRN redete an dem Tag, als der HERR ihn errettet
hatte aus der Hand aller seiner Feinde und aus der Hand Sauls. 18,2
Und er sprach: Ich liebe dich, HERR, meine Stärke! 18,3 Der
HERR ist mein Fels und meine Burg und mein Erretter, mein Gott ist mein
Hort, bei dem ich mich berge, mein Schild und das Horn meines Heils, meine
hohe Feste.
18,4 `Gepriesen!' rufe ich zum HERRN, so werde ich vor
meinen Feinden gerettet. 18,5 Es umfingen mich Bande des Todes,
und Bäche des Verderbens erschreckten mich. 18,6 Fesseln des
Scheols umgaben mich, ich stand vor den Fallen des Todes. 18,7 In
meiner Bedrängnis rief ich zum HERRN, und ich schrie zu meinem Gott.
Er hörte aus seinem Tempel meine Stimme, und mein Schrei vor ihm drang
an seine Ohren. 18,8 Da wankte und bebte die Erde, die Grundfesten
der Berge erzitterten und wankten, denn er war [von Zorn] entbrannt. 18,9
Rauch stieg auf von seiner Nase, und Feuer fraß aus seinem Mund,
glühende Kohlen brannten aus ihm. 18,10 Er neigte die Himmel
und fuhr hernieder, und Dunkel war unter seinen Füßen.
18,11
Er fuhr auf einem Cherub und flog daher, so schwebte er auf den Flügeln
des Windes. 18,12 Er machte Finsternis zu seinem Versteck rings
um sich her, zu seiner Laube Wasserdunkel, dichtes Gewölk. 18,13
Aus dem Glanz vor ihm zogen seine Wolken vorüber [mit] Hagel und Feuerkohlen.
18,14
Und der HERR donnerte in den Himmeln, und der Höchste ließ seine
Stimme erschallen [mit] Hagel und Feuerkohlen. 18,15 Und er schoß
seine Pfeile und zerstreute sie, er schleuderte Blitze und verwirrte sie.
18,16 Da wurden sichtbar die Betten der Wasser, und die Fundamente
der Welt wurden aufgedeckt vor deinem Schelten, HERR, vor dem Schnauben
des Hauchs deiner Nase. 18,17 Er griff aus der Höhe, erfaßte
mich, zog mich heraus aus großen Wassern.
18,18 Er rettete
mich vor meinem starken Feind und vor meinen Hassern, denn sie waren mächtiger
als ich. 18,19 Sie ereilten mich am Tage meines Unglücks, aber
der HERR wurde mir zur Stütze.
18,20 Und er führte mich
heraus ins Weite, er befreite mich, weil er Gefallen an mir hatte. 18,21
Der HERR handelte an mir nach meiner Gerechtigkeit, nach der Reinheit meiner
Hände vergalt er mir. 18,22 Denn ich habe die Wege des HERRN
eingehalten und bin von meinem Gott nicht gottlos abgewichen.
18,23
Denn alle seine Rechtsbestimmungen waren vor mir, und seine Ordnungen wies
ich nicht von mir. 18,24 Auch war ich untadelig gegen ihn und hütete
mich vor meiner Schuld.
18,25 So vergalt der HERR mir nach meiner
Gerechtigkeit, nach der Reinheit meiner Hände vor seinen Augen. 18,26
Gegen den Treuen verhältst du dich treu, gegen den untadeligen Mann
untadelig. 18,27 Gegen den Reinen zeigst du dich rein, gegen den
Verkehrten aber verdreht. 18,28 Ja, du rettest das arme Volk und
erniedrigst hochmütige Augen. 18,29 Ja, du läßt
meine Leuchte strahlen. Der HERR, mein Gott, erhellt meine Finsternis.
18,30 Denn mit dir kann ich auf Raubzug gehen, mit meinem Gott kann
ich eine Mauer überspringen.
18,31 Gott - sein Weg ist untadelig;
des HERRN Wort ist lauter; ein Schild ist er allen, die sich bei ihm bergen.
18,32 Denn wer ist Gott außer dem HERRN? Und wer ist ein Fels
als nur unser Gott? 18,33 Gott umgürtet mich mit Kraft und
untadelig macht er meinen Weg. 18,34 Er macht meine Füße
den Hirschen gleich, und stellt mich hin auf meine Höhen. 18,35
Er lehrt meine Hände das Kämpfen und meine Arme spannen den ehernen
Bogen. 18,36 Und du gabst mir den Schild deines Heils, und deine
Rechte stützte mich, und deine Herabneigung machte mich groß.
18,37 Du schaffst Raum meinen Schritten unter mir, und meine Knöchel
haben nicht gewankt. 18,38 Meinen Feinden jagte ich nach und erreichte
sie, und ich kehrte nicht um, bis ich sie aufgerieben hatte. 18,39
Ich zerschmetterte sie, daß sie nicht mehr aufstehen konnten; sie
fielen unter meine Füße.
18,40 Und du umgürtetest
mich mit Kraft zum Kampf, beugtest unter mich, die gegen mich aufstanden.
18,41 Du hast bewirkt, daß meine Feinde mir den Rücken
[zeigen müssen], und meine Hasser, ich habe sie vernichtet. 18,42
Sie schrien - aber da war kein Retter - zum HERRN, doch er antwortete ihnen
nicht. 18,43 Und ich zermalmte sie wie Staub vor dem Wind; wie Straßenkot
schüttete ich sie aus. 18,44 Du hast mich errettet aus den
Streitigkeiten des Volkes; du hast mich zum Haupt der Nationen gesetzt;
ein Volk, das ich nicht kannte, dient mir. 18,45 Sowie ihr Ohr hörte,
gehorchten sie mir; die Söhne der Fremde schmeichelten mir. 18,46
Die Söhne der Fremde sanken hin und zitterten hervor aus ihren Festungen.
18,47 Der HERR lebt! Gepriesen sei mein Fels und erhoben der Gott
meines Heils!
18,48 Der Gott, der mir Rache gab und mir die Völker
unterwarf,
18,49 der mich rettete vor meinen zornigen Feinden. Du
erhöhtest mich über die, die gegen mich aufstanden; von dem Mann
der Gewalttat hast du mich befreit. 18,50 Darum will ich dich preisen
unter den Völkern, HERR, und will spielen deinem Namen, 18,51
der seinem König große Rettungen schenkt und Gnade erweist seinem
Gesalbten, David und seinen Nachkommen ewig.
Kapitel 19
19,1 Dem Chorleiter. Ein Psalm. Von David. 19,2 Die Himmel
erzählen die Herrlichkeit Gottes, und das Himmelsgewölbe verkündet
seiner Hände Werk. 19,3 Ein Tag sprudelt dem anderen Kunde
zu, und eine Nacht meldet der anderen Kenntnis - 19,4 ohne Rede
und ohne Worte, mit unhörbarer Stimme.
19,5 Ihr Schall geht
aus über die ganze Erde und bis an das Ende der Welt ihre Sprache.
Dort hat er der Sonne ein Zelt gesetzt. 19,6 Und sie, wie ein Bräutigam
aus seinem Gemach tritt sie hervor; sie freut sich wie ein Held, die Bahn
zu durchlaufen. 19,7 Vom Ende des Himmels geht sie aus und läuft
um bis an sein Ende; nichts ist vor ihrer Glut verborgen. 19,8 Das
Gesetz des HERRN ist vollkommen und erquickt die Seele; das Zeugnis des
HERRN ist zuverlässig und macht den Einfältigen weise. 19,9
Die Vorschriften des HERRN sind richtig und erfreuen das Herz; das Gebot
des HERRN ist lauter und erleuchtet die Augen. 19,10 Die Furcht
des HERRN ist rein und besteht in Ewigkeit. Die Rechtsbestimmungen des
HERRN sind Wahrheit, sie sind gerecht allesamt; 19,11 sie, die köstlicher
sind als Gold, ja viel gediegenes Gold, und süßer als Honig
und Honigseim. 19,12 Auch wird dein Knecht durch sie gewarnt; in
ihrer Befolgung liegt großer Lohn. 19,13 Verirrungen - wer
bemerkt sie? Von den verborgenen [Sünden] sprich mich frei! 19,14
Auch von Übermütigen halte deinen Knecht zurück; laß
sie mich nicht beherrschen! Dann bin ich tadellos und bin rein von schwerem
Vergehen. 19,15 Laß die Reden meines Mundes und das Sinnen
meines Herzens wohlgefällig vor dir sein, HERR, mein Fels und mein
Erlöser!
Kapitel 20
20,1 Dem Chorleiter. Ein Psalm. Von David. 20,2 Der HERR
erhöre dich am Tag der Drangsal, der Name des Gottes Jakobs mache
dich unangreifbar. 20,3 Er sende dir Hilfe aus dem Heiligtum, und
von Zion aus unterstütze er dich.
20,4 Er gedenke aller deiner
Speisopfer, und dein Brandopfer wolle er annehmen! 20,5 Er gebe
dir nach deinem Herzen, und alle deine Pläne erfülle er! 20,6
Jubeln wollen wir über dein Heil, im Namen unseres Gottes das Panier
erheben. Der HERR erfülle alle deine Bitten! 20,7 Jetzt habe
ich erkannt, daß der HERR seinem Gesalbten hilft; aus seinen heiligen
Himmeln wird er ihn erhören durch Heilstaten seiner Rechten. 20,8
Diese [denken] an Wagen und jene an Rosse, wir aber gedenken an den Namen
des HERRN, unseres Gottes.
20,9 Jene krümmen sich und fallen,
wir aber stehen und bleiben aufrecht. 20,10 HERR, hilf! Der König
erhöre uns am Tage unseres Rufens!
Kapitel 21
21,1 Dem Chorleiter. Ein Psalm. Von David. 21,2 HERR, über
deine Kraft freut sich der König, und wie sehr frohlockt er über
deine Hilfe! 21,3 Den Wunsch seines Herzens hast du ihm gewährt,
und das Verlangen seiner Lippen nicht verweigert. 21,4 Denn mit
Segnungen an Gutem kamst du ihm entgegen; auf sein Haupt setztest du eine
Krone von Gold. 21,5 Leben erbat er von dir, du hast es ihm gegeben:
Länge der Tage immer und ewig. 21,6 Groß ist seine Herrlichkeit
durch deine Hilfe; Majestät und Pracht legtest du auf ihn. 21,7
Denn zu Segnungen setzt du ihn für immer; du erfreust ihn mit Freude
vor deinem Angesicht.
21,8 Denn auf den HERRN vertraut der König,
und durch des Höchsten Gnade wird er nicht wanken. 21,9 Deine
Hand wird alle deine Feinde finden, deine Rechte wird finden deine Hasser.
21,10
Einem Feuerofen wirst du sie gleich machen zur Zeit deines Erscheinens;
der HERR in seinem Zorn wird sie verschlingen, und Feuer wird sie verzehren.
21,11 Ihre Frucht wirst du von der Erde vertilgen und ihre Nachkommen
aus den Menschenkindern. 21,12 Haben sie auch Böses gegen dich
geplant, einen Anschlag ersonnen: nichts werden sie zustande bringen. 21,13
Denn du wirst machen, daß sie den Rücken kehren, wirst deine
Bogensehne gegen ihr Angesicht richten.
21,14 Erhebe dich, HERR,
in deiner Kraft! Wir wollen singen und spielen deiner Macht.
Kapitel 22
22,1 Dem Chorleiter. Nach `Hirschkuh der Morgenröte'. Ein Psalm.
Von David. 22,2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Fern von meiner Rettung sind die Worte meines Gestöhns. 22,3
Mein Gott, ich rufe bei Tage, und du antwortest nicht; und bei Nacht, und
mir wird keine Ruhe.
22,4 Doch du bist heilig, der du wohnst [unter]
den Lobgesängen Israels. 22,5 Auf dich vertrauten unsere Väter;
sie vertrauten, und du rettetest sie. 22,6 Zu dir schrien sie um
Hilfe und wurden gerettet; sie vertrauten auf dich und wurden nicht zuschanden.
22,7
Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet
vom Volk. 22,8 Alle, die mich sehen, spotten über mich; sie
verziehen die Lippen, schütteln den Kopf: 22,9 `Er hat es auf
den HERRN gewälzt, der rette ihn, befreie ihn, denn er hat ja Gefallen
an ihm!' 22,10 Ja, du bist es, der mich aus dem Mutterleib gezogen
hat, der mir Vertrauen einflößte an meiner Mutter Brüsten.
22,11 Auf dich bin ich geworfen von Mutterschoß her, von meiner
Mutter Leib an bist du mein Gott. 22,12 Sei nicht fern von mir,
denn Not ist nahe, denn kein Helfer ist da. 22,13 Viele Stiere haben
mich umgeben, starke [Stiere] von Basan mich umringt.
22,14 Sie
haben ihr Maul gegen mich aufgesperrt, [wie] ein Löwe, reißend
und brüllend. 22,15 Wie Wasser bin ich hingeschüttet,
und alle meine Gebeine haben sich zertrennt; wie Wachs ist mein Herz geworden,
zerschmolzen in meinem Inneren.
22,16 Meine Kraft ist vertrocknet
wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt an meinem Gaumen; und in den Staub
des Todes legst du mich. 22,17 Denn Hunde haben mich umgeben, eine
Rotte von Übeltätern hat mich umzingelt. Sie haben meine Hände
und meine Füße durchgraben. 22,18 Alle meine Gebeine
könnte ich zählen. Sie schauen und sehen auf mich [herab]. 22,19
Sie teilen meine Kleider unter sich, und über mein Gewand werfen sie
das Los. 22,20 Du aber, HERR, sei nicht fern! Meine Stärke,
eile mir zu Hilfe! 22,21 Errette vom Schwert meine Seele, meine
einzige aus des Hundes Pranke! 22,22 Rette mich aus dem Rachen des
Löwen und von den Hörnern der Büffel! Du hast mich erhört.
22,23
Verkündigen will ich deinen Namen meinen Brüdern; inmitten der
Versammlung will ich dich loben. 22,24 Ihr, die ihr den HERRN fürchtet,
lobet ihn; alle Nachkommen Jakobs, verherrlicht ihn, und scheut euch vor
ihm, alle Nachkommen Israels! 22,25 Denn er hat nicht verachtet
noch verabscheut das Elend des Elenden, noch sein Angesicht vor ihm verborgen;
und als er zu ihm schrie, hörte er. 22,26 Von dir [kommt] mein
Lobgesang in großer Versammlung; erfüllen will ich meine Gelübde
vor denen, die ihn fürchten.
22,27 Die Sanftmütigen werden
essen und satt werden; es werden den HERRN loben, die ihn suchen; leben
wird euer Herz für immer. 22,28 Es werden daran gedenken und
zum HERRN umkehren alle Enden der Erde; vor dir werden niederfallen alle
Geschlechter der Nationen. 22,29 Denn dem HERRN [gehört] das
Königtum, er herrscht über die Nationen.
22,30 Es aßen
und fielen nieder alle Fetten der Erde; vor ihm werden sich beugen alle,
die in den Staub hinabfuhren, und der, der seine Seele nicht am Leben erhalten
konnte. 22,31 Nachkommen werden ihm dienen; man wird vom Herrn erzählen
einem Geschlecht, das kommen wird. 22,32 Sie werden verkünden
seine Gerechtigkeit einem Volk, das noch geboren wird, denn er hat es getan.
Kapitel 23
23,1 Ein Psalm. Von David. Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts
mangeln. 23,2 Er lagert mich auf grünen Auen, er führt
mich zu stillen Wassern. 23,3 Er erquickt meine Seele. Er leitet
mich in Pfaden der Gerechtigkeit um seines Namens willen. 23,4 Auch
wenn ich wandere im Tal des Todesschattens, fürchte ich kein Unheil,
denn du bist bei mir; dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich.
23,5
Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde; du hast mein
Haupt mit Öl gesalbt, mein Becher fließt über.
23,6
Nur Güte und Gnade werden mir folgen alle Tage meines Lebens; und
ich kehre zurück ins Haus des HERRN lebenslang.
Kapitel 24
24,1 Von David. Ein Psalm. Des HERRN ist die Erde und ihre Fülle,
die Welt und die darauf wohnen. 24,2 Denn er, er hat sie gegründet
über Meeren, und über Strömen sie festgestellt. 24,3
Wer darf hinaufsteigen auf den Berg des HERRN und wer darf stehen an seiner
heiligen Stätte?
24,4 Der unschuldige Hände und ein reines
Herz hat, der seine Seele nicht auf Falsches richtet und nicht schwört
zum Betrug. 24,5 Er wird Segen empfangen vom HERRN und Gerechtigkeit
von dem Gott seines Heils. 24,6 Das ist das Geschlecht derer, die
nach ihm trachten, die dein Angesicht suchen: Jakob.
24,7 Erhebt, ihr Tore, eure Häupter, und erhebt euch, ihr
ewigen Pforten, daß der König der Herrlichkeit einziehe! 24,8
Wer ist dieser König der Herrlichkeit? Der HERR, stark und mächtig!
Der HERR, mächtig im Kampf!
24,9 Erhebt, ihr Tore, eure Häupter,
und erhebt euch, ihr ewigen Pforten, daß der König der Herrlichkeit
einziehe! 24,10 Wer ist er, dieser König der Herrlichkeit?
Der HERR der Heerscharen, er ist der König der Herrlichkeit!
Kapitel 25
25,1 Von David. Zu dir, HERR, erhebe ich meine Seele. 25,2
Mein Gott, auf dich vertraue ich: laß mich nicht zuschanden werden,
laß meine Feinde nicht über mich frohlocken!
25,3 Auch
werden alle, die auf dich harren, nicht beschämt werden; es werden
beschämt werden, die treulos handeln ohne Ursache. 25,4 Deine
Wege, HERR, tue mir kund, deine Pfade lehre mich! 25,5 Leite mich
in deiner Wahrheit und lehre mich, denn du bist der Gott meines Heils;
auf dich harre ich den ganzen Tag. 25,6 Gedenke an deine Erbarmungen,
HERR, und an deine Gnadenerweise; denn sie sind von Ewigkeit her. 25,7
An die Sünden meiner Jugend und meine Vergehen gedenke nicht; nach
deiner Gnade gedenke du meiner, um deiner Güte willen, HERR! 25,8
Gütig und gerade ist der HERR; darum unterweist er die Sünder
in dem Weg. 25,9 Er leitet die Sanftmütigen im Recht und lehrt
die Sanftmütigen seinen Weg. 25,10 Alle Pfade des HERRN sind
Gnade und Treue denen, die seinen Bund und seine Zeugnisse bewahren. 25,11
Um deines Namens willen, HERR, vergib mir meine Schuld, denn sie ist groß.
25,12
Wer ist nun der Mann, der den HERRN fürchtet? Ihn wird er unterweisen
in dem Weg, den er wählen soll. 25,13 Seine Seele wird im Guten
wohnen, und seine Nachkommen werden das Land besitzen.
25,14 Der
HERR zieht ins Vertrauen, die ihn fürchten, und sein Bund [dient dazu],
sie zu unterweisen.
25,15 Meine Augen sind stets auf den HERRN gerichtet;
denn er, er wird meine Füße aus dem Netz lösen. 25,16
Wende dich zu mir und sei mir gnädig, denn einsam und elend bin ich.
25,17 Die Enge meines Herzens mache weit, und führe mich heraus
aus meinen Bedrängnissen! 25,18 Sieh mein Elend an und meine
Mühsal, und vergib alle meine Sünden!
25,19 Sieh meine
Feinde an, wie viele sie sind, mit gewalttätigem Haß hassen
sie mich. 25,20 Bewahre meine Seele und rette mich! Laß mich
nicht zuschanden werden, denn ich berge mich bei dir. 25,21 Lauterkeit
und Redlichkeit mögen mich behüten, denn ich harre auf dich.
25,22
Erlöse Israel, o Gott, aus allen seinen Nöten!
Kapitel 26
26,1 Von David. Hilf mir zum Recht, HERR! Denn in meiner Lauterkeit
bin ich gewandelt; und auf den HERRN habe ich vertraut, ich werde nicht
wanken. 26,2 Erprobe mich, HERR, und prüfe mich; läutere
meine Nieren und mein Herz! 26,3 Denn deine Gnade war mir vor Augen,
und in deiner Wahrheit wandelte ich. 26,4 Ich habe nicht bei trügerischen
Leuten gesessen, und mit Hinterlistigen ging ich nicht um. 26,5
Ich habe die Versammlungen der Übeltäter gehaßt, und bei
Gottlosen saß ich nicht. 26,6 Ich wasche meine Hände
in Unschuld, und umschreite deinen Altar, HERR, 26,7 um laut ein
Danklied hören zu lassen und alle deine Wundertaten zu erzählen.
26,8
HERR, ich liebe die Wohnung deines Hauses und den Wohnort deiner Herrlichkeit.
26,9 Raffe meine Seele nicht weg mit den Sündern, noch mein
Leben mit Blutmenschen, 26,10 an deren Händen Schandtat und
deren Rechte voll Bestechung ist! 26,11 Ich aber wandle in meiner
Lauterkeit. Erlöse mich und sei mir gnädig!
26,12 Mein
Fuß steht auf ebenem Boden. Den HERRN werde ich in Versammlungen
preisen.
Kapitel 27
27,1 Von David. Der HERR ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte
ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Zuflucht, vor wem sollte
ich erschrecken? 27,2 Wenn Übeltäter mir nahen, mein Fleisch
zu fressen, meine Bedränger und meine Feinde, so sind sie es, die
straucheln und fallen. 27,3 Wenn sich ein Heer gegen mich lagert,
so fürchtet sich mein Herz nicht; wenn sich auch Krieg gegen mich
erhebt, trotzdem bin ich vertrauensvoll. 27,4 Eins habe ich vom
HERRN erbeten, danach trachte ich: zu wohnen im Haus des HERRN alle Tage
meines Lebens, um anzuschauen die Freundlichkeit des HERRN und nachzudenken
in seinem Tempel. 27,5 Denn er wird mich bergen in seiner Hütte
am Tag des Unheils, er wird mich verbergen im Versteck seines Zeltes; auf
einen Felsen wird er mich heben. 27,6 Und nun wird mein Haupt sich
erheben über meine Feinde rings um mich her. Opfer voller Jubel will
ich opfern in seinem Zelt, ich will singen und spielen dem HERRN. 27,7
Höre, HERR, mit meiner Stimme rufe ich: sei mir gnädig und erhöre
mich! 27,8 Mein Herz erinnert dich: `Suchet mein Angesicht!' Dein
Angesicht, HERR, suche ich. 27,9 Verbirg dein Angesicht nicht vor
mir, weise deinen Knecht nicht ab im Zorn! Du bist meine Hilfe gewesen.
Gib mich nicht auf und verlaß mich nicht, Gott meines Heils! 27,10
Sogar mein Vater und meine Mutter haben mich verlassen, aber der HERR nimmt
mich auf. 27,11 Lehre mich, HERR, deinen Weg, und leite mich auf
ebenem Pfad um meiner Feinde willen! 27,12 Gib mich nicht preis
der Gier meiner Bedränger, denn falsche Zeugen sind gegen mich aufgestanden
und der, der Gewalttat schnaubt. 27,13 Ach, wenn ich mir nicht sicher
wäre, das Gute des HERRN zu schauen im Land der Lebendigen . . .!
27,14
Harre auf den HERRN! Sei mutig, und dein Herz sei stark, und harre auf
den HERRN!
Kapitel 28
28,1 Von David. Zu dir, HERR, rufe ich; mein Fels, wende dich nicht
schweigend von mir ab, daß du nicht gegen mich verstummst und ich
nicht denen gleich werde, die in die Grube hinabfahren! 28,2 Höre
die Stimme meines Flehens, wenn ich zu dir schreie, wenn ich meine Hände
aufhebe zu deinem heiligen Tempelraum. 28,3 Reiße mich nicht
weg mit den Gottlosen und mit den Übeltätern, die friedlich reden
mit ihren Nächsten, aber Böses in ihrem Herzen haben! 28,4
Gib ihnen nach ihrem Tun und nach der Bosheit ihrer Taten; nach dem Werk
ihrer
Hände gib ihnen, vergilt ihnen ihre Tat! 28,5 Denn sie achten
nicht auf die Taten des HERRN, noch auf das Werk seiner Hände. Er
wird sie zerstören und nicht aufbauen. 28,6 Gepriesen sei der
HERR, denn er hat die Stimme meines Flehens gehört. 28,7 Der
HERR ist meine Stärke und mein Schild; auf ihn hat mein Herz vertraut,
und mir ist geholfen worden; daher frohlockt mein Herz, und ich will ihn
preisen mit meinem Lied. 28,8 Der HERR ist ihre Stärke, und
er ist eine rettende Burg für seinen Gesalbten.
28,9 Hilf deinem
Volk und segne dein Erbteil; weide sie und trage sie bis in Ewigkeit!
Kapitel 29
29,1 Ein Psalm. Von David. Gebt dem HERRN, ihr Göttersöhne,
gebt dem HERRN Herrlichkeit und Kraft! 29,2 Gebt dem HERRN die Herrlichkeit
seines Namens; betet an den HERRN in heiliger Pracht! 29,3 Die Stimme
des HERRN ist über den Wassern, der Gott der Herrlichkeit donnert;
der HERR über großen Wassern. 29,4 Die Stimme des HERRN
ist gewaltig, die Stimme des HERRN ist erhaben. 29,5 Die Stimme
des HERRN zerbricht Zedern, ja, der HERR zerbricht die Zedern des Libanon.
29,6
Er läßt sie hüpfen wie ein Kalb, den Libanon und Sirjon
wie einen jungen Büffel. 29,7 Die Stimme des HERRN sprüht
Feuerflammen, 29,8 die Stimme des HERRN erschüttert die Wüste,
der HERR erschüttert die Wüste Kades. 29,9 Die Stimme
des HERRN macht Hirschkühe kreißen und läßt Zicklein
vorzeitig gebären . . . Und in seinem Tempel ruft alles: Herrlichkeit!
29,10 Der HERR thront auf der Wasserflut, der HERR thront als König
ewig. 29,11 Der HERR möge Kraft geben seinem Volk, der HERR
möge sein Volk segnen mit Frieden.
Kapitel 30
30,1 Ein Psalm. Ein Lied zur Einweihung des Hauses. Von David. 30,2
Ich will dich erheben, HERR, denn du hast mich emporgezogen und ließest
meine Feinde sich nicht über mich freuen. 30,3 HERR, mein Gott,
zu dir habe ich geschrien, und du hast mich geheilt. 30,4 HERR,
du hast meine Seele aus dem Scheol heraufgeholt, hast mich am Leben erhalten
[und bewahrt] vor dem Hinabfahren zur Grube. 30,5 Spielt dem HERRN,
ihr seine Frommen, und preist zu seinem heiligen Gedenken!
30,6
Denn einen Augenblick [stehen wir] in seinem Zorn, ein Leben lang in seiner
Gunst; am Abend kehrt Weinen ein, und am Morgen ist Jubel da. 30,7
Ich zwar dachte in meiner Sorglosigkeit: `Niemals werde ich wanken'. 30,8
HERR, in deiner Gunst hattest du mich auf feste Berge gestellt. Du verbargst
dein Angesicht, da wurde ich bestürzt. 30,9 Zu dir, HERR, rief
ich, und zum Herrn flehte ich: 30,10 `Was für Gewinn bringt
mein Blut, mein Hinabfahren in die Grube? Wird der Staub dich preisen?
Wird er deine Treue verkünden? 30,11 Höre, HERR, und sei
mir gnädig! HERR, sei mein Helfer!'
30,12 Meine Wehklage hast
du mir in Reigen verwandelt, mein Sacktuch hast du gelöst und mit
Freude mich umgürtet,
30,13 damit meine Seele dich besinge
und nicht schweige. HERR, mein Gott, in Ewigkeit will ich dich preisen.
Kapitel 31
31,1 Dem Chorleiter. Ein Psalm. Von David. 31,2 Bei dir,
HERR, habe ich mich geborgen; laß mich niemals zuschanden werden;
errette mich in deiner Gerechtigkeit! 31,3 Neige zu mir dein Ohr,
eilends errette mich! Sei mir ein Fels der Zuflucht, ein unzugängliches
Haus, mich zu retten! 31,4 Denn mein Fels und meine Festung bist
du; und um deines Namens willen führe mich und leite mich! 31,5
Ziehe mich aus dem Netz, das sie mir heimlich gelegt haben; denn du bist
mein Schutz. 31,6 In deine Hand befehle ich meinen Geist. Du hast
mich erlöst, HERR, du Gott der Treue! 31,7 Ich hasse die, die
sich an nichtige Götzen halten, doch ich, ich traue auf den HERRN.
31,8
Ich will frohlocken und mich freuen über deine Gnade, daß du
mein Elend angesehen, die Bedrängnisse meiner Seele erkannt hast,
31,9 daß du mich nicht überliefert hast in die Hand des
Feindes, [sondern] meine Füße auf weiten Raum gestellt hast.
31,10 Sei mir gnädig, HERR, denn ich bin in Bedrängnis;
vor Gram verfällt mein Auge, meine Seele und mein Leib. 31,11
Denn in Kummer schwindet mein Leben dahin und meine Jahre in Seufzen; meine
Kraft wankt durch meine Schuld, und es verfallen meine Gebeine.
31,12
Vor allen meinen Bedrängern bin ich zum Hohn geworden, auch meinen
Nachbarn gar sehr, und zum Schrecken meinen Bekannten; die mich auf der
Straße sehen, fliehen vor mir.
31,13 In Vergessenheit bin
ich geraten, aus dem Herzen fort wie ein Toter, bin wie ein verlorengegangenes
Gefäß.
31,14 Denn ich höre das Tuscheln vieler,
Schrecken ringsum; indem sie sich miteinander gegen mich zusammentun, sinnen
sie darauf, mir das Leben zu nehmen. 31,15 Ich aber, ich habe auf
dich vertraut, HERR; ich sagte: Du bist mein Gott! 31,16 In deiner
Hand sind meine Zeiten; rette mich aus der Hand meiner Feinde und vor meinen
Verfolgern! 31,17 Laß dein Angesicht leuchten über deinem
Knecht, hilf mir in deiner Gnade! 31,18 HERR, laß mich nicht
zuschanden werden, denn ich habe dich angerufen; mögen zuschanden
werden die Gottlosen, verstummen im Scheol! 31,19 Laß schweigen
die Lügenlippen, die in Hochmut und Verachtung Freches reden gegen
den Gerechten! 31,20 Wie groß ist deine Güte, die du
bereithältst denen, die dich fürchten, die du denen erweist,
die sich bei dir bergen vor den Menschen. 31,21 Du verbirgst sie
im Schutz deines Angesichts vor den Verschwörungen der Menschen; du
birgst sie in einer Hütte vor dem Gezänk der Zungen. 31,22
Gepriesen sei der HERR, denn wunderbar hat er seine Gnade an mir erwiesen
in einer befestigten Stadt.
31,23 Ich zwar dachte in meiner Bestürzung:
`Ich bin weggenommen aus deinen Augen.' Doch du hast die Stimme meines
Flehens gehört, als ich zu dir schrie. 31,24 Liebet den HERRN,
alle seine Frommen! Die Treuen behütet der HERR, doch er vergilt reichlich
dem, der anmaßend handelt. 31,25 Seid stark, und euer Herz
fasse Mut, alle, die ihr auf den HERRN harrt!
Kapitel 32
32,1 Von David. Ein Maskil Glücklich der, dem Übertretung
vergeben, dem Sünde zugedeckt ist! 32,2 Glücklich der
Mensch, dem der HERR die Schuld nicht zurechnet und in dessen Geist kein
Trug ist! 32,3 Als ich schwieg, zerfielen meine Gebeine durch mein
Gestöhn den ganzen Tag. 32,4 Denn Tag und Nacht lastete auf
mir deine Hand; verwandelt wurde mein Saft in Sommergluten.
32,5 So tat ich dir kund meine Sünde und deckte meine Schuld
nicht zu. Ich sagte: Ich will dem HERRN meine Übertretungen bekennen;
und du, du hast vergeben die Schuld meiner Sünde.
32,6 Deshalb soll jeder Fromme zu dir beten, zur Zeit, da du
zu finden bist; gewiß, bei großer Wasserflut ihn werden sie
nicht erreichen. 32,7 Du bist ein Bergungsort für mich; vor
Bedrängnis behütest du mich; du umgibst mich mit Rettungsjubel.
32,8 Ich will dich unterweisen und dich lehren den Weg, den
du gehen sollst; ich will dir raten, meine Augen über dir [offenhalten].
32,9
Seid nicht wie ein Roß, wie ein Maultier, ohne Verstand; mit Zaum
und Zügel ist seine Kraft zu bändigen, sonst nahen sie dir nicht.
32,10 Viele Schmerzen hat der Gottlose; wer aber auf den HERRN vertraut,
den umgibt er mit Gnade. 32,11 Freut euch an dem HERRN, und frohlockt,
ihr Gerechten, und jubelt, alle ihr von Herzen Aufrichtigen!
Kapitel 33
33,1 Jubelt, ihr Gerechten, über den HERRN; den Aufrichtigen
ziemt Lobgesang. 33,2 Preist den HERRN mit der Zither; spielt ihm
auf der zehnsaitigen Harfe! 33,3 Singt ihm ein neues Lied; spielt
schön auf den Saiten mit Jubelschall!
33,4 Denn richtig ist
das Wort des HERRN, und all sein Werk [geschieht] in Treue. 33,5
Er liebt Gerechtigkeit und Recht; die Erde ist voll der Gnade des HERRN.
33,6
Durch des HERRN Wort sind die Himmel gemacht und all ihr Heer durch den
Hauch seines Mundes. 33,7 Er sammelt die Wasser des Meeres wie einen
Wall, legt in Behälter die Fluten. 33,8 Es fürchte den
HERRN die ganze Erde; mögen sich vor ihm scheuen alle Bewohner der
Welt! 33,9 Denn er sprach, und es geschah; er gebot, und es stand
da. 33,10 Der HERR macht zunichte den Ratschluß der Nationen,
er vereitelt die Gedanken der Völker. 33,11 Der Ratschluß
des HERRN hat ewig Bestand, die Gedanken seines Herzens von Geschlecht
zu Geschlecht. 33,12 Glücklich die Nation, deren Gott der HERR
ist, das Volk, das er sich erwählt hat zum Erbteil!
33,13 Der
HERR blickt vom Himmel herab, er sieht alle Menschenkinder.
33,14
Von der Stätte seines Thrones schaut er auf alle Bewohner der Erde;
33,15
er, der ihnen allesamt das Herz gebildet hat, achtet auf alle ihre Werke.
33,16 Der König siegt nicht durch die Größe des
Heeres; ein Held befreit sich nicht durch die Größe der Kraft.
33,17
Ein Trug ist das Roß, wenn Rettung nötig ist, und mit seiner
großen Kraft rettet es nicht. 33,18 Siehe, das Auge des HERRN
[ruht] auf denen, die ihn fürchten, die auf seine Gnade harren, 33,19
daß er ihre Seele vom Tod errette und sie am Leben erhalte in Hungersnot.
33,20 Unsere Seele wartet auf den HERRN; unsere Hilfe und unser
Schild ist er. 33,21 Denn in ihm wird unser Herz sich freuen, weil
wir seinem heiligen Namen vertrauen.
33,22 Deine Gnade, HERR, sei
über uns, gleichwie wir auf dich harren.
Kapitel 34
34,1 Von David. Als er sich vor Abimelech wahnsinnig stellte und
dieser ihn wegtrieb und er fortging. 34,2 Den HERRN will ich preisen
allezeit, beständig soll sein Lob in meinem Munde sein. 34,3
In dem HERRN soll sich rühmen meine Seele; hören werden es die
Sanftmütigen und sich freuen.
34,4 Erhebt den HERRN mit mir,
laßt uns miteinander erhöhen seinen Namen! 34,5 Ich suchte
den HERRN, und er antwortete mir; und aus allen meinen Ängsten rettete
er mich. 34,6 Sie blickten auf ihn und strahlten, und ihr Angesicht
wird nicht beschämt. 34,7 Dieser Elende rief, und der HERR
hörte, und aus allen seinen Bedrängnissen rettete er ihn. 34,8
Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und
er befreit sie. 34,9 Schmecket und sehet, daß der HERR gütig
ist! Glücklich der Mann, der sich bei ihm birgt! 34,10 Fürchtet
den HERRN, ihr seine Heiligen! Denn keinen Mangel haben die, die ihn fürchten.
34,11
Junglöwen darben und hungern, aber die den HERRN suchen, entbehren
kein Gut. 34,12 Kommt, ihr Söhne, hört mir zu: die Furcht
des HERRN will ich euch lehren. 34,13 Wer ist der Mann, der Lust
zum Leben hat, der [seine] Tage liebt, um Gutes zu sehen? 34,14
Bewahre deine Zunge vor Bösem und deine Lippen vor betrügerischer
Rede; 34,15 laß ab vom Bösen und tue Gutes, suche Frieden
und jage ihm nach! 34,16 Die Augen des HERRN [sind gerichtet] auf
die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien.
34,17 Denen, die
Böses tun, [steht] das Angesicht des HERRN entgegen, um ihr Gedächtnis
von der Erde zu tilgen.
34,18 Sie schreien, und der HERR hört,
aus allen ihren Bedrängnissen rettet er sie. 34,19 Nahe ist
der HERR denen, die zerbrochenen Herzens sind, und die zerschlagenen Geistes
sind, rettet er. 34,20 Vielfältig ist das Unglück des
Gerechten, aber aus dem allen errettet ihn der HERR. 34,21 Er bewahrt
alle seine Gebeine, nicht eines von ihnen wird zerbrochen.
34,22
Den Gottlosen wird die Bosheit töten; und die den Gerechten hassen,
werden es büßen. 34,23 Der HERR erlöst die Seele
seiner Knechte; und alle, die sich bei ihm bergen, müssen nicht büßen.
Kapitel 35
35,1 Von David. Streite, HERR, mit denen, die gegen mich streiten,
kämpfe mit denen, die mich bekämpfen! 35,2 Ergreife Kleinschild
und Langschild, und stehe auf zu meiner Hilfe!
35,3 Zücke den
Speer und versperre [den Weg] gegenüber meinen Verfolgern; sprich
zu meiner Seele: `Ich bin deine Hilfe!'
35,4 Es sollen sich schämen
und zuschanden werden, die nach meinem Leben trachten; es sollen zurückweichen
und beschämt werden, die mir Unheil ersinnen! 35,5 Laß
sie sein wie Spreu vor dem Wind, und der Engel des HERRN stoße [sie]!
35,6
Ihr Weg sei finster und schlüpfrig, und der Engel des HERRN verfolge
sie! 35,7 Denn ohne Ursache haben sie mir ihr Netz heimlich gelegt,
ohne Ursache meiner Seele [eine Grube] gegraben. 35,8 Verderben
komme über ihn, ohne daß er es erkennt; und sein Netz, das er
heimlich gelegt hat, fange ihn; ins Verderben falle er hinein! 35,9
Und meine Seele wird frohlocken über den HERRN, wird sich freuen über
seine Hilfe. 35,10 Alle meine Gebeine werden sagen: `HERR, wer ist
wie du! Der du den Elenden rettest vor dem Stärkeren und den Elenden
und Armen vor seinem Räuber.'
35,11 Es treten gewalttätige
Zeugen auf; was ich nicht weiß, fragen sie mich. 35,12 Sie
vergelten mir Böses für Gutes; vereinsamt ist meine Seele. 35,13
Ich aber, als sie krank waren, kleidete mich in Sacktuch; ich kasteite
mit Fasten meine Seele. Ach, daß mein Gebet in meinen Schoß
zurückkehrte! 35,14 Als wäre es mir ein Freund, ein Bruder
gewesen, so bin ich einhergegangen; wie leidtragend um die Mutter habe
ich mich trauernd niedergebeugt. 35,15 Sie aber haben sich über
mein Straucheln gefreut und sich versammelt, Schläger haben sich versammelt
gegen mich, und ich kannte sie nicht; sie zerreißen und hören
nicht auf. 35,16 Unter Gottesverächtern verspotten sie [meinen]
Rückzugsort, sie knirschen gegen mich mit ihren Zähnen.
35,17
Herr, wie lange willst du zusehen? Stell mein Leben wieder her aus ihren
Verwüstungen, aus [der Gewalt der] Junglöwen mein einziges [Gut].
35,18
Ich werde dich preisen in der großen Versammlung, unter zahlreichem
Volk dich loben. 35,19 Laß nicht über mich frohlocken,
die mir ohne Grund feind sind, noch mit den Augen zwinkern, die ohne Ursache
mich hassen. 35,20 Denn nicht zum Frieden reden sie; und gegen die
Stillen im Land ersinnen sie Worte des Betrugs; 35,21 reißen
ihr Maul gegen mich auf, sagen: `Haha! Haha! Unser Auge hat's gesehen!
35,22 Du hast es gesehen, HERR; schweige nicht! Herr, sei nicht
fern von mir! 35,23 Rege dich und erwache für mein Recht, mein
Gott und Herr, zu meinem Rechtsstreit!
35,24 Schaffe mir Recht nach
deiner Gerechtigkeit, HERR, mein Gott, daß sie nicht über mich
jubeln! 35,25 Sie sollen nicht in ihrem Herzen sagen: `Haha, so
wollten wir's! Sie sollen nicht sagen: `Wir haben ihn verschlungen!
35,26
Sie sollen sich schämen und beschämt werden allesamt, die sich
freuen über mein Unglück. Sie sollen mit Schimpf und Schande
bekleidet werden, die gegen mich großtun! 35,27 Laß
jubeln und sich freuen, die meine Gerechtigkeit wünschen, und laß
sie stets sagen: `Erhoben sei der HERR, der den Frieden seines Knechtes
will!' 35,28 Und meine Zunge soll hersagen deine Gerechtigkeit,
dein Lob den ganzen Tag.
Kapitel 36
36,1 Dem Chorleiter. Vom Knecht des HERRN. Von David. 36,2
Die Übertretung spricht zum Gottlosen im Innern seines Herzens. Es
ist keine Furcht Gottes vor seinen Augen. 36,3 Denn es schmeichelt
ihm in seinen Augen, seine Sünde zu vollbringen, Haß zu üben.
36,4
Lüge und Betrug sind die Worte seines Mundes; er hat es aufgegeben,
verständig zu handeln, Gutes zu tun. 36,5 Bosheit ersinnt er
auf seinem Lager; er betritt einen Weg, der nicht gut ist; Böses verschmäht
er nicht. 36,6 HERR, an die Himmel reicht deine Gnade, deine Treue
bis zu den Wolken. 36,7 Deine Gerechtigkeit ist den Bergen Gottes
gleich, deine Rechtssprüche dem gewaltigen Urmeer; Menschen und Vieh
hilfst du, o HERR. 36,8 Wie köstlich ist deine Gnade, Gott!
und Menschenkinder bergen sich in deiner Flügel Schatten; 36,9
sie laben sich am Fett deines Hauses, und mit dem Strom deiner Wonnen tränkst
du sie. 36,10 Denn bei dir ist der Quell des Lebens; in deinem Licht
sehen wir das Licht. 36,11 Erhalte deine Gnade denen, die dich kennen,
und deine Gerechtigkeit den von Herzen Aufrichtigen! 36,12 Nicht
erreiche mich der Fuß der Hochmütigen, und die Hand der Gottlosen
vertreibe mich nicht!
36,13 Da sind gefallen die Übeltäter;
sie wurden umgestoßen und können nicht mehr aufstehen.
Kapitel 37
37,1 Von David. Entrüste dich nicht über die Übeltäter,
beneide nicht die, welche Böses tun!
37,2 Denn wie das Gras
werden sie schnell verdorren und wie das grüne Kraut verwelken. 37,3
Vertraue auf den HERRN und tue Gutes; wohne im Land und hüte Treue;
37,4
und habe deine Lust am HERRN, so wird er dir geben, was dein Herz begehrt.
37,5 Befiehl dem HERRN deinen Weg und vertraue auf ihn, so wird
er handeln 37,6 und wird deine Gerechtigkeit aufgehen lassen wie
das Licht und dein Recht wie den Mittag. 37,7 Sei still dem HERRN
und harre auf ihn! Entrüste dich nicht über den, dessen Weg gelingt,
über den Mann, der böse Pläne ausführt!
37,8
Laß ab vom Zorn und laß den Grimm! Entrüste dich nicht!
[Es führt] nur zum Bösen. 37,9 Denn die Übeltäter
werden ausgerottet; aber die auf den HERRN hoffen, die werden das Land
besitzen. 37,10 Noch kurze Zeit, und der Gottlose ist nicht mehr;
und siehst du dich um nach seiner Stätte, so ist er nicht da. 37,11
Aber die Sanftmütigen werden das Land besitzen und werden ihre Lust
haben an Fülle von Heil. 37,12 Der Gottlose sinnt gegen den
Gerechten, und mit seinen Zähnen knirscht er gegen ihn. 37,13
Der Herr lacht über ihn, denn er sieht, daß sein Tag kommt.
37,14
Die Gottlosen haben das Schwert gezogen und ihren Bogen gespannt, um zu
fällen den Elenden und Armen, hinzuschlachten die, die aufrichtig
wandeln.
37,15 Ihr Schwert wird in ihr eigenes Herz dringen, und
ihre Bogen werden zerbrochen. 37,16 Das Wenige des Gerechten ist
besser als der Überfluß vieler Gottloser. 37,17 Denn
die Arme der Gottlosen werden zerbrochen, aber der HERR stützt die
Gerechten. 37,18 Der HERR kennt die Tage der Rechtschaffenen, und
ihr Erbteil wird ewig bestehen; 37,19 sie werden nicht zuschanden
zur Zeit des Unglücks, und in den Tagen des Hungers werden sie gesättigt.
37,20
Denn die Gottlosen werden umkommen, und die Feinde des HERRN - wie die
Pracht der Auen schwinden sie, sie schwinden dahin wie Rauch.
37,21
Der Gottlose borgt und zahlt nicht zurück; der Gerechte aber ist gütig
und gibt. 37,22 Denn die von ihm Gesegneten werden das Land besitzen,
und die von ihm Verfluchten werden ausgerottet.
37,23 Vom HERRN
her werden eines Mannes Schritte gefestigt, und seinen Weg hat er gern;
37,24 fällt er, so wird er doch nicht hingestreckt, denn der
HERR stützt seine Hand.
37,25 Ich war jung und bin auch alt
geworden, doch nie sah ich einen Gerechten verlassen, noch seine Nachkommen
um Brot betteln; 37,26 alle Tage ist er gütig und leiht, und
seine Nachkommen [werden] zum Segen. 37,27 Laß ab vom Bösen
und tue Gutes, so wirst du für immer [im Lande] wohnen! 37,28
Denn der HERR liebt Recht und wird seine Frommen nicht verlassen; ewig
werden sie bewahrt, und die Nachkommenschaft der Gottlosen wird ausgerottet.
37,29 Die Gerechten werden das Land besitzen und für immer
darin wohnen. 37,30 Der Mund des Gerechten spricht Weisheit aus,
und seine Zunge redet Recht; 37,31 die Weisung seines Gottes ist
in seinem Herzen, seine Schritte werden nicht wanken. 37,32 Der
Gottlose lauert auf den Gerechten und sucht ihn zu töten; 37,33
[doch] der HERR läßt ihn nicht in seiner Hand und läßt
ihn nicht verurteilen, wenn man ihn richtet. 37,34 Harre auf den
HERRN und halte seinen Weg ein, und er wird dich erhöhen, das Land
zu besitzen. Wenn die Gottlosen ausgerottet werden, wirst du zusehen. 37,35
Ich habe einen Gottlosen gesehen, gewalttätig und sich erhebend wie
eine üppige Zeder; 37,36 und man ging vorbei, siehe, da war
er nicht mehr; und ich suchte ihn, doch er war nicht zu finden. 37,37
Achte auf den Rechtschaffenen und sieh auf den Redlichen; denn die Zukunft
für einen [solchen] ist Frieden; 37,38 die [von Gott] Abgefallenen
aber werden allesamt vertilgt, die Zukunft der Gottlosen wird abgeschnitten.
37,39
Doch die Hilfe der Gerechten [kommt] vom HERRN, der ihre Fluchtburg ist
zur Zeit der Not; 37,40 und der HERR wird ihnen beistehen und sie
retten; er wird sie erretten von den Gottlosen und ihnen helfen, denn sie
haben sich bei ihm geborgen.
Kapitel 38
38,1 Ein Psalm. Von David. Zum Gedächtnis. 38,2 HERR,
strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem
Grimm! 38,3 Denn deine Pfeile sind in mich eingedrungen, und deine
Hand hat sich auf mich herabgesenkt. 38,4 Keine heile Stelle ist
an meinem Fleisch wegen deiner Verwünschung, nichts Heiles an meinen
Gebeinen wegen meiner Verfehlung. 38,5 Denn meine Sünden wachsen
mir über den Kopf, wie eine schwere Last sind sie zu schwer für
mich. 38,6 Es stinken, es eitern meine Wunden wegen meiner Torheit.
38,7
Ich bin gekrümmt, sehr gebeugt; den ganzen Tag gehe ich trauernd einher.
38,8 Denn voll Brand sind meine Lenden, und keine heile Stelle ist
an meinem Fleisch. 38,9 Ich bin ermattet und ganz zerschlagen, ich
schreie aus dem Stöhnen meines Herzens. 38,10 Herr, vor dir
ist all mein Begehren, und mein Seufzen ist nicht vor dir verborgen. 38,11
Mein Herz pocht, verlassen hat mich meine Kraft; und das Licht meiner Augen,
auch das habe ich nicht [mehr]. 38,12 Meine Lieben und meine Gefährten
stehen fernab von meiner Plage, und meine Verwandten stehen von ferne.
38,13 Die nach meinem Leben trachten, legen Schlingen; und die mein
Unglück suchen, reden von Verderben und sinnen auf Betrug den ganzen
Tag. 38,14 Ich aber bin wie ein Tauber, höre nicht, und wie
ein Stummer, der seinen Mund nicht aufmacht.
38,15 Ja, ich bin wie
ein Mann, der nicht hört, und in dessen Mund keine Entgegnungen sind.
38,16 Denn auf dich, HERR, harre ich; du, du wirst antworten, Herr,
mein Gott. 38,17 Denn ich sprach: `Daß sie sich nicht über
mich freuen, beim Wanken meines Fußes großtun gegen mich.'
38,18 Denn ich bin nahe am Straucheln, und mein Schmerz steht mir
ständig vor Augen. 38,19 Denn ich bekenne meine Schuld; ich
bin bekümmert wegen meiner Verfehlung. 38,20 Meine lebendigen
Feinde sind stark, und zahlreich sind, die ohne Grund mich hassen; 38,21
ja, sie vergelten Gutes mit Bösem, sie feinden mich an, weil ich dem
Guten nachjage. 38,22 Verlaß mich nicht, HERR; mein Gott,
sei nicht fern von mir! 38,23 Eile zu meiner Hilfe, Herr, meine
Rettung!
Kapitel 39
39,1 Dem Chorleiter. Für Jedutun. Ein Psalm. Von David.
39,2
Ich sprach: Ich will auf meine Wege achthaben, daß ich nicht sündige
mit meiner Zunge; ich will meinen Mund im Zaum halten, solange der Gottlose
vor mir ist. 39,3 Ich verstummte in Schweigen, schwieg - fern vom
Guten. Da wurde mein Schmerz erregt. 39,4 Mein Herz wurde heiß
in meinem Innern, bei meinem Stöhnen entbrannte ein Feuer; ich sprach
mit meiner Zunge: 39,5 Tue mir kund, HERR, mein Ende und welches
das Maß meiner Tage ist, damit ich erkenne, wie vergänglich
ich bin! 39,6 Siehe, handbreit hast du meine Tage gemacht, und meine
Lebenszeit ist wie nichts vor dir; nur ein Hauch ist jeder Mensch, wie
fest er stehe -.
39,7 Nur als ein Schattenbild wandelt der Mann einher; nur um
Nichtigkeit lärmen sie; er häuft auf und weiß nicht, wer
es einsammeln wird. 39,8 Und nun, auf was harre ich, Herr? Meine
Hoffnung, sie gilt dir! 39,9 Errette mich von allen meinen Vergehen,
mach mich nicht dem Narren zum Hohn!
39,10 Ich bin verstummt, mache
meinen Mund nicht auf; denn du, du hast gehandelt. 39,11 Nimm von
mir deine Plage! Vom Streit deiner Hand [gegen mich] vergehe ich. 39,12
Strafst du einen Mann mit Züchtigungen wegen [seiner] Schuld, so läßt
du seine Schönheit wie die Motte zergehen; nur ein Hauch sind alle
Menschen.
39,13 Höre mein Gebet, HERR, und vernimm mein Schreien;
schweige nicht zu meinen Tränen! Denn ein Fremdling bin ich bei dir,
ein Beisaße wie alle meine Väter. 39,14 Blicke von mir
weg, daß ich [noch einmal] fröhlich werde, bevor ich dahingehe
und nicht mehr bin!
Kapitel 40
40,1 Dem Chorleiter. Von David. Ein Psalm. 40,2 Beharrlich
habe ich auf den HERRN geharrt, und er hat sich zu mir geneigt und mein
Schreien gehört. 40,3 Er hat mich heraufgeholt aus der Grube
des Verderbens, aus Schlick [und] Schlamm; und er hat meine Füße
auf Felsen gestellt, meine Schritte fest gemacht. 40,4 Und in meinen
Mund hat er ein neues Lied gelegt, einen Lobgesang auf unseren Gott. Viele
werden es sehen und sich fürchten und auf den HERRN vertrauen.
40,5
Glücklich der Mann, der den HERRN zu seiner Zuversicht macht und sich
nicht wendet zu den Drängern und den in Lüge Festgefahrenen!
40,6
Vielfach hast du, HERR, mein Gott, deine Wundertaten und deine Pläne
an uns vollbracht; nichts ist mit dir zu vergleichen. Wollte ich davon
berichten und reden - sie sind zu zahlreich, um sie aufzuzählen.
40,7
An Schlacht- und Speisopfern hattest du kein Gefallen, Ohren hast du mir
gegraben; Brand- und Sündopfer hast du nicht gefordert.
40,8
Da sprach ich: Siehe, ich komme; in der Rolle des Buches steht über
mich geschrieben. 40,9 Dein Wohlgefallen zu tun, mein Gott, liebe
ich; und dein Gesetz ist tief in meinem Innern. 40,10 Ich habe Gerechtigkeit
verkündet in großer Versammlung; siehe, meine Lippen hemmte
ich nicht - HERR, du weißt es! 40,11 Deine Gerechtigkeit habe
ich nicht verborgen im Innern meines Herzens; deine Zuverlässigkeit
und deine Hilfe habe ich ausgesprochen, deine Gnade und deine Treue nicht
verhehlt vor der großen Versammlung. 40,12 Du, HERR, wirst
dein Erbarmen nicht von mir zurückhalten; deine Gnade und deine Treue
werden beständig mich behütet!
40,13 Denn Übel bis
zur Unzahl haben mich umgeben, meine Sünden haben mich erreicht, daß
ich nicht aufzublicken vermag; zahlreicher sind sie als die Haare meines
Hauptes, und mein Herz hat mich verlassen.
V. 14-18: Ps 70,2-6.
40,14 Laß dir gefallen, HERR, mich zu erretten! HERR, eile
zu meiner Hilfe! 40,15 Es sollen sich schämen und beschämt
werden allesamt, die nach meinem Leben trachten, es wegzuraffen; es sollen
zurückweichen und zuschanden werden, die Gefallen haben an meinem
Unglück! 40,16 Es sollen sich entsetzen über ihre Schande,
die zu mir sagen: Haha! Haha! 40,17 Es mögen fröhlich
sein und sich freuen an dir alle, die dich suchen; es mögen stets
sagen: `Groß ist der HERR!, die dein Heil lieben. 40,18 Ich
aber bin elend und arm, der Herr denkt an mich. Meine Hilfe und mein Retter
bist du; mein Gott, zögere nicht!
Kapitel 41
41,1 Dem Chorleiter. Ein Psalm. Von David. 41,2 Glücklich,
wer acht hat auf den Geringen; am Tage des Übels wird der HERR ihn
erretten. 41,3 Der HERR wird ihn bewahren und ihn am Leben erhalten;
er wird glücklich gepriesen im Lande. Gib ihn nicht der Gier seiner
Feinde preis! 41,4 Der HERR wird ihn stützen auf dem Siechbett,
sein ganzes Lager wandelst du um in seiner Krankheit. 41,5 Ich sprach:
HERR, sei mir gnädig! Heile meine Seele, denn ich habe gegen dich
gesündigt. 41,6 Meine Feinde reden Böses gegen mich: `Wann
wird er sterben und sein Name verlorengehen?
41,7 Und wenn einer
kommt, um [mich] zu sehen, redet Falsches sein Herz, er sammelt sich Schlechtes;
er geht hinaus, [draußen] sagt er}s. 41,8 Vereint gegen mich
flüstern all meine Hasser; gegen mich ersinnen sie mir Böses:
41,9
`Verderben ist über ihn ausgegossen; und der da liegt, wird nicht
wieder aufstehen. 41,10 Selbst mein Freund, auf den ich vertraute,
der mein Brot aß, hat die Ferse gegen mich erhoben. 41,11
Du aber, HERR, sei mir gnädig und richte mich auf, daß ich es
ihnen vergelte! 41,12 Daran erkenne ich, daß du Gefallen an
mir hast, daß mein Feind nicht über mich jauchzt. 41,13
Ich aber in meiner Lauterkeit, mich hast du aufrecht gehalten und mich
vor dein Angesicht gestellt auf ewig.
41,14 Gepriesen sei der HERR, der Gott Israels, von Ewigkeit
bis in Ewigkeit! Amen, ja Amen.
ZWEITES BUCH
Kapitel 42
42,1 Dem Chorleiter. Ein Maskil. Von den Söhnen Korachs.
42,2
Wie eine Hirschkuh lechzt nach Wasserbächen, so lechzt meine Seele
nach dir, o Gott! 42,3 Meine Seele dürstet nach Gott, nach
dem lebendigen Gott: Wann werde ich kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht?
42,4
Meine Tränen sind mein Brot geworden Tag und Nacht, da man den ganzen
Tag zu mir sagt: Wo ist dein Gott? 42,5 Daran will ich denken und
vor mir ausschütten meine Seele, wie ich einherzog, in der Schar sie
führte zum Hause Gottes, mit Klang des Jubels und Dankes - ein feierlicher
Aufzug. 42,6 Was bist du so aufgelöst, meine Seele, und stöhnst
in mir? Harre auf Gott! - denn ich werde ihn noch preisen [für] das
Heil seines Angesichts. 42,7 Mein Gott, aufgelöst in mir ist
meine Seele; darum denke ich an dich aus dem Land des Jordan und des Hermon,
vom Berg Misar. 42,8 Urflut ruft der Urflut zu beim Brausen deiner
Wassergüsse; alle deine Wogen und deine Wellen sind über mich
hingegangen. 42,9 Des Tages wird der HERR seine Gnade aufbieten,
und des Nachts wird sein Lied bei mir sein, ein Gebet zu dem Gott meines
Lebens. 42,10 Sagen will ich zu Gott, meinem Fels: `Warum hast du
mich vergessen? Warum muß ich trauernd einhergehen, bedrückt
durch den Feind? 42,11 Wie Mord in meinen Gebeinen höhnen mich
meine Bedränger, indem sie den ganzen Tag zu mir sagen: Wo ist dein
Gott? 42,12 Was bist du so aufgelöst, meine Seele, und was
stöhnst du in mir? Harre auf Gott! - denn ich werde ihn noch preisen,
das Heil meines Angesichts und meinen Gott.
Kapitel 43
43,1 Schaffe mir Recht, o Gott, und führe meinen Rechtsstreit
mit der gnadenlosen Nation! Vom Mann des Betrugs und des Unrechts errette
mich! 43,2 Denn du bist der Gott meiner Zuflucht. Warum hast du
mich verworfen? Warum muß ich trauernd einhergehen, bedrückt
durch den Feind? 43,3 Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen
mich leiten, mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen.
43,4
So werde ich kommen zum Altar Gottes, zum Gott meiner Jubelfreude, und
werde dich preisen auf der Zither, Gott, mein Gott! 43,5 Was bist
du so aufgelöst, meine Seele, und was stöhnst du in mir? Harre
auf Gott, denn ich werde ihn noch preisen, das Heil meines Angesichts und
meinen Gott.
Kapitel 44
44,1 Dem Chorleiter. Von den Söhnen Korachs. Ein Maskil.
44,2
Gott, mit unseren Ohren haben wir gehört, unsere Väter haben
uns erzählt die Großtat, die du gewirkt hast in ihren Tagen,
in den Tagen der Vorzeit. 44,3 Du, du hast mit deiner Hand Nationen
ausgetrieben, aber sie hast du eingepflanzt, Völkerschaften hast du
Schaden zugefügt, aber sie hast du ausgebreitet. 44,4 Denn
nicht durch ihr Schwert haben sie das Land in Besitz genommen, und nicht
ihr Arm hat ihnen geholfen; sondern deine Rechte und dein Arm und das Licht
deines Angesichts, weil du Wohlgefallen an ihnen hattest.
44,5 Du
selbst bist mein König, o Gott; gebiete die Rettungen Jakobs! 44,6
Durch dich werden wir niederstoßen unsere Bedränger; durch deinen
Namen werden wir zertreten, die gegen uns aufstehen. 44,7 Denn nicht
auf meinen Bogen vertraue ich, und mein Schwert wird mich nicht retten.
44,8
Denn du rettest uns von unseren Bedrängern, und unsere Hasser machst
du zuschanden. 44,9 In Gott rühmen wir uns den ganzen Tag,
und deinen Namen werden wir ewig preisen.
44,10 Doch du hast [uns] verworfen und in Schande gebracht und
zogst nicht aus mit unseren Heeren. 44,11 Du ließest uns zurückweichen
vor dem Bedränger, und die uns hassen, haben für sich geraubt.
44,12
Du gabst uns hin wie Schlachtvieh, und unter die Nationen hast du uns zerstreut.
44,13 Du verkauftest dein Volk um ein Geringes und hast keinen Gewinn
gemacht durch ihren Kaufpreis. 44,14 Du machtest uns unseren Nachbarn
zum Hohn, zu Spott und Schimpf denen, die uns umgeben.
44,15 Du
machtest uns zum Sprichwort unter den Nationen, zum Kopfschütteln
unter den Völkerschaften. 44,16 Den ganzen Tag ist meine Schande
vor mir, und Scham hat mir mein Gesicht bedeckt 44,17 wegen der
Stimme des Schmähers und Lästerers, angesichts des Feindes und
des Rachgierigen.
44,18 Dieses alles ist über uns gekommen,
doch wir hatten dich nicht vergessen, noch verraten deinen Bund. 44,19
Unser Herz ist nicht zurückgewichen, noch sind unsere Schritte abgebogen
von deinem Pfad, 44,20 daß du uns [so] zermalmt hast am Ort
der Schakale und uns bedeckt mit Finsternis.
44,21 Hätten wir
den Namen unseres Gottes vergessen und unsere Hände zu einem fremden
Gott ausgestreckt, 44,22 würde Gott das nicht erforschen? Denn
er erkennt die Geheimnisse des Herzens. 44,23 Ja, um deinetwillen
werden wir umgebracht den ganzen Tag, als Schlachtvieh werden wir angesehen.
44,24
Erwache! Warum schläfst du, Herr? Wache auf! Verwirf [uns] nicht auf
ewig! 44,25 Warum verbirgst du dein Angesicht, vergißt unser
Elend und unsere Bedrückung? 44,26 Denn unsere Seele ist in
den Staub gebeugt, unser Bauch klebt an der Erde. 44,27 Stehe auf,
uns zur Hilfe, und erlöse uns um deiner Güte willen!
Kapitel 45
45,1 Dem Chorleiter. Nach Schoschannim. Von den Söhnen Korachs.
Ein Maskil. Ein Liebeslied. 45,2 Es wallt mein Herz von gutem Wort.
Sagen will ich meine Gedichte dem König! Meine Zunge sei [wie] der
Griffel eines geschickten Schreibers!
45,3 Du bist schöner
als andere Menschen, Anmut ist ausgegossen über deine Lippen; darum
hat Gott dich gesegnet für ewig. 45,4 Gürte dein Schwert
um die Hüfte, du Held; deine Majestät und deine Pracht! 45,5
Und deine Pracht - sei stark, zieh aus für die Sache der Wahrheit
und der Sanftmut und der Gerechtigkeit; da lehre dich furchtbare Taten
deine Rechte. 45,6 Deine geschärften Pfeile - Völker fallen
unter dir - ins Herz der Feinde des Königs!
45,7 Dein Thron,
o Gott, ist immer und ewig, ein Zepter der Geradheit ist das Zepter deiner
Herrschaft. 45,8 Gerechtigkeit hast du geliebt und Gottlosigkeit
gehaßt: darum hat Gott, dein Gott, dich gesalbt mit Freudenöl
vor deinen Gefährten.
45,9 Myrrhe und Aloe, Kassia sind alle
deine Kleider; aus Palästen von Elfenbein erfreut dich Saitenspiel.
45,10
Königstöchter stehen da, mit deinen Kostbarkeiten [geschmückt];
die Königin steht zu deiner Rechten in Gold von Ofir. 45,11
Höre, Tochter, und sieh, und neige dein Ohr; und vergiß dein
Volk und deines Vaters Haus! 45,12 Und wird der König deine
Schönheit begehren, denn er ist dein Herr: so neige dich vor ihm!
45,13 Und die Tochter Tyrus [kommt] mit Geschenk, deine Gunst suchen
die Reichen im Volk. 45,14 Ganz herrlich ist die Königstochter
drinnen, von Goldgewebe ihr Gewand;
45,15 in buntgewebten Kleidern
wird sie zum König geführt; Jungfrauen ihr Gefolge, ihre Gefährtinnen,
sie werden zu dir hineingebracht.
45,16 Sie werden geführt
unter Freude und Jubel, sie ziehen ein in den Palast des Königs.
45,17
An die Stelle deiner Väter werden deine Söhne treten; als Oberste
wirst du sie einsetzen auf der ganzen Erde.
45,18 Ich will deinen
Namen bekannt machen durch alle Generationen; darum werden die Völker
dich preisen immer und ewig.
Kapitel 46
46,1 Dem Chorleiter. Von den Söhnen Korachs. Nach Alamoth.
Ein Lied. 46,2 Gott ist uns Zuflucht und Stärke, als Beistand
in Nöten reichlich zu finden. 46,3 Darum fürchten wir
uns nicht, wenn auch die Erde erbebte und die Berge mitten ins Meer wankten.
46,4
Mögen seine Wasser tosen und schäumen, die Berge erbeben durch
sein Aufbäumen!
46,5 Des Stromes Bäche erfreuen die Stadt Gottes, das Heiligtum
der Wohnungen des Höchsten. 46,6 Gott ist in ihrer Mitte, sie
wird nicht wanken; Gott wird ihr helfen früh am Morgen. 46,7
Nationen tobten, Königreiche wankten. Er ließ seine Stimme erschallen:
die Erde zerschmolz.
46,8 der HERR der Heerscharen ist mit uns,
eine Festung ist uns der Gott Jakobs.
46,9 Kommt, schaut die Großtaten des HERRN, der Entsetzen
verbreitet auf Erden! 46,10 Der Kriege beschwichtigt bis ans Ende
der Erde, Bogen zerbricht und Speere zerschlägt, Wagen mit Feuer verbrennt.
46,11
Laßt ab und erkennt, daß ich Gott bin; ich werde erhöht
sein unter den Nationen, erhöht auf der Erde. 46,12 Der HERR
der Heerscharen ist mit uns, eine Festung ist uns der Gott Jakobs.
Kapitel 47
47,1 Dem Chorleiter. Von den Söhnen Korachs. Ein Psalm.
47,2
Ihr Völker alle, klatscht in die Hände! Jauchzt Gott mit Jubelschall!
47,3
Denn der HERR, der Höchste, ist gefürchtet, ein großer
König über die ganze Erde. 47,4 Er unterwarf uns die Völker
und die Völkerschaften unter unsere Füße. 47,5 Er
erwählte für uns unser Erbe, den Stolz Jakobs, den er geliebt
hat.
47,6 Gott ist emporgestiegen unter Jauchzen, der HERR unter
Posaunenschall. 47,7 Singt Gott, singet, singt unserem König,
singet! 47,8 Denn Gott ist König der ganzen Erde; singt einen
Psalm! 47,9 Gott ist König geworden über die Nationen;
Gott hat sich auf seinen heiligen Thron gesetzt. 47,10 Die Edlen
der Völker haben sich versammelt [mit dem] Volk des Gottes Abrahams;
denn die Könige der Erde sind Gottes; er ist sehr erhaben.
Kapitel 48
48,1 Ein Lied. Ein Psalm. Von den Söhnen Korachs.
48,2
Groß ist der HERR und sehr zu loben in der Stadt unseres Gottes.
Sein heiliger Berg 48,3 ragt schön empor, eine Freude der ganzen
Erde; der Berg Zion, im äußersten Norden, die Stadt des großen
Königs. 48,4 Gott ist in ihren Palästen, bekannt als Zuflucht.
48,5
Denn siehe, die Könige hatten sich verabredet, waren herangezogen
miteinander. 48,6 Sie sahen, da staunten sie; sie wurden bestürzt,
[von Angst] fortgetrieben. 48,7 Zittern ergriff sie dort, Wehen
wie die Gebärende. 48,8 Durch den Ostwind zertrümmerst
du die Tarsisschiffe. 48,9 Wie wir gehört haben, so haben wir
es gesehen in der Stadt des HERRN der Heerscharen, in der Stadt unseres
Gottes; Gott wird sie fest gründen bis in Ewigkeit.
48,10 Wir haben nachgedacht, o Gott, über deine Gnade im
Innern deines Tempels. 48,11 Wie dein Name, Gott, so ist dein Ruhm
bis an die Enden der Erde; mit Gerechtigkeit ist gefüllt deine Rechte.
48,12
Es freue sich der Berg Zion, es sollen frohlocken die Töchter Judas
über deine Gerichte! 48,13 Zieht rund um Zion und umkreist
ihn, zählt seine Türme; 48,14 richtet euer Herz auf seine
Wälle, mustert seine Paläste, damit ihr erzählt dem künftigen
Geschlecht: 48,15 Ja, dieser ist Gott, unser Gott immer und ewig!
Er wird uns leiten.
Kapitel 49
49,1 Dem Chorleiter. Von den Söhnen Korachs. Ein Psalm.
49,2
Hört dies, ihr Völker alle; nehmt es zu Ohren, alle Bewohner
der Welt; 49,3 Söhne der Einfachen wie der Vornehmen, Reiche
und Arme miteinander! 49,4 Mein Mund soll Weisheit reden, und das
Sinnen meines Herzens ist Einsicht.
49,5 Mein Ohr will ich zu einem
Spruch neigen, mein Rätsel auflösen zur Zither. 49,6 Warum
sollte ich mich fürchten in Tagen des Übels, wenn die Sünde
derer, die mich hintergehen, mich umringt? 49,7 Sie vertrauen auf
ihr Vermögen und rühmen sich der Größe ihres Reichtums.
49,8
Niemals kann ein Mann seinen Bruder loskaufen, nicht kann er Gott sein
Lösegeld geben, 49,9 - denn [zu] kostbar ist das Kaufgeld für
ihre Seele, und er muß davon ablassen auf ewig, - 49,10 daß
er fortlebe immer, die Grube nicht sehe. 49,11 Denn man sieht: die
Weisen sterben, der Tor und der Unvernünftige kommen miteinander um,
und sie lassen anderen ihr Vermögen. 49,12 Ihr Gedanke [ist,
daß] ihre Häuser in Ewigkeit [stehen], ihre Wohnung von Geschlecht
zu Geschlecht; sie hatten Ländereien nach ihren Namen benannt. 49,13
Doch der Mensch, der im Ansehen ist, bleibt nicht; er gleicht dem Vieh,
das vertilgt wird. 49,14 Dies ist ihr Weg, [der Weg] derer, die
unerschütterlich sind, und ihr Ende, [das Ende derer,] die Gefallen
finden an ihren Worten:
49,15 Wie Schafe weidet sie der Tod, sie sinken zum Scheol hinab;
und am Morgen herrschen die Aufrichtigen über sie; ihre Gestalt zerfällt,
der Scheol ist ihre Wohnung. 49,16 Gott aber wird meine Seele erlösen
von der Gewalt des Scheols; denn er wird mich entrücken.
49,17 Fürchte dich nicht, wenn ein Mann sich bereichert,
wenn sich vergrößert die Pracht seines Hauses. 49,18
Denn bei seinem Tod nimmt er das alles nicht mit; seine Pracht folgt ihm
nicht hinab. 49,19 Wenn er auch in seinem Leben seine Seele segnet,
- und man preist dich, wenn du es dir gutgehen läßt - 49,20
so kommt sie doch zum Geschlecht seiner Väter, die nie mehr das Licht
sehen. 49,21 Der Mensch, der im Ansehen ist, hat keine Einsicht,
er gleicht dem Vieh, das vertilgt wird.
Kapitel 50
50,1 Ein Psalm. Von Asaf. Gott, Gott, der HERR, hat geredet und
die Erde gerufen, vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.
50,2
Aus Zion, der Schönheit Vollendung, ist Gott hervorgestrahlt. 50,3
Unser Gott kommt, und er wird nicht schweigen; Feuer frißt vor ihm
her, und rings um ihn stürmt es gewaltig. 50,4 Er ruft dem
Himmel droben und der Erde zu, um sein Volk zu richten: 50,5 `Versammelt
mir meine Frommen, die meinen Bund geschlossen haben beim Opfer! 50,6
Und die Himmel verkünden seine Gerechtigkeit, daß Gott Richter
ist, er selbst.
50,7 `Höre, mein Volk, und ich will reden, Israel, und
ich will dich verwarnen! Ich bin Gott, dein Gott. 50,8 Nicht wegen
deiner Schlachtopfer tadle ich dich, auch deine Brandopfer sind beständig
vor mir. 50,9 Ich nehme keinen Jungstier aus deinem Haus, noch Böcke
aus deinen Hürden. 50,10 Denn mein ist alles Getier des Waldes,
das Vieh auf tausend Bergen.
50,11 Ich kenne alle Vögel der
Berge, und was sich tummelt im Feld, ist mir bekannt. 50,12 Wenn
mich hungerte, ich würde es dir nicht sagen; denn mein ist die Welt
und ihre Fülle. 50,13 Sollte ich das Fleisch von Stieren essen
und das Blut von Böcken trinken? 50,14 Opfere Gott Dank, und
erfülle dem Höchsten deine Gelübde;
50,15 und rufe
mich an am Tag der Not; ich will dich erretten, und du wirst mich verherrlichen!
50,16
Zu dem Gottlosen aber spricht Gott: `Was hast du meine Ordnungen herzusagen
und nimmst meinen Bund in deinen Mund? 50,17 Du hast ja die Zucht
gehaßt und meine Worte hinter dich geworfen. 50,18 Sahst du
einen Dieb, so befreundetest du dich mit ihm, und mit Ehebrechern hattest
du Gemeinschaft. 50,19 Deinen Mund schicktest du los zum Bösen,
und deine Zunge spannte Betrug davor. 50,20 Du saßest da,
redetest gegen deinen Bruder, gegen den Sohn deiner Mutter stießest
du Schmähung aus. 50,21 Das hast du getan, und ich schwieg;
du dachtest, ich sei ganz wie du. Ich werde dich zurechtweisen und es dir
vor Augen stellen. 50,22 Merket doch dies, die ihr Gott vergeßt,
damit ich nicht zerreiße, und keiner kann retten! 50,23 Wer
Dank opfert, verherrlicht mich und bahnt einen Weg; ihn werde ich das Heil
Gottes sehen lassen.
Kapitel 51
51,1 Dem Chorleiter. Ein Psalm. Von David. 51,2 Als der Prophet
Nathan zu ihm kam, nachdem er zu Batseba eingegangen war. 51,3 Sei
mir gnädig, o Gott, nach deiner Gnade; tilge meine Vergehen nach der
Größe deiner Barmherzigkeit!
51,4 Wasche mich völlig
von meiner Schuld, und reinige mich von meiner Sünde! 51,5
Denn ich erkenne meine Vergehen, und meine Sünde ist stets vor mir.
51,6
Gegen dich, gegen dich allein habe ich gesündigt und getan, was böse
ist in deinen Augen; damit du im Recht bist mit deinem Reden, rein erfunden
in deinem Richten. 51,7 Siehe, in Schuld bin ich geboren, und in
Sünde hat mich meine Mutter empfangen. 51,8 Siehe, du hast
Lust an der Wahrheit im Innern, und im Verborgenen wirst du mir Weisheit
kundtun. 51,9 Entsündige mich mit Ysop, und ich werde rein
sein; wasche mich, und ich werde weißer sein als Schnee. 51,10
Laß mich Fröhlichkeit und Freude hören, so werden die Gebeine
frohlocken, die du zerschlagen hast. 51,11 Verbirg dein Angesicht
vor meinen Sünden, und tilge alle meine Schuld! 51,12 Erschaffe
mir, Gott, ein reines Herz, und erneuere in mir einen festen Geist! 51,13
Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und den Geist deiner Heiligkeit
nimm nicht von mir! 51,14 Laß mir wiederkehren die Freude
deines Heils, und stütze mich mit einem willigen Geist! 51,15
Lehren will ich die [von dir] Abgefallenen deine Wege, daß die Sünder
zu dir umkehren. 51,16 Errette mich von Blutschuld, Gott, du Gott
meines Heils, so wird meine Zunge deine Gerechtigkeit jubelnd preisen.
51,17
Herr, tue meine Lippen auf, daß mein Mund dein Lob verkünde.
51,18
Denn du hast keine Lust am Schlachtopfer, sonst gäbe ich es; Brandopfer
gefällt dir nicht. 51,19 Die Opfer Gottes sind ein zerbrochener
Geist; ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten.
51,20 Tue Zion Gutes in deiner Gunst, baue die Mauern Jerusalems!
51,21 Dann wirst du Lust haben an rechten Opfern, Brandopfern und
Ganzopfern; dann wird man Stiere darbringen auf deinem Altar.
Kapitel 52
52,1 Dem Chorleiter. Ein Maskil. Von David. 52,2 Als Doeg,
der Edomiter, kam und dem Saul berichtete und ihm sagte: David ist in das
Haus Ahimelechs gekommen. 52,3 Was rühmst du dich der Bosheit,
du Gewaltiger? Die Gnade Gottes [währt] den ganzen Tag. 52,4
Verderben plant deine Zunge, wie ein geschliffenes Schermesser, [du] Lügner.
52,5
Du hast das Böse mehr geliebt als das Gute, die Lüge mehr als
gerechtes Reden.
52,6 Du hast alle Worte des Verderbens geliebt, [du] betrügerische
Zunge! 52,7 Gott wird dich auch zerstören für immer; er
wird dich niederschlagen und herausreißen aus dem Zelt und entwurzeln
aus dem Land der Lebendigen.
52,8 Und sehen werden es die Gerechten und sich fürchten,
und sie werden über ihn lachen: 52,9 `Siehe, der Mann machte
nicht Gott zu seinem Schutz, sondern vertraute auf die Größe
seines Reichtums, durch sein Schadentun war er stark! 52,10 Ich
aber bin wie ein grüner Olivenbaum im Hause Gottes; ich vertraue auf
die Gnade Gottes immer und ewig.
52,11 Ich werde dich ewig preisen,
weil du es getan hast; und auf deinen Namen - denn er ist gut - werde ich
harren vor deinen Frommen.
Kapitel 53
53,1 Dem Chorleiter. Al-Machalath. Ein Maskil. Von David.
53,2
Der Tor spricht in seinem Herzen: `Es ist kein Gott! Sie haben Verderben
angerichtet und abscheuliches Unrecht geübt; da ist keiner, der Gutes
tut. 53,3 Gott hat vom Himmel herabgeschaut auf die Menschenkinder,
um zu sehen, ob ein Verständiger da ist, einer, der Gott sucht. 53,4
Alle sind abgewichen, sie sind alle verdorben; da ist keiner, der Gutes
tut, auch nicht einer. 53,5 Haben denn keine Erkenntnis, die Böses
tun, die mein Volk fressen, als äßen sie Brot? Gott rufen sie
nicht an. 53,6 Da überfiel sie Schrecken, ohne daß ein
Schrecken da war; denn Gott hat zerstreut die Gebeine dessen, der dich
bedrängt. Du hast sie zuschanden werden lassen, denn Gott hat sie
verworfen. 53,7 O kämen doch aus Zion die Rettungen für
Israel! Wenn Gott die Gefangenschaft seines Volkes wendet, wird Jakob jubeln,
Israel sich freuen.
Kapitel 54
54,1 Dem Chorleiter. Mit Saitenspiel. Ein Maskil. Von David.
54,2
Als die Sifiter kamen und zu Saul sprachen: Hält sich David nicht
bei uns verborgen? 54,3 Gott, durch deinen Namen rette mich, und
schaffe mir Recht durch deine Macht! 54,4 Gott, höre mein Gebet,
nimm zu Ohren die Reden meines Mundes!
54,5 Denn Fremde sind gegen
mich aufgestanden, und Gewalttätige trachten nach meinem Leben; sie
haben Gott nicht vor sich gestellt.
54,6 Siehe, Gott ist mir ein Helfer; der Herr ist der, der meine
Seele stützt. 54,7 Er wird das Böse zurücklenken
auf meine Feinde; nach deiner Treue bringe sie zum Schweigen! 54,8
Opfern will ich dir aus freiem Antrieb; deinen Namen will ich preisen,
HERR, denn er ist gut. 54,9 Denn aus aller Not hat er mich errettet,
so daß mein Auge auf meine Feinde [herab]sieht.
Kapitel 55
55,1 Dem Chorleiter. Mit Saitenspiel. Ein Maskil. Von David.
55,2
Nimm zu Ohren, o Gott, mein Gebet, und verbirg dich nicht vor meinem Flehen!
55,3 Horche auf mich und antworte mir! Ich irre umher in meiner
Klage und muß stöhnen 55,4 vor der Stimme des Feindes,
vor der Bedrückung des Gottlosen; denn sie wälzen Unheil auf
mich, und im Zorn feinden sie mich an. 55,5 Mein Herz bebte in meinem
Innern, und Todesschrecken haben mich befallen. 55,6 Furcht und
Zittern kamen mich an, und Schauder bedeckte mich. 55,7 Und ich
sprach: Hätte ich doch Flügel wie die Taube, ich wollte hinfliegen
und ruhen. 55,8 Siehe, weithin entflöhe ich, würde nächtigen
in der Wüste.
55,9 Ich wollte eilen, daß ich Zuflucht hätte vor
dem heftigen Wind, vor dem Sturm. 55,10 Verwirre, Herr, spalte ihre
Zunge! denn Gewalttat und Streit habe ich in der Stadt gesehen. 55,11
Tag und Nacht machen sie die Runde um sie auf ihren Mauern; und Unheil
und Mühsal sind in ihrer Mitte.
55,12 Verderben ist in ihrer
Mitte, und Bedrückung und Betrug weichen nicht von ihrem [Markt-]
Platz. 55,13 Denn nicht ein Feind höhnt mich, sonst würde
ich es ertragen; nicht mein Hasser hat großgetan gegen mich, sonst
würde ich mich vor ihm verbergen; 55,14 sondern du, ein Mensch
meinesgleichen, mein Freund und mein Vertrauter, 55,15 die wir die
Süße der Gemeinschaft miteinander erlebten, ins Haus Gottes
gingen in [festlicher] Unruhe! 55,16 Der Tod überrasche sie,
lebendig mögen sie hinabfahren in den Scheol; denn Bosheiten sind
in ihrer Wohnung, in ihrem Innern.
55,17 Ich aber, ich rufe zu Gott,
und der HERR hilft mir.
55,18 Abends und morgens und mittags klage
und stöhne ich; und er hat meine Stimme gehört. 55,19
Er hat meine Seele zum Frieden erlöst, daß sie mir nicht nahen
können; denn mit vielen sind sie gegen mich gewesen. 55,20
Hören wird Gott und sie unterdrücken - er thront ja von alters
her;
weil es keine Zuverlässigkeit bei ihnen gibt und sie Gott nicht
fürchten. 55,21 Er hat ausgestreckt seine Hände gegen
seine Friedensbeschlüsse, entweiht hat er seinen Bund.
55,22
Glatter als weiche Butter ist sein Mund, und Feindschaft ist sein Herz;
geschmeidiger als Öl sind seine Worte, aber sie sind gezogene Schwerter.
55,23
Wirf auf den HERRN deine Last, und er wird dich erhalten; er wird nimmermehr
zulassen, daß der Gerechte wankt. 55,24 Und du, Gott, wirst
sie hinabstürzen in den Brunnen der Grube; die Männer des Blutes
und des Betruges werden ihre Tage nicht zur Hälfte bringen. Ich aber
will auf dich vertrauen.
Kapitel 56
56,1 Dem Chorleiter. Nach: `Die Taube der fernen Inseln. Von David.
Ein Miktam. Als die Philister ihn zu Gat ergriffen.
56,2 Sei mir
gnädig, o Gott! - denn es stellen mir Menschen nach; den ganzen Tag
bedrängt mich ein Streitender.
56,3 Meine Feinde stellen [mir]
den ganzen Tag nach, ja, viele bekämpfen mich von oben herab. 56,4
[An dem] Tag, [da] ich mich fürchte - ich, ich vertraue auf dich.
56,5
Auf Gott - sein Wort rühme ich - auf Gott vertraue ich, ich werde
mich nicht fürchten; was sollte Fleisch mir tun? 56,6 Den ganzen
Tag tadeln sie meine Worte, alle ihre Gedanken sind gegen mich zum Bösen.
56,7
Sie greifen an, verstecken sich, sie beobachten meine Fersen, weil sie
meiner Seele auflauern. 56,8 [Sollte] es bei ihrer Bosheit Rettung
für sie [geben]? Im Zorn stürze die Völker nieder, o Gott!
56,9 Meine Heimatlosigkeit hast du abgemessen. Gieße meine
Tränen in deinen Schlauch! [Stehen sie] nicht in deinem Verzeichnis?
56,10
Dann werden meine Feinde ablassen - an dem Tag, da ich rufe; dieses habe
ich erkannt, daß Gott für mich ist. 56,11 Auf Gott -
[sein] Wort rühme ich - auf den HERRN - [sein] Wort rühme ich
- 56,12 auf Gott vertraue ich, ich werde mich nicht fürchten;
was kann ein Mensch mir tun? 56,13 Auf mir [liegen], o Gott, deine
Gelübde, ich werde dir Dankopfer einlösen. 56,14 Denn
du hast meine Seele vom Tod errettet, ja, meine Füße vom Sturz,
daß ich wandle vor dem Angesicht Gottes im Licht der Lebendigen.
Kapitel 57
57,1 Dem Chorleiter. [Nach der Melodie:] `Verdirb nicht! Von David.
Ein Miktam. Als er vor Saul in die Höhle floh.
57,2 Sei mir
gnädig, o Gott, sei mir gnädig! Denn bei dir birgt sich meine
Seele. Im Schatten deiner Flügel berge ich mich, bis vorübergezogen
das Verderben. 57,3 Ich rufe zu Gott, dem Höchsten, zu dem
Gott, der es für mich vollendet. 57,4 Er sende vom Himmel und
rette mich; gehöhnt hat der, der mir nachstellt.
Gott sende seine Gnade und seine Wahrheit, [er errette] meine Seele.
57,5
Mitten unter Löwen liege ich, die Menschen verschlingen. Ihre Zähne
sind Speer und Pfeile, und ihre Zunge ist ein scharfes Schwert. 57,6
Erhebe dich über die Himmel, o Gott, über der ganzen Erde [sei]
deine Herrlichkeit!
57,7 Ein Netz haben sie meinen Schritten gestellt,
er hat meine Seele gebeugt. Sie haben vor mir eine Grube gegraben, sie
sind mitten hineingefallen.
V. 8-12: Ps 108,2-6.
57,8 Gefestigt ist mein Herz, o Gott, gefestigt ist mein Herz!
Ich will singen und spielen. 57,9 Wache auf, meine Seele! Wachet
auf, Harfe und Zither! Ich will aufwecken die Morgenröte.
57,10
Ich will dich preisen unter den Völkern, Herr, will dich besingen
unter den Völkerschaften. 57,11 Denn groß bis zu den
Himmeln ist deine Gnade, und bis zu den Wolken deine Wahrheit. 57,12
Erhebe dich über die Himmel, o Gott, über der ganzen Erde [sei]
deine Herrlichkeit!
Kapitel 58
58,1 Dem Chorleiter. [Nach der Melodie:] `Verdirb nicht! Von David.
Ein Miktam. 58,2 Redet ihr wirklich Gerechtigkeit, Götter?
Richtet ihr in Geradheit die Menschenkinder? 58,3 Sogar im Herzen
übt ihr Ungerechtigkeiten; der Gewalttat eurer Hände brecht ihr
Bahn im Land. 58,4 Abgewichen sind die Gottlosen von Mutterschosse
an, es irren von Mutterleibe an die Lügenredner. 58,5 Gift
haben sie gleich Schlangengift, wie eine taube Kobra, die ihr Ohr verschließt,
58,6
daß sie nicht hört auf die Stimme der Beschwörer, des Zauberers,
der die Zaubersprüche beherrscht. 58,7 Zerschmettere, o Gott,
ihre Zähne in ihrem Maul, brich aus das Gebiß der Junglöwen,
HERR! 58,8 Sie sollen zergehen wie Wasser, die verrinnen! Legt er
seine Pfeile an, [so seien sie] wie abgeknickt. 58,9 Wie die Schnecke
zerschmelzend dahingeht, eines Weibes Fehlgeburt, welche nie die Sonne
erblickt!
58,10 Bevor eure Töpfe den Dornstrauch merken - ob
grün oder Glut, er wird ihn fortwirbeln! 58,11 Freuen wird
sich der Gerechte, wenn er die Rache anschaut; er watet im Blut des Gottlosen.
58,12
Und der Mensch soll sagen: Es gibt doch Lohn für den Gerechten; es
gibt doch einen Gott, der auf Erden richtet.
Kapitel 59
59,1 Dem Chorleiter. [Nach der Melodie:] `Verdirb nicht! Von David.
Ein Miktam. Als Saul sandte und sie das Haus bewachten, um ihn zu töten.
59,2
Befreie mich von meinen Feinden, mein Gott! Bring mich in Sicherheit vor
denen, die sich gegen mich erheben! 59,3 Befreie mich von denen,
die Böses tun, und rette mich von den Blutmenschen! 59,4 Denn
siehe, sie lauern auf meine Seele; Starke greifen mich an, ohne mein Vergehen
und ohne meine Sünde, HERR! 59,5 Ohne eine Schuld [meinerseits]
laufen sie an und gehen in Stellung; wache auf, mir entgegen, und sieh!
59,6
Und du, HERR, Gott der Heerscharen, Gott Israels, erwache, heimzusuchen
alle Nationen! Sei keinem gnädig von den treulos Frevelnden!
59,7 Am Abend kehren sie wieder, heulen wie Hunde und umkreisen
die Stadt. 59,8 Siehe, sie lassen ihren Mund Böses reden, Schwerter
[sind] auf ihren Lippen - denn [sie denken]: `wer hört? 59,9
Du aber, HERR, wirst über sie lachen, spotten über alle Nationen.
59,10
Meine Stärke, auf dich will ich achten; denn Gott ist meine Festung.
59,11 Mein gnädiger Gott wird mir zuvorkommen; Gott wird mich
[herab] sehen lassen auf meine Feinde. 59,12 Töte sie nicht,
damit mein Volk es nicht vergesse; laß sie umherirren durch deine
Macht, und stürze sie nieder, Herr, unser Schild! 59,13 Sünde
ihres Mundes ist das Wort ihrer Lippen; so laß sie gefangen werden
in ihrem Hochmut und wegen des Fluches und wegen der Lüge, die sie
aussprechen! 59,14 Vertilge im Zorn, vertilge, daß sie nicht
mehr sind. Dann wird man erkennen, daß Gott in Jakob herrscht bis
an die Enden der Erde!
59,15 Und am Abend kehren sie wieder, heulen wie Hunde und umkreisen
die Stadt. 59,16 Sie schweifen umher nach Speise; wenn sie nicht
satt werden, knurren sie. 59,17 Ich aber will singen von deiner
Stärke und am Morgen jubelnd preisen deine Gnade; denn du bist mir
eine Festung gewesen und eine Zuflucht am Tag meiner Not. 59,18
Meine Stärke, dir will ich spielen; denn Gott ist meine Festung, der
Gott meiner Gnade.
Kapitel 60
60,1 Dem Chorleiter. Nach Schuschan. Ein Zeugnis. Ein Miktam. Von
David. Zum Lehren. 60,2 Als er stritt mit den Syrern von Mesopotamien
und mit den Syrern von Zoba, und Joab zurückkehrte und die Edomiter
im Salztal schlug, zwölftausend Mann. 60,3 Gott, du hast uns
verworfen, hast uns zerstreut; du bist zornig gewesen - stelle uns wieder
her! 60,4 Du hast das Land erschüttert, hast es zerrissen;
heile seine Risse, denn es wankt! 60,5 Du hast dein Volk Hartes
sehen lassen, mit Taumelwein hast du uns getränkt. 60,6 Denen,
die dich fürchten, hast du ein Signal gegeben, daß sie fliehen
[können] vor den Bogen.
V. 7-14: Ps 108,7-14.
60,7 Damit deine Geliebten befreit werden, hilf durch deine Rechte
und erhöre mich! 60,8 Gott hat geredet in seinem Heiligtum:
`Frohlocken will ich, will Sichem verteilen und das Tal Sukkot ausmessen.
60,9
Mein ist Gilead und mein Manasse, und Ephraim ist die Bergfestung meines
Hauptes, Juda mein Herrscherstab.
60,10 Moab ist mein Waschbecken,
auf Edom will ich meine Sandale werfen; Philistäa, jauchze mir zu!
60,11
Wer wird mich führen in die feste Stadt, wer wird mich leiten bis
nach Edom? 60,12 Hast du, Gott, uns nicht verworfen? Du ziehst nicht
aus, o Gott, mit unseren Heeren. 60,13 Schaffe uns Hilfe vor dem
Bedränger! Menschenhilfe ist ja wertlos. 60,14 Mit Gott werden
wir mächtige Taten tun; und er, er wird unsere Bedränger zertreten.
Kapitel 61
61,1 Dem Chorleiter. Auf Saitenspiel. Von David. 61,2 Höre,
Gott, mein Schreien, horche auf mein Gebet! 61,3 Vom Ende der Erde
rufe ich zu dir, weil mein Herz verzagt; du wollest mich auf den Felsen
leiten, der mir zu hoch ist. 61,4 Denn du bist mir eine Zuflucht
geworden, ein starker Turm vor dem Feind. 61,5 Ich möchte weilen
in deinem Zelt in Ewigkeit, mich bergen im Schutz deiner Flügel.
61,6 Denn du, Gott, hast auf meine Gelübde gehört,
hast [mir] gegeben das Erbteil derer, die deinen Namen fürchten.
61,7
Du wirst Tage zu den Tagen des Königs hinzufügen; seine Jahre
mögen sein wie Geschlecht auf Geschlecht. 61,8 Er möge
ewig thronen vor dem Angesicht Gottes. Bestelle Gnade und Treue, daß
sie ihn behüten! 61,9 So werde ich deinen Namen besingen immerdar;
um [damit] meine Gelübde zu erfüllen Tag für Tag.
Kapitel 62
62,1 Dem Chorleiter. Nach Jedutun. Ein Psalm. Von David.
62,2
Nur auf Gott vertraut still meine Seele, von ihm kommt meine Hilfe. 62,3
Nur er ist mein Fels und meine Hilfe, meine Festung; ich werde kaum wanken.
62,4
Wie lange wollt ihr einen Mann bestürmen, morden ihr alle - wie eine
überhängende Wand, eine eingestoßene Mauer?
62,5
Sie planen nur, ihn von seiner Höhe zu stoßen; sie finden Gefallen
an der Lüge; mit ihrem Mund segnen sie, doch in ihrem Innern fluchen
sie.
62,6 Nur auf Gott vertraue still meine Seele, denn von ihm kommt
meine Hoffnung. 62,7 Nur er ist mein Fels und meine Hilfe, meine
Festung; ich werde nicht wanken. 62,8 Auf Gott ruht mein Heil und
meine Ehre; der Fels meiner Stärke, meine Zuflucht ist in Gott. 62,9
Vertraut auf ihn allezeit, Leute! Schüttet euer Herz vor ihm aus!
Gott ist unsere Zuflucht.
62,10 Nur Hauch sind die Menschensöhne, Lüge die Herrensöhne.
Auf der Waagschale steigen sie empor, sie sind allesamt leichter als ein
Hauch. 62,11 Vertraut nicht auf Erpressung, und betrügt euch
nicht durch Raub; wenn der Reichtum wächst, richtet euer Herz nicht
darauf! 62,12 Eines hat Gott geredet, zwei [Dinge] sind es, die
ich gehört, daß die Macht bei Gott ist 62,13 und dein,
o Herr, die Gnade; denn du, du vergiltst jedem nach seinem Werk.
Kapitel 63
63,1 Ein Psalm. Von David. Als er in der Wüste Juda war. 63,2
Gott, mein Gott bist du; nach dir suche ich. Es dürstet nach dir meine
Seele, nach dir schmachtet mein Fleisch in einem dürren und erschöpften
Land ohne Wasser.
63,3 So schaue ich im Heiligtum nach dir, um deine
Macht und deine Herrlichkeit zu sehen. 63,4 Denn deine Gnade ist
besser als Leben; meine Lippen werden dich rühmen. 63,5 So
werde ich dich preisen während meines Lebens, meine Hände in
deinem Namen aufheben. 63,6 Wie von Mark und Fett wird meine Seele
gesättigt werden, und mit jubelnden Lippen wird mein Mund loben, 63,7
wenn ich deiner gedenke auf meinem Lager, über dich nachdenke in den
Nachtwachen. 63,8 Denn du bist mir zur Hilfe geworden, und im Schatten
deiner Flügel kann ich jubeln. 63,9 Meine Seele hängt
an dir, deine Rechte hält mich aufrecht. 63,10 Jene aber, die
[mir] zum Verderben nach meinem Leben trachten, werden in die Tiefen der
Erde hinsinken. 63,11 Man wird sie der Gewalt des Schwertes preisgeben,
das Teil der Schakale werden sie sein. 63,12 Und der König
wird sich freuen in Gott; jeder darf sich rühmen, der bei ihm schwört;
denn der Mund der Lügenredner wird verstopft werden.
Kapitel 64
64,1 Dem Chorleiter. Ein Psalm. Von David. 64,2 Höre,
Gott, meine Stimme in meiner Klage; behüte mein Leben vor dem Schrecken
des Feindes! 64,3 Verbirg mich vor der Verschwörung der Übeltäter,
vor dem Aufruhr derer, die Böses tun! 64,4 Die ihre Zunge gleich
einem Schwert geschärft, bitteres Wort als ihren Pfeil angelegt haben,
64,5
um im Versteck auf den Unschuldigen zu schießen, plötzlich schießen
sie auf ihn und scheuen sich nicht.
64,6 Sie stärken sich in
böser Sache; sie reden davon, Fallstricke zu verbergen; sie sagen:
`Wer wird sie sehen?
64,7 Sie denken Schlechtigkeiten aus: `Wir
sind fertig. Der Plan ist ausgedacht. Und das Innere eines jeden und [sein]
Herz ist unergründlich. 64,8 Aber Gott schießt auf sie
einen Pfeil, plötzlich sind ihre Wunden da. 64,9 Und sie brachten
ihn zum Straucheln, [doch] ihre Zunge [kommt] über sie; alle, die
auf sie sehen, schütteln sich. 64,10 Da fürchteten sich
alle Menschen und verkündeten das Tun Gottes und verstanden sein Werk.
64,11 Der Gerechte wird sich am HERRN freuen und sich bei ihm bergen;
und alle von Herzen Aufrichtigen werden sich rühmen.
Kapitel 65
65,1 Dem Chorleiter. Ein Psalm. Von David. Ein Lied. 65,2
Dir [gilt] Stille, Lobgesang, o Gott, in Zion, und dir soll man das Gelübde
erfüllen. 65,3 Hörer des Gebets, zu dir wird alles Fleisch
kommen. 65,4 Sündige Taten haben mich überwältigt;
unsere Vergehen, du wirst sie vergeben. 65,5 Glücklich, den
du erwählst und nahen läßt, daß er wohne in deinen
Vorhöfen! Wir werden gesättigt werden mit dem Gut deines Hauses,
dem Heiligen deines Tempels. 65,6 Du wirst uns furchtbare Dinge
in Gerechtigkeit antworten, Gott unseres Heils, du Zuversicht aller Enden
der Erde und des fernen Meeres, 65,7 der die Berge festigt durch
seine Kraft, umgürtet ist mit Macht,
65,8 der das Brausen der
Meere besänftigt, das Brausen ihrer Wellen und das Getümmel der
Völker. 65,9 Und so fürchten sich die Bewohner der Enden
[der Erde] vor deinen Zeichen; die Aufgänge des Morgens und des Abends
läßt du jauchzen. 65,10 Du hast das Land heimgesucht
und es überschüttet, du bereicherst es sehr: Gottes Bach ist
voll Wasser. Du bereitest ihnen Getreide, wenn du [das Land] so bereitest:
65,11
Du tränkst seine Furchen, ebnest seine Schollen, du erweichst es mit
Regengüssen, segnest sein Gewächs. 65,12 Du hast das Jahr
deiner Güte gekrönt, und deine Spuren triefen von Fett.
65,13
Es triefen die Weideplätze der Steppe, und mit Jubel umgürten
sich die Hügel. 65,14 Die Weiden bekleiden sich mit Herden,
und die Täler bedecken sich mit Korn; sie jauchzen, ja, sie singen!
Kapitel 66
66,1 Dem Chorleiter. Ein Lied. Ein Psalm. Jauchzt Gott, alle Welt!
66,2
Besingt die Herrlichkeit seines Namens, macht herrlich sein Lob! 66,3
Sprecht zu Gott: Wie furchtbar sind deine Werke! Wegen der Größe
deiner Macht werden dir deine Feinde [Ergebung] heucheln.
66,4 Die
ganze Erde wird dich anbeten und dir Psalmen singen; sie wird deinen Namen
besingen.
66,5 Kommt und seht die Großtaten Gottes! Furchtbar ist
[sein] Tun gegenüber den Menschenkindern. 66,6 Er wandelte
das Meer in trockenes Land: durch den Strom gehen sie hinüber zu Fuß.
Dort haben wir uns an ihm gefreut.
66,7 Durch seine Macht herrscht
er auf ewig; seine Augen beobachten die Nationen, daß die Widerspenstigen
sich nicht erheben.
66,8 Preist, ihr Völker, unseren Gott, und laßt hören
den Klang seines Lobes; 66,9 der unsere Seele zum Leben bringt und
nicht zugelassen hat, daß unsere Füße wankten! 66,10
Denn du hast uns geprüft, Gott, du hast uns geläutert, wie man
Silber läutert. 66,11 Du hast uns ins Netz gehen lassen, hast
eine drückende Last auf unsere Hüften gelegt. 66,12 Du
hast Menschen über unseren Kopf reiten lassen; wir sind ins Feuer
und ins Wasser gekommen, aber du hast uns herausgeführt zum Überfluß.
66,13
Ich will eingehen in dein Haus mit Brandopfern, will dir erfüllen
meine Gelübde, 66,14 zu denen sich meine Lippen aufgetan haben
und die mein Mund ausgesprochen hat in meiner Not. 66,15 Brandopfer
von Mastvieh will ich dir opfern zusammen mit Opferrauch von Widdern; Rinder
mit Böcken will ich zubereiten.
66,16 Kommt, hört zu, alle, die ihr Gott fürchtet,
daß ich erzähle, was er an meiner Seele getan hat.
66,17
Zu ihm rief ich mit meinem Munde, und Erhebung [seines Namens] war unter
meiner Zunge. 66,18 Wenn ich es in meinem Herzen auf Frevel abgesehen
hätte, so würde der Herr nicht hören. 66,19 Doch
Gott hat gehört, er hat geachtet auf die Stimme meines Gebets. 66,20
Gepriesen sei Gott, der nicht verworfen hat mein Gebet noch seine Gnade
von mir [zurückzieht]!
Kapitel 67
67,1 Dem Chorleiter. Mit Saitenspiel. Ein Psalm. Ein Lied.
67,2
Gott sei uns gnädig und segne uns, er lasse sein Angesicht leuchten
über uns,
67,3 daß man auf der Erde erkenne deinen Weg, unter allen
Nationen deine Hilfe! 67,4 Es sollen dich preisen die Völker,
Gott; es sollen dich preisen die Völker alle. 67,5 Es sollen
sich freuen und jubeln die Völkerschaften; denn du wirst die Völker
richten in Geradheit, und die Völkerschaften auf der Erde - du wirst
sie leiten.
67,6 Es sollen dich preisen die Völker, Gott; es sollen
dich preisen die Völker alle. 67,7 Die Erde gibt ihren Ertrag;
Gott, unser Gott, wird uns segnen. 67,8 Gott wird uns segnen, und
alle Enden der Erde werden ihn fürchten.
Kapitel 68
68,1 Dem Chorleiter. Von David. Ein Psalm. Ein Lied. 68,2
Gott wird sich erheben, es werden sich zerstreuen seine Feinde, und die
ihn hassen, werden fliehen vor seinem Angesicht. 68,3 Wie Rauch
auseinandergetrieben wird, so treibst du [sie] auseinander; wie Wachs vor
dem Feuer zerschmilzt, so werden die Gottlosen umkommen vor dem Angesicht
Gottes. 68,4 Aber freuen werden sich die Gerechten, sie werden frohlocken
vor dem Angesicht Gottes und jubeln in Freude. 68,5 Singt Gott,
spielt seinem Namen! Macht Bahn dem, der einherfährt durch die Wüsten.
Jah ist sein Name, und frohlockt vor ihm! 68,6 Ein Vater der Waisen
und ein Richter der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung. 68,7
Gott ist es, der Einsame zu Hause wohnen läßt, Gefangene hinausführt
ins Glück; Widerspenstige jedoch bleiben in der Dürre. 68,8
Gott, als du auszogst vor deinem Volk, als du einherschrittest durch die
Wüste,
68,9 bebte die Erde, auch troffen die Himmel vor Gott, dem vom
Sinai, vor Gott, dem Gott Israels. 68,10 Reichlich Regen gießt
du aus, Gott; dein Erbland - wenn es ermattet war, hast du selbst es wiederhergestellt.
68,11
Deine Schar ist darin seßhaft geworden; du sorgst in deiner Güte
für den Elenden, o Gott! 68,12 Der Herr erläßt einen
Ausspruch: `Siegesbotinnen, eine große Schar! 68,13 Die Könige
der Heere fliehen, sie fliehen! Und [auf der] Stätte des Hauses verteilt
[man] Beute: 68,14 - Wollt ihr zwischen den Hürden liegen?
- Die Flügel einer Taube, mit Silber überzogen und ihre Schwungfedern
mit grüngelbem Gold. 68,15 Wenn der Allmächtige Könige
im Land zerstreut, schneit es auf dem Zalmon.
68,16 Ein Berg Gottes
ist der Berg Basans, ein gipfelreicher Berg ist der Berg Basans.
68,17
Warum lauert ihr neidisch, ihr gipfelreichen Berge, auf den Berg, den Gott
zu seinem Wohnsitz begehrt hat? Ja, der HERR wird [dort] wohnen für
immer. 68,18 Der Wagen Gottes sind zehntausendmal Tausende, - Erhabenheit!;
der Herr ist unter ihnen, Sinai im Heiligtum.
68,19 Du bist hinaufgestiegen
zur Höhe, du hast Gefangene weggeführt, hast Gaben empfangen
bei den Menschen; und sogar Widerspenstige [sind bereit], sich Jah, Gott,
zu unterwerfen. 68,20 Gepriesen sei der Herr Tag für Tag! Er
trägt für uns [Last], Gott ist unsere Rettung.
68,21 Gott ist uns ein Gott der Rettungen, und in der Macht
des HERRN, des Herrn, stehen die Auswege vom Tod. 68,22 Gewiß,
Gott wird zerschmettern das Haupt seiner Feinde, den Haarscheitel dessen,
der da wandelt in seinen Verschuldungen.
68,23 Der Herr sprach:
`Ich werde zurückbringen aus Basan, zurückbringen aus den Tiefen
des Meeres, 68,24 damit du deinen Fuß in Blut badest, die
Zunge deiner Hunde von den Feinden ihr Teil habe. 68,25 Gesehen
haben sie deine Umzüge, o Gott, die Umzüge meines Gottes, meines
Königs, ins Heiligtum. 68,26 Voran gingen Sänger, danach
Saitenspieler, inmitten tamburinschlagender Mädchen.
68,27
`Preist Gott in Versammlungen, den HERRN, die ihr aus dem Quell Israels
seid! 68,28 Da sind Benjamin, der Jüngste, ihr Herrscher, die
Obersten Judas, ihre lärmende Menge; die Obersten Sebulons, die Obersten
Naftalis. 68,29 Entbiete, Gott, deine Macht, Gottes Macht, die du
für uns gewirkt hast 68,30 von deinem Tempel über Jerusalem!
Könige werden dir Geschenke bringen. 68,31 Schilt das Tier
des Schilfs, die Schar der Starken mit den Kälbern der Völker;
tritt denen entgegen, die nach Silber rennen. Zerstreue die Völker,
die Lust haben am Krieg! 68,32 Es werden kommen Bronzesachen aus
Ägypten; Äthiopien soll seine Hände ausstrecken zu Gott.
68,33 Ihr Königreiche der Erde, singt Gott, spielt dem Herrn,
68,34 ihm, der einherfährt auf den Himmeln, den Himmeln
der Vorzeit! Siehe, er läßt seine Stimme erschallen, eine mächtige
Stimme. 68,35 Gebt Gott Macht! Seine Hoheit ist über Israel
und seine Macht in den Wolken. 68,36 Furchtbar [bist du], Gott,
aus deinen Heiligtümern her. Der Gott Israels, er ist es, der Stärke
und Kraft gibt dem Volk. Gepriesen sei Gott!
Kapitel 69
69,1 Dem Chorleiter. Nach Schoschannim. Von David. 69,2 Rette
mich, Gott, denn Wasser sind bis an die Seele gekommen.
69,3 Ich
bin versunken in tiefen Schlamm, und kein fester Grund ist da; in Wassertiefen
bin ich gekommen, und die Flut schwemmt mich fort. 69,4 Ich bin
müde von meinem Rufen, entzündet ist meine Kehle; meine Augen
vergehen vom Harren auf meinen Gott.
69,5 Mehr als die Haare meines
Hauptes sind die, die mich ohne Ursache hassen; mächtig sind, die
mich verderben wollen, meine Feinde [sind sie] ohne Grund; was ich nicht
geraubt habe, das soll ich dann erstatten. 69,6 Du, o Gott, hast
meine Torheit erkannt, und meine Verschuldungen sind dir nicht verborgen.
69,7
Laß nicht durch mich beschämt werden, die auf dich hoffen, Herr,
HERR der Heerscharen! Laß nicht an mir zuschanden werden, die dich
suchen, Gott Israels! 69,8 Denn deinetwegen trage ich Hohn, hat
Schande bedeckt mein Antlitz.
69,9 Entfremdet bin ich meinen Brüdern
und ein Fremder geworden den Söhnen meiner Mutter. 69,10 Denn
der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt, und die Schmähungen derer,
die dich schmähen, sind auf mich gefallen. 69,11 Als ich weinte
[und] meine Seele fastete, da wurde es mir zu Schmähungen.
69,12
Als ich mich in Sacktuch kleidete, da wurde ich ihnen zum Sprichwort. 69,13
Die im Tore sitzen, reden über mich, und [auch] die Spottlieder der
Zecher. 69,14 Ich aber [richte] mein Gebet an dich, HERR, zur Zeit
des Wohlgefallens. O Gott, nach der Größe deiner Gnade, erhöre
mich durch die Treue deiner Hilfe! 69,15 Ziehe mich heraus aus dem
Schlamm, daß ich nicht versinke! Laß mich errettet werden von
denen, die mich hassen, und aus den Wassertiefen! 69,16 Laß
die Flut der Wasser mich nicht fortschwemmen und die Tiefe mich nicht verschlingen;
und laß die Grube ihren Mund nicht über mir verschließen!
69,17
Erhöre mich, HERR, denn gut ist deine Gnade; wende dich zu mir nach
der Größe deiner Erbarmungen! 69,18 Und verbirg dein
Angesicht nicht vor deinem Knecht, denn ich bin bedrängt; erhöre
mich eilends! 69,19 Nahe dich meiner Seele, erlöse sie; erlöse
mich um meiner Feinde willen! 69,20 Du, du hast meine Schmähung
erkannt und meine Schmach und meine Schande; vor dir sind alle meine Bedränger.
69,21
Der Hohn hat mein Herz gebrochen, und [es] ist unheilbar; und ich habe
auf Mitleid gewartet - aber [da war] keins; und auf Tröster, aber
ich habe keine gefunden. 69,22 Und sie gaben mir zur Speise Gift,
und in meinem Durst tränkten sie mich mit Essig.
69,23 Es werde
ihr Tisch vor ihnen zur Falle, und den Sorglosen zum Fallstrick!
69,24
Laß dunkel werden ihre Augen, daß sie nicht sehen; und laß
beständig ihre Hüften wanken! 69,25 Schütte über
sie aus deine Verwünschung, und deines Zornes Glut soll sie erreichen!
69,26 Verödet sei ihr Lagerplatz, in ihren Zelten sei kein
Bewohner! 69,27 Denn den du geschlagen hast, haben sie verfolgt,
und vom Schmerz deiner Verwundeten erzählen sie. 69,28 Füge
Schuld zu ihrer Schuld, und laß sie nicht hineinkommen in deine Gerechtigkeit!
69,29 Sie sollen ausgelöscht werden aus dem Buch des Lebens
und nicht eingeschrieben werden mit den Gerechten!
69,30 Ich aber
bin elend, und mir ist wehe; deine Rettung, o Gott, bringe mich in Sicherheit!
69,31 Loben will ich den Namen Gottes im Lied und ihn erheben mit
Dank.
69,32 Denn es wird dem HERRN wohlgefälliger sein als
ein Stier, ein Opferstier mit Hörnern und gespaltenen Hufen.
69,33
Die Sanftmütigen haben es gesehen, sie werden sich freuen; die ihr
Gott sucht, euer Herz soll leben! 69,34 Denn der HERR hört
auf die Armen, und seine Gefangenen verachtet er nicht. 69,35 Ihn
sollen loben Himmel und Erde, die Meere, und alles, was in ihnen wimmelt!
69,36
Denn Gott wird Zion retten und die Städte Judas bauen; und sie werden
dort wohnen und es besitzen. 69,37 Die Nachkommen seiner Knechte
werden es erben; und die seinen Namen lieben, werden darin wohnen.
Kapitel 70
70,1 Dem Chorleiter. Von David. Zum Gedächtnis. 70,2
Eile, Gott, mich zu retten, HERR, zu meiner Hilfe! 70,3 Es sollen
sich schämen und zuschanden werden, die nach meinem Leben trachten!
Es sollen zurückweichen und beschimpft sein, die Gefallen haben an
meinem Unglück! 70,4 Sie sollen umkehren wegen ihrer Schande,
die da sagen: Haha! Haha! 70,5 Frohlocken und deiner sich freuen
sollen alle, die dich suchen! Stets sollen sagen: `Groß ist Gott!,
die dein Heil lieben.
70,6 Ich aber bin elend und arm; o Gott, eile
zu mir! Mein Helfer und mein Retter bist du! HERR, zögere nicht!
Kapitel 71
71,1 Bei dir, HERR, habe ich mich geborgen. Laß mich niemals
beschämt werden! 71,2 In deiner Gerechtigkeit rette mich und
befreie mich! Neige dein Ohr zu mir und hilf mir.
71,3 Sei mir ein
Fels zur Wohnung, zu dem ich immer kommen kann! Du hast geboten, mich zu
retten. Denn mein Fels und meine Burg bist du. 71,4 Mein Gott, befreie
mich aus der Hand des Gottlosen, aus der Faust des Ungerechten und des
Gewalttätigen.
71,5 Denn meine Hoffnung bist du, Herr; HERR,
meine Zuversicht von meiner Jugend an. 71,6 Auf dich habe ich mich
gestützt von Mutterschosse an, vom Mutterleib hast du mich entbunden;
dir gilt stets mein Lobgesang. 71,7 Vielen bin ich wie ein Wunder;
du aber bist meine starke Zuflucht. 71,8 Mein Mund ist voll von
deinem Lob, von deinem Ruhm den ganzen Tag. 71,9 Verwirf mich nicht
zur Zeit des Alters; beim Schwinden meiner Kraft verlaß mich nicht!
71,10
Denn meine Feinde haben über mich geredet, und die nach meinem Leben
trachten, miteinander beratschlagt. 71,11 Sie sagen: Gott hat ihn
verlassen! Verfolgt und ergreift ihn, denn kein Retter ist da!
71,12
Gott, sei nicht fern von mir; mein Gott, eile mir zur Hilfe! 71,13
Zuschanden werden, vergeh